eXperience112

Ein Meisterwerk

"Einen Tag! Einen Tag habe ich damit verbracht, hin und her zu gehen und auf Dich zu warten!"

eXperience112 ist ein Meisterwerk.

Das sollte Euch nicht überraschen, denn immerhin kommt es von Lexis Numérique, deren In Memoriam bereits ein kleiner Geniestreich war. Aber vermutlich wird es Euch überraschen und außerdem ist das neueste Spiel der Franzosen weitaus mehr als ein kleiner Geniestreich.

eXperience112 ist ein Meisterwerk, weil es Euch das Gefühl gibt, in eine andere Welt abzutauchen. Diese Welt ist zunächst ein großes Schiff, das seine besten Zeiten längst hinter sich gelassen hat: Rost blättert von den Wänden, winzige Lecks lassen Wasser ins Innere kriechen, wilde Pflanzen wuchern in jeder Ecke. Die Natur holt sich zurück, was irgendwann einmal ihr gehörte. Und der Mensch kann sie nicht zurückschlagen, denn dieses Schiff - oder diese Basis, wie es auch genannt wird - ist fast vollkommen verlassen.

Die anscheinend einzige lebende Hinterbliebene der Besatzung heißt Lea Nichols, erwacht zu Beginn der Geschichte aus einem intensiven Schlaf und kann sich nicht mehr so recht erinnern, was sie hier überhaupt tut. Um zu überleben und das Schiff letztendlich zu verlassen, muss sie die Erinnerung aber schnell zurück gewinnen, sich an Bord zurecht finden und dabei kommt ein zweiter Charakter ins Spiel: Ihr.

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So sieht Euer Bildschirm oft aus.

Damit seid wirklich Ihr selbst gemeint, denn das Schiff verfügt über noch eine herausragende Eigenschaft, die bisher keine Erwähnung gefunden hat: Ein riesiges Überwachungssystem, das Ihr mit Hilfe eines simplen Interfaces steuert. Nahezu jede Ecke der Umgebung wird von mehreren Kameras gefilmt, Ihr habt die volle Kontrolle über das Licht, Türen und zahlreiche Geräte. Die Sache ist nur, dass Ihr anfangs keine Ahnung habt, wie Ihr damit umgehen müsst, dass Euch Lea nicht kennt und Ihr nicht direkt mit ihr kommunizieren könnt.

Wie gewinnt man das Vertrauen einer fremden Person, die einen weder sehen noch hören kann? Das ist eine der Fragen, vor die Euch das Spiel stellt.

eXperience112 ist ein Meisterwerk, weil es Euch eine andere Perspektive zeigt. Wir sind es gewohnt, Tag für Tag von unzähligen Kameras gefilmt zu werden - in der Straßenbahn, in Geschäften, am Bahnhof, auf öffentlichen Plätzen. Aber wir nehmen es kaum wahr und fragen uns erst recht nicht, wie es wohl auf der anderen Seite aussehen mag.

In diesem Spiel jedoch wechselt Ihr die Sichtweise, erblickt alles nur durch die Augen der Kameras. Ihr verfolgt Lea mit ihnen, während sie sich durch das Schiff bewegt, und Ihr werdet Euch ganz schön aufgeschmissen, sogar hilflos fühlen, wenn eine Kamera den Dienst verweigert oder Ihr mal den Überblick verliert. Eine ungewohnte, aber dafür umso interessantere Erfahrung.

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Viele Aufgaben könnt Ihr nur als Team lösen.

eXperience112 ist ein Meisterwerk, weil Ihr neue Arten der Kommunikation, der nonverbalen Kommunikation entdecken müsst. Wollt Ihr Leas Aufmerksamkeit auf etwas lenken, könnt Ihr schließlich nicht direkt auf den Gegenstand zeigen oder sie darauf ansprechen. Stattdessen müsst Ihr sie locken, indirekt Ihr Interesse wecken. Zum Beispiel, indem Ihr das Licht flackern lassen oder indem Ihr eine Maschine an- und ausschaltet.

Häufig müsst Ihr sogar direkt zusammen arbeiten, aufeinander eingehen, in beide Richtungen kommunizieren. Lea bittet Euch, etwas in der Datenbank Eures Computer nachzuschlagen, stellt Euch eine Frage, die Ihr irgendwie beantworten müsst. Also lernt Ihr, die Kameras als Euren Kopf zu sehen. Schüttelt Ihr sie nach links und rechts, bedeutet das "nein", nickt Ihr mit ihnen nach oben und unten, heißt das "ja".

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Fabian Walden

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