Empire: Total War

Königliches Vergnügen

Donnernd entladen sich sechs 12-Pfünder-Geschütze und schleudern ihre tödliche Ladung über das gesamte Schlachtfeld. Krachend schlagen sie in den britischen Reihen ein, wirbeln Körper durch die Luft und verwandeln die akkurate Frontlinie in ein Chaos. Nur noch 50 Meter trennen die beiden Armeen. Die stolzen Rotröcke und die amerikanischen Kolonisten. Unterdrücker und Freiheitskämpfer. Eine Schlacht um Ruhm, Ehre und das nackte Überleben. Hastig werden amerikanische Vorderlader gestopft, schnell anvisiert und die grobschlächtigen Waffen mit einem lauten Knall auf den erbitterten Feind abgefeuert.

Schwerer, dicker Pulverdampf steigt auf. Trübt kurz die Sicht. Immer wieder ertönen Schreie und weitere Menschenleben werden ausgelöscht. Schlachtreihen verschieben sich, kurze Befehle werden gebrüllt und die Kavallerie setzt zum vernichtenden Schlag an, bis nur noch Leichen die blühende Graslandschaft zieren. Wie zum Hohn taucht die strahlende Morgensonne das tödliche Kapitel amerikanischer Geschichte in warmes, weiches Licht. Die Schlacht um Bunker Hill ist zu Ende und dank Empire: Total War war der Krieg noch nie so schrecklich-schön.

Doch Creative Assemblys neustes Kapitel ihrer Total War-Franchise geht weit über die kosmetischen Verbesserungen hinaus. Mit Empire: Total War ist es ihnen nach zwischenzeitlicher Stagnation auf hohem Niveau gelungen, die Serie auch spielerisch sinnvoll zu erweitern. Einmalige Seekämpfe, eine ausgefeiltere Taktik-Karte und Forschung als ein integraler Bestandteil des Gameplays, befördern das militärisch eher unspannende 18. Jahrhundert in einen Strategie-Krimi der Extraklasse.

Durch die großflächigen Änderungen in der Gefechts-Doktrin, ausgelöst durch das Aufkommen von durchschlagkräftigen Feuerwaffen, spielen sich vor allem die Echtzeitgefechte überraschend anders. Starke, zielgenaue Artillerie zwingt die Kriegsparteien aus ihrer Deckung. Das Spielgeschehen gewinnt an Fahrt, neue Taktiken entstehen und selbst Veteranen müssen ihre Spielweise anpassen. Und auch die Seegefechte erfordern ein Umdenken. Details wie Windrichtung, Munitionsart und Angriffstaktiken avancieren die Jagd auf den Weltmeeren zu einem wilden Katz- und Maus-Spiel. Im Spannungsfeld zwischen Ultra-Realistisch und einfach spielbar gelingt es Creative Assembly, die perfekte Balance zu finden.

Ein Gespür, das sie auch bei der historischen Genauigkeit beweisen. In einer Zeit, in der sich Zugehörigkeit und Besitzverhältnisse fast jährlich ändern und neue Staatsformen das Licht der Welt erblicken, zeichnet Creative Assembly ein genaues, spielerisch interessantes Bild der Wirklichkeit. Vom Unabhängigkeitskrieg der amerikanischen Siedler über Kolonial-Konflikte und Piraten-Überfälle, bis hin zu gewaltigen Kontinental-Kriegen wird das 18. Jahrhundert in all seiner wahnwitzigen Pracht dargestellt. Bei den Ländern und Fürstentümern müssen Geschichtsprofessoren zwar ein paar Kompromisse eingehen, für eine dicke Portion Bildung reicht es aber auf jeden Fall.

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Blutiges Schlachtfeld, romantischer Sonnenuntergang.

Abseits der klassischen Kampagne, bei der Ihr die Geschicke von einer der 12 spielbaren Nationen auf drei Kontinenten übernehmt, gibt es eine etwas einfache, aber spannende Einzelspieler-Kampagne, die Euch anhand des Unabhängigkeitskrieges der US-Amerikaner die Grundlagen des Gameplay beibringt. In vier spannenden Episoden erlebt Ihr die Kämpfe der ersten Kolonisten mit den Indianern, besiegt gemeinsam mit den Briten die französischen Großmacht-Ambitionen und ringt in der dritten Episode um die Unabhängigkeit vom englischen Königshaus. Abschließend seid Ihr dann fit genug, um im letzten Teil die Vereinigten Staaten durch die große Kampagne zu führen.

Die Ziele Eures Feldzuges sind stets klar definiert. Je nach Kampagnen-Länge müsst Ihr bestimmte Länder erobern, um die Aufgabe erfolgreich abzuschließen. Maximal habt Ihr Einhundert Jahre a zwei Spielzüge Zeit, um die Weltherrschaft zu erlangen. Anfangs spielen sich die Runden noch sehr zäh, da über 30 Parteien Forschung in Auftrag geben, diplomatische Beziehungen pflegen und militärische Aktionen durchführen. Wer zwischen den einzelnen Runden keine 10 Minuten Wartezeit einplanen möchte, sollte dringend die Anzeige der CPU-Bewegungen in den Optionen abschalten. Seid Ihr von irgendwelchen Aktionen betroffen, wird das Geschehen natürlich trotzdem angezeigt.

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Kristian Metzger

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