Final Fantasy Crystal Chronicles Remaster Test - Damals ein Pionier

Heute ein kleines Ärgernis mit guter Musik.

Damals hatte jeder einen Screen und es war etwas Besonderes. Auf der Switch wäre das die leichteste Übung, aber hier scheitert es schon.

Final Fantasy Crystal Chronicles Remaster Test - Nun, sie könnten sagen, dass sie es wegen Corona gemacht haben... Sonst würde mir nämlich nur Faulheit einfallen. Was ist einer der besonderen Reize der Switch? Einfach vorkramen und mit ein paar Freunden was auf dem kleinen Screen spielen. Einen Dungeon-Crawl zum Beispiel. So einen, wie Final Fantasy Crystal Chronicles sie massenhaft zu bieten hat. Das wäre doch klasse. Selbst wenn die Grafik eher mau ist, die Steuerung ein wenig träge und das Schlaggefühl auch ruhig eine Überarbeitung hätte bekommen dürfen - am Ende ist alles gut, wenn zwei bis vier Kumpels auf Monster eindreschen. Was hier nicht geht. Danke fürs Kommen, sorry! Hätte ich vorher lesen sollen, ihr könnt wieder gehen.

Okay, technisch gesehen geht es schon. Über Online, was natürlich heute eine übliche Version wäre, aber damals war es eben eine der Besonderheiten, dass GameBoys mit dem GameCube verbunden wurden, damit alle Spieler ihren eigenen Screen hatten, wenn sie zusammensaßen. Das ist natürlich möglich, nur eben, dass es nicht so simpel ist, wie es sein sollte. Statt vier Switch-Geräte direkt zu verbinden, müsst ihr euch über Freundes-Codes connecten und online spielen. Es gibt aber keinen Couch-Koop auf einem Screen, gab es damals nicht, gibt es heute nicht. Auf der PS4 kann man das im Rahmen eines Remaster statt Remake Sinn machen, will man nicht die Vita ins Spiel bringen. Auf der Switch kann ich nur den Kopf schütteln. Die gute Nachricht ist, dass es eine Light-Version gibt. Einer muss das richtige Spiel haben und die anderen können sich dann für die Dungeons dazuschalten. Immerhin.

Viel Ladezeiten für wenig Relevanz

Es gibt auch eine Online-Lobby, in der Fremde zusammenspielen können und das tat ich ein paar Mal. Nur um zu erfahren, dass nur der Host Fortschritt in seinem Spiel bekommt, bei mir jedoch alles auf Stand bleibt. Zumindest habe ich ein wenig Loot bekommen. Aber am Ende war es für mich mehr Zeitverschwendung. Das ist alles nicht mehr zeitgemäßes Gameplay, das einfach schlecht gealtert ist, denn wenn ich mich recht erinnere, funktionierte das System damals auch so. Aber es war halt okay, weil fast jeder wahrscheinlich eh mit Freunden nur einen gemeinsamen Spielstand beackerte und nicht den eines Wildfremden weiterbrachte.

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Final Fantasy Crystal Chronicles Remaster Test: Story? Was mit Kristallen oder so.

Aber was ist Crystal Chronicles eigentlich? Im Grunde war es damals eine herbe Enttäuschung, denn es war das erste eigene Final Fantasy für den GameCube und wir erwarteten große Dinge. Auf der PlayStation gab es Klassiker von 7 bis 10 und Crystal Chronicles war nach vielen Jahren so etwas wie eine Heimkehr auf eine Nintendo-Plattform. Dann stellte es sich als Action-RPG-Dungeon-Crawler im niedlichen Look heraus, allein problemlos spielbar aber eigentlich auf Vierer-Koop ausgelegt. Nach diesem initialen Schock gab ich dem Spiel doch eine Chance - schließlich hatte ich es teuer gekauft - und siehe da, ich erinnere mich an eine ganze Reihe netter Stunden mit Crystal Chronicles. Sicher leicht verklärt heute, aber ja, ich mochte das Spiel wirklich.

