F1 2021 - Test: Mit Höhen, Tiefen und Story-Dramatik

Was kann der neue Story-Modus?

Die zentrale Neuerung bei F1 2021 ist in diesem Jahr der Story-Modus Braking Point. Der bietet euch ein gestrafftes Spielerlebnis, eingebettet in eine Geschichte mit Zwischensequenzen, wie ihr es aus FIFAs The Journey kennt. Keine schlechte Idee, mit The Journey hatte ich meinen Spaß und in Sportspielen ist so was nicht alltäglich. Wenngleich es mir mehr Spaß machte, die Zwischensequenzen anzuschauen, als am Ende selbst im Cockpit des Rennwagens zu sitzen.

Das liegt daran, dass Codemasters in Braking Point die Schwierigkeitsstufen vergeigt hat. Ihr habt anfangs die Wahl zwischen drei Vorgaben - leicht, normal, schwer - und noch ein paar Detaileinstellungen, die hier nicht so umfangreich ausfallen wie zum Beispiel in der Karriere. Ich entschied mich für die normale Stufe und später musste ich mich versichern, dass ich nicht aus versehen die leichte gewählt hatte. Zumindest entspricht es nicht meinem Verständnis eines normalen Schwierigkeitsgrades, wenn ich mich im Alpha Tauri innerhalb von sieben, acht Runden durch das halbe Fahrerfeld pflüge, an die Spitze setze und bis zur karierten Flagge noch einen enormen Vorsprung herausfahre. Als ob Verstappen, Hamilton und Co. in lahmen Karts um die Strecken juckeln.

Probleme mit dem Balancing in Braking Point

Umgekehrt war mir die schwere Stufe, die ich dann kurz anspielte, schon wieder zu anspruchsvoll, weil sie teils absolut perfekte Runden von euch verlangt, damit ihr eure Zielsetzung im Rennen innerhalb der wenigen Runden erreicht. Codemasters hat hier den "Sweet Spot" deutlich verpasst. In der Karriere ließe sich das ausgleichen, indem ich gezielt die Fahrer-KI-Stufe im Bereich von 1 bis 100 anpasse, hier geht das aus unerklärlichen Gründen nicht. Und am Ende macht es dann nicht wirklich Spaß, so mühelos durchs Feld zu fahren und alle anderen hinter sich zu lassen.

Was schade ist, denn das ganze Drumherum ist gut erzählt, wenngleich sich die Interaktionsmöglichkeiten in Grenzen halten. Zwischen den einzelnen Kapiteln lest ihr ein paar Mails oder in den sozialen Medien, führt einzelne Telefonate, aber sonst nichts. Interviews gibt's vereinzelt, dann haben wir die sehr hübsch inszenierten Zwischensequenzen und mal landet ihr mitten in einem Rennen und müsst nach einem Ereignis ein Ziel erfüllen oder absolviert einzelne, komplette Rennen von Anfang bis Ende. Diese Ziele erstrecken sich vom Erreichen eines bestimmten Platzes bis hin zur Rückeroberung von Plätzen, nachdem ihr ein Problem hattet - oder es geht darum, euren Teamkollegen zu schlagen, um ihm zu zeigen, wer hier der Bessere ist.

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Einmal nicht aufgepasst... Zum Glück gibt's die Rückspulfunktion. (F1 2021 Test)

Es geht um Rivalitäten, um Wettkampf, um Gerüchte und Getratsche. All das, was vom modernen Sport so zu erwarten ist. Gleichzeitig vermittelt die Story was, was jeder in seinem Leben berücksichtigen sollte. Das sorgt ein paar Stunden lang für Unterhaltung, aber wie gesagt, ihr werdet im Grunde stark an die Hand genommen und es würde mir als Gesamtpaket besser gefallen, wenn das Balancing optimaler gewesen wäre. Insgesamt gesehen erhoffe ich mir für die Zukunft, dass der Modus erhalten bleibt und Codemasters dann für nächstes Jahr aus dem Feedback lernt.

Wo Braking Point in F1 2021 oberflächlich bleibt, geht ihr woanders mehr ins Detail

Während ihr euch in Braking Point mehr oberflächlich mit allem befasst, taucht ihr an anderer Stelle in gewohnter Manier tief ins Formel-1-Geschäft ein, schraubt am Setup herum, behaltet den Himmel im Auge, um auf wechselnde Wetterbedingungen zu reagieren, und habt alles in der eigenen Hand. In der Karriere ist es erneut möglich, in die Haut eines der bekannten Fahrer zu schlüpfen oder mit einem eigenen Team in den Rennzirkus einzusteigen. Eine willkommene Ergänzung im letzten Jahr, die Codemasters weiter verfeinert hat. Es ist spannend, mit dem eigenen Team sein Glück zu versuchen, Stück für Stück an Erfahrung und Geld zu gewinnen, dieses in den Ausbau der eigenen Fabriken und die Erforschung neuer Teile zu stecken und sich so Schritt für Schritt an die besten Teams der Formel 1 anzunähern.

Neu hinzugekommen sind indes noch detailliertere Einstellungsmöglichkeiten, zum Beispiel ist es jetzt möglich, die Interviews nach den Rennen zu deaktivieren. Da die immer noch so ablaufen wie in den Jahren davor und gefühlt einfach Jahr für Jahr die Fragen recycelt werden, bin ich über diese Option sehr glücklich. Schade ist, dass die neue Möglichkeit des realen Saisonstarts nicht ganz das hält, was sie verspricht. Nun, prinzipiell ist es möglich, zu einem beliebigen Zeitpunkt der Saison mit der Fahrerkarriere einzusteigen - das stimmt...

