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Heute: Die Piraten

Wer ist Jens Seipenbusch

Von Mai 2007 bis Mai 2008 bekleidete Jens Seipenbusch das Amt als Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland. Gemeinsam mit Christof Leng arbeitete er am Grundsatzparteiprogramm der Partei und wurde so zum zweiten Vorsitzenden ernannt. Derzeit ist Seipenbusch als stellvertretender Vorsitzender tätig. Dirk Hillbrecht hat das Amt des Parteivorsitzenden übernommen.

Jens Seipenbusch studierte Physik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo er im Augenblick stellvertretender Leiter der IVV der Rechtswissenschaftlichen Fakultät ist. Gleichzeitig ist er an seiner Fakultät Mitglied des Prüfungsausschusses und der EDV-Kommission. Er ist in Münster wohnhaft und verheiratet.

Eurogamer: 1. Haben Sie schon ein Computer- und Videospiel getestet? Und wenn ja, welches?

Jens Seipenbusch: Ich bin seit 24 Jahren selbst begeisterter Computerspieler. Inwzischen spiele ich auch gerne auf LAN-Parties Counter-Strike (CS:S).

Eurogamer: 2. Sind Sie der Meinung, dass man Spiele vorher ausprobieren muss, um sie bewerten zu können?

Jens Seipenbusch: Sicherlich hilft generell die Kenntnis bei der Bewertung eines Themas. Aber man muss nicht selbst ein Spieler sein aus meiner Sicht. Ich denke, dass der Besuch einer LAN-Party jedem zu mehr Einsicht verhilft, dass Computerspielen die Jugend heute ebensowenig verdirbt wie früher Rock'n'Roll das angeblich getan hat. Daher halte ich auch die Projekte von Eltern-LANs, also Begleitprojekten für Eltern auf LAN-Parties für eine extrem nützliche Sache.

Eurogamer: 3. Was sagt ihre Partei zu Thema Computer- und Videospiele?

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Stv. Vorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch.

Jens Seipenbusch: Wir halten die anhaltende Debatte um sogenannte Killerspiele für unsäglich verfehlt. Deutschland hat ein scharfes und wirksames Jugendschutzgesetz. Es gibt keinerlei Grund, dieses weiter zu verschärfen, im Gegenteil sollte man vielleicht mal die Gesamtheit der Massnahmen besser kombinieren und wissenschaftlich evaluieren.

Hier den Jugendschutz auch noch mit der Einschränkung von erwachsenen und mündigen Bürgern dieses Staates zu vermischen, ist geradezu lächerlich. Nicht ohne Grund ist die Liste der Gründe, warum bestimmte Medien Erwachsenen nicht zugänglich sein dürfen, sehr kurz. Wir benötigen keine moralischen Ratschläge des Staates, das ist eine Anmaßung sondergleichen. Die Forderungen nach Herstellungsverboten und ähnlichem tragen hysterische Züge und würden auch der deutschen Wirtschaft große Schäden verursachen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zudem, dass es den oft behaupteten ursächlichen Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Spielen und realer Gewalt so nicht gibt.

Die Piratenpartei lehnt eine solche Diffamierung von Computerspielern entschieden ab.

Eurogamer: 4. Wie ist ihre eigene Meinung?

Jens Seipenbusch: Das zu 3. gesagte ist auch meine persönlich Meinung.

Eurogamer: 5. Wo hören bei ihnen "vernünftige" Spiele auf und beginnen so genannte Killerspiele?

Jens Seipenbusch: Seit jeher versucht die Elterngeneration ihre Kinder und Jugendlichen zu 'vernünftigem' Verhalten zu bewegen. Und schon immer gelingt das nicht im erwünschten Ausmass. Waren es noch vor wenigen Jahren der Rock 'n' Roll oder kurze Röcke, die die Jugend verderben, muss es heute das Killerspiel sein. Es ist bedauerlich, dass so wenige ältere Menschen an ihre eigene Jugend zurückdenken, wenn sie bei solchem Unsinn beifällig nicken.

Ein Killerspiel ist für mich eher das Schiesstraining auf dem echten Schiessstand, als die Auseinandersetzung am Bildschirm. Die hohe Realitätstreue heutiger Grafikdarstellung auf dem Computer erstaunt gerade die Unkundigen und lässt sie vergessen, dass es nur Pixel sind. Diese Tatsache haben Jugendliche heutzutage aber verinnerlicht. Der oft als Killerspiele gebrandmarkte Sektor der Ego-Shooter ist grundsätzlich harmlos. Worüber man sich immer unterhalten kann - und das gilt genauso für den Videosektor -, ist die konkrete Ausgestaltung der Darstellung.

So sind Splatter-Filme zurecht oft ab 18, denn dort sieht man ja sogar echte Menschen abgebildet, auch wenn es alles Trickeffekte sind. Aber die Einstufung solcher Aspekte bei Computerspielen funktioniert hierzulande ganz hervorragend und bedarf keiner Änderung. Conuter-Strike ist aus meiner Sicht völlig zurecht ab 16 Jahren freigegeben.

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Über den Autor:

Kristian Metzger

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