Die Rückkehr begann mit entsprechender Zuversicht. Und gute Güte, war ich damals ein geduldigerer Mensch. Die Ladezeiten scheinen authentisch übernommen, denn zwischen den vielen, vielen - oft sinnlosen - Zwischensequenzen, der Oberwelt und den Dungeons lädt es erstaunlich oft und das auch für 20 Sekunden. Da wir das Thema zuletzt hatten: In Wasteland 3 muss ich 30 warten, aber dort tue ich das nicht für einleitenden Worte eines Bosses, nur um danach noch mal so lange auf den Kampf zu warten. Dann kann ich die vielen Sequenzen nicht abbrechen. Manche schon, andere nicht, es scheint willkürlich.

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Final Fantasy Crystal Chronicles Remaster Test: Dungeondesign, ca. 2003.

Leider sind die meisten Sequenzen auch inhaltlich weitestgehend irrelevant, auch wenn ihr das nicht gleich merken werdet. Auf der Oberwelt trefft ihr alle möglichen Leute. Diese sagen manchmal etwas, manchmal nicht. Eine Rolle spielt kaum etwas davon. Zunächst dacht ich noch, dass ich NPCs anheuern konnte, meine Erinnerung war etwas schwammig, was das angeht. Aber nein, es ist ein Spiel, in dem es eine gefühlte Billion sinnloser Sequenzen gibt, die euch vom Spielen abhalten. Fantastisch.

Die Musik? Zeitlos? Der Rest von Crystal Chronicles? Nun ja...

Kommen wir in die Dungeons, hier muss es doch krachen. Nun, nein, nicht wirklich. Das Kampfsystem beruht im Nahkampf darauf, dass ihr zuschlagt, wegrennt, zuschlagt, wegrennt, zuschlagt und das für eine ganze Weile. Es gibt keinen Block, keine Ausweichrolle, Hacken und Rennen ist das Motto. Aufladbare Angriffe sowohl im Nah- wie Fernkampf bringen vor allem in einer Gruppe etwas Taktik rein, wenn ihr euch denn einig seid, wer am Monster dran bleibt und wer das nutzt, um solche Attacken aufzuladen. Aber das war es im Großen und Ganzen. Sicher, ihr findet neue Waffen, mächtigere Zauber und all das, aber es ändert eigentlich nie etwas an dem sehr simplen Grundprinzip, das ihr vom ersten Kampf an durchexerziert. Es ist unterhaltsam genug in kurzen Schüben, für eine halbe Stunden einen Dungeon zu plündern und ein paar Monster zu hacken ist mit Freunden - oder von mir aus Fremden - okay, aber allein dann doch arg monoton.

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Final Fantasy Crystal Chronicles Remaster Test: Es kann schon hübscher, wenn es will

So arbeitet man sich denn für 20+ Stunden durch eine Welt voller sinnloser Begegnungen, ganz okay-er Story, wenn sie denn man zwischendurch ihren Gang findet und levelt vor sich hin. Dieses Leveln ist einer der interessanten Aspekte. Statt klassische Erfahrungspunkte zu sammeln, findet ihr in Dungeons nach Bossen Artefakte, die eure Werte verbessern. Nach und nach sammelt ihr so immer mächtigere Items, die ihr dann nach Gusto kombiniert. Es ist ein gutes System, das eigentlich nur durch den Zufallsfaktor in den Dungeons ausgebremst wird. Wenn man eine gewisse Vorstellung hat, wo es hingehen soll, bleibt der Grind dann doch nicht aus.