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Regenrennen sind immer eine besondere Herausforderung. (F1 2021 Test)

Aber ihr übernehmt dann nicht - wie erwartet - die Rolle von Lewis Hamilton oder eines anderen auserwählten Fahrers, nein, dieser fliegt raus und an seine Stelle rückt euer eigener Avatar. Was im Grunde nicht das ist, was ich mir unter diesem Feature vorstellte. Während des Preview-Events im Juni klang das noch so, als könne ich zum Beispiel als Hamilton, Bottas oder wer auch immer einsteigen, um das Blatt im WM-Kampf noch zu wenden. Was dem Gedanken an den "Echtsaison-Start" widerspricht, wenn ich hier keinen echten Fahrer steuere. Das wirkt so nicht ganz durchdacht.

F1 2021 präsentiert sich als gelungenes Update

Klassische Wagen gibt's in diesem Jahr keine (immerhin klassische Fahrer für die Karriere), Fans werden ebenso das erneute Fehlen von VR-Unterstützung monieren. Das Spiel würde sich perfekt dafür anbieten, aus welchem Grund auch immer scheint Codemasters aber derzeit nicht gewillt zu sein, dies umzusetzen. Weiterhin wurden die Fahrphysik und die Reifen in diesem Jahr erneut optimiert. Gefühlt müsst ihr heuer noch feinfühliger aus den Kurven kommen beziehungsweise um manche Kurven rasen, weil das Heck einen Hang zum Ausbrechen hat, wenn ihr zu früh den Finger voll aufs Gaspedal haut - aber daran habt ihr euch schnell gewöhnt.

Drei neue Strecken - Imola, Portimao und Jeddah - kommen erst nach dem Release als DLC, ansonsten bietet F1 2021 euch im Grunde überwiegend das, was ihr aus dem Vorgänger kennt. An vielen Stellen optimiert, verfeinert und im Detail angepasst, größere, alles verändernde Umwälzungen oder Neuerungen erwarten euch abseits von Braking Point nicht. Willkommen ist aber in jedem Fall die Ergänzung einer vollwertigen Zwei-Spieler-Karriere, in der ihr im gleichen oder in unterschiedlichen Teams um die Weltmeisterschaft fahrt.

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Bestes Beispiel für eine Kettenreaktion. Ich drehe mich auf der Start-Ziel-Geraden in Spielberg, Verstappen bremst stark ab und Hamilton kracht ihm hinten rein. (F1 2021 Test)

Zugleich ist es das erste F1-Spiel, das vom Start weg auf den neuen Konsolen in dafür optimierter Form spielbar ist. Das bedeutet zum Beispiel auf der Xbox Series X, auf der ich es primär spielte, eine bombenfeste Framerate - soweit meine eigene Erfahrungen das sagen, die Kollegen von Digital Foundry werden das vermutlich noch im Detail analysieren. Raytracing gibt's leider nur in ausgewählten Momenten, zum Beispiel im Showroom oder während der Wiederholungen, nicht aber in den Rennen selbst. Auf der PS5 nutzen die Entwickler zudem die Fähigkeiten des DualSense, um euch noch feinfühliger zu vermitteln, wenn blockierende Reifen oder ein ausbrechendes Heck zu erwarten sind, damit ihr darauf sofort reagieren könnt.

Übrigens: Für den Vorgänger gekaufte Pitcoins, eine virtuelle Währung für den Item-Shop im Spiel, lassen sich nicht in F1 2021 übertragen.

F1 2021 Test - Fazit

Im Großen und Ganzen ist F1 2021 ein gelungenes Update seines Vorgängers. So, wie wir es von jährlichen Sportspielen kennen, die nicht als Legacy Edition auf alten Plattformen landen. Codemasters hat einmal mehr viel im Detail und im Hintergrund geschraubt, was beim Steuern noch mehr Feingefühl von euch voraussetzt als im letzten Jahr. Kurz gesagt: es spielt sich wunderbar, ist enorm flexibel anpassbar in Sachen Schwierigkeit und Steuerung und macht einfach Spaß - und das ist die Hauptsache. Was den neuen Story-Modus Braking Point anbelangt, gefällt mir die zugrunde liegende Idee. Die Umsetzung ist indes verbesserungswürdig, vor allem was das Balancing anbelangt. So hatte ich in den paar Stunden, die es dauerte, nicht ganz dieses unterhaltsame Erlebnis, das ich mir davon erhoffte. Im Kern ist die Geschichte gut erzählt, wenngleich die interaktiven Elemente ein wenig auf der Strecke bleiben. Da herrscht noch Optimierungsbedarf, wenn es damit weitergehen soll. Obgleich der Story-Modus also ein wenig schwächelt, erhaltet ihr mit F1 2021 ein umfangreiches Paket voller Detailverbesserungen, das mit zahlreichen Modi, Multiplayer- und E-Sport-Features ausgestattet ist, die Formel-1-Fans - egal ob sie lieber offline oder online spielen - glücklich machen. Die Lizenz ist bei Codemasters gut aufgehoben.

F1 2021 könnt ihr zum Beispiel auf Amazon.de, im Microsoft Store sowie im PlayStation Store kaufen.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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