Was besagte Story angeht, es ist was mit Kristallen, die geschützt werden müssen, um das Böse fernzuhalten, der übliche Low-Level-FF-Schmu eben, den man eher auf einem Game Boy erwarten würde. Dann aber stand damals schon klar der Multiplayer und weniger die Story im Fokus und das hat sich nicht geändert. Ein Aspekt dessen ist allerdings, dass ihr einen Kristall - oder das, was ihn reinigt oder so, ich hab nur halb zugehört, während ich neben den endlosen Lade-Szenen FF Brave Exvius spielte - herumtragen müsst. Nun, zumindest oft genug, denn ihr habt einen zum Glück stummen Moogle dabei. Dieser hat aber nach einer Minute oder so genug davon und sagt, dass ihr jetzt mal tragen muss. Es soll wohl eine Art Immersion sein, dass es wirklich ein Quest-Objekt gibt, das gehandhabt werden muss, aber irgendwelche positiven Spielspaßeinflüsse konnte ich dem nicht abgewinnen, weder damals noch heute. Aber zumindest erinnert es immer daran, dass es um was mit Kristallen geht.

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Final Fantasy Crystal Chronicles Remaster Test: Dann ziehe ich mal wieder alleine aus.

Was die Technik angeht, ist es ein sehr zweischneidiges Schwert. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass es nur ein Remaster ist und so habt ihr eben Animationen und Look aus den frühen 2000ern. Dann wiederum ist das die Firma, die gerade Final Fantasy 7 visuell neu erfunden hat und so war die Erwartungshaltung zumindest minimal höher als das, was mir nun vorliegt. Auch die wenig poppigen Farben laufen dem niedlichen Look eher zuwider und so bleibt es ein blasses Spiel, wortwörtlich wie im technisch übertragenen Sinn. Von den Ladezeiten habe ich schon ausführlich berichtet, daher zu etwas Erfreulicheren: dem Sound. Nein, nicht den Effekten, die sind so belanglos, wie es nur wird. Die Musik ist herausragend. War sie damals, ist sie heute und die Stücke hier können es mit den großen Spielen der Reihe aufnehmen. Jeder dieser Tracks hätte ein besseres Spiel verdient. Vielleicht kann man sie in FF XIV nutzen. Nach Shadowbringers muss es da ja mal wieder etwas lustiger werden, das passt dann perfekt.

Ihr seid Fans des Originals? Dann kauft Final Fantasy Crystal Chronicles im PSN-Store.

Final Fantasy Crystal Chronicles Test Fazit

Final Fantasy: Crystal Chronicles war damals schon kein einfaches Thema, aber ein wirklich ambitionierter Konsolen-Multiplayer-Titel in einer Zeit, als diese noch in der Findungsphase waren. Das hat sich grundlegend geändert und jeder Rouge-Dungeon-Crawler hat bessere - im Falle von Couch vor allem weil vorhandene - Koop-Systeme. Dieses Herumgedönse mit Freundescodes, nur um mit Freunden im gleichen Raum zu spielen, ist unwürdig. Das Spielen mit Fremden in fremden Dungeons fast sinnlos. Hier wäre viel mehr möglich gewesen, aber es ist eben ein Remaster und keine Weiterentwicklung eines Pioniers.

Das ist dann auch beim Rest die Crux. Was damals ein durchaus akzeptabler kleiner Dungeon-Grind war, wirkt heute wie ziemlich primitiv aus der Zeit gefallen. Wenn ihr wirklich schöne Erinnerungen an Crystal Chronicles habt und bereit seid, die Ladezeiten, endlosen Szenen und die Hürden im Multiplayer in Kauf zu nehmen - immer noch besser als dass jeder eines der seltenen Link-Kabel für den GameBoy kaufen muss, das gebe ich zu -, dann ist das hier okay. Es ist ein solides Remaster, aber eben von einem Spiel, dessen Existenzgrundlage kein heute noch relevantes spielerisches Element mehr ist, sondern der große Name.

  • Entwickler / Publisher: Square Enix
  • Plattformen: PS4, Switch (getestet auf Switch)
  • Release-Datum: 27. August
  • Sprache: Deutsche Texte
  • Preis: ca. 30 Euro, keine Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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