Folge 2 von Falcon and The Winter Soldier überrascht schon nach 5 Minuten - Serienkritiker

Reden wir über die neue Episode - Spoilerfrei am Start, danach die Aufarbeitung!

Alles klar, ich habe mir überlegt, dass es wenig Sinn macht, wöchentlich über die neue Falcon and the Winter Soldier Folge zu sprechen, wenn ich inhaltlich nicht ein wenig mehr ins Detail gehen kann. Außerdem sollen diese Artikel ja auch ein bisschen als Diskussionsgrundlage für diejenigen fungieren, die sich die neue Episode angeschaut haben (Spoiler Tags in den Kommentaren nicht vergessen, bitte!) Deshalb sind diese Texte fortan zweigeteilt: Eine kurze spoilerfreie qualitative Einordnung und danach - separat - die volle Kritik mit Spoilern. Klingt gut für euch? Ok, go! (Für mich nicht, weil ich das Gegenlesen muss, aber die Serie noch nicht kenne. Danke, Alex! Grüße, Martin...)

Inhalt

Spoilerfreies Urteil, Folge 2, Der Sternenbanner-Mann

Gute Neuigkeiten für alle, denen Folge eins nach spektakulärem Auftakt ein wenig zu behäbig war: Die Exposition ist vom Tisch und wir gehen mit Der Sternenbanner-Mann mehr oder weniger direkt in medias res. Der erste Akt wird hiermit abgeschlossen, wir wissen, in welche Richtung es geht und haben ein recht exaktes Bild von der Handlung und dem zentralen Konflikt - und den feineren Nebensträngen der Serie.

Außerdem werden Nebenfiguren eingeführt, die neugierig machen, in einem Fall massiv vorgefasste Erwartungen untergraben und Platz für Graustufen und sogar ein paar Farbtupfer lassen. Und ja, auch eine massiv nach Kino aussehende, aufregende Action-Sequenz gibt es, die die hinzugekommene und bisher nur in Trailern angedeutete Buddy-Dynamik schön flankieren. Stan und Mackie sind ein sehr natürliches Bildschirmduo. Alles in allem eine unterhaltsame Folge, die die These vom Sechs-Stunden-Kinofilm weiter untermauert, so nahtlos wie sie sich an die Eröffnung anfügt.

Aktuell ist meine vornehmliche Sorge, dass der übergeordnete Handlungsbogen hinter den ganzen Andeutungen auf das restliche MCU und der Charakterarbeit zurücksteht und mein Interesse verliert. Wir werden sehen. Und jetzt wieder sieben Tage warten. Mist.

Warnung: Ab hier gehen die Spoiler los!

SPOILER!!! Ja, Spoiler zu Falcon and the Winter Soldier Episode 2, Der Sternenbanner-Mann

Verdammt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Respekt an die Autoren dieser Serie, denn nachdem sich die Vorstellung des neuen Captain America, John Walker, am Ende der letzten Folge für jedes Mitglied von #TeamCap wie ein Tritt von hinten in die Weichteile angefühlt hat und man fest entschlossen war, ihn aus tiefstem Herzen zu hassen, machen sie in Folge zwei, was man nicht unbedingt erwarten konnte: Sie zeigen den neuen "Sternenbanner-Mann" schon zu Beginn als sensiblen und vom Druck des Kostüms verunsicherten Saubermann und als echten Helden, der den Schild beinahe verdient hätte.

Gleichzeitig bekommen Sie es hin, den Konflikt zwischen ihm und den ehemaligen Avengers glaubwürdig zu halten. Es so anzugehen, und ihn nicht vom Fleck weg zum rabiaten, ultrapatriotischen "Mirror-Universe Steve Rogers" anzulegen, ist spannend, weil die Konfrontation dieser Figuren auf diese Weise prinzipiell ergebnisoffen ist und Walkers Charakterreise diverse Abzweigungen nehmen könnte. Ganz egal, ob er sich letzten Endes doch noch zum Bösewicht entwickelt. Es ist immer spannender und einnehmender, wenn man diese Schritte mit den Figuren gehen kann.

Diverse Brücken werden ins größere Marvel-Universum geschlagen: Das Supersoldat-Serum kehrt zurück und beißt "den Guten" in den A**** und Isaiah Bradley in einer gebrochenen MCU-Form zu sehen, erweitert einmal mehr das Kinouniversum an seinen Rändern um ein paar finstere Grautöne. Die Autoren der Serie laufen damit zwar Gefahr, dass Superkräfte (und damit auch ihre Helden) mit der Zeit immer alltäglicher werden, aber diese Vorhaltung kann man dem MCU schon seit längerem machen.

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Mackies und Stans Chemie ist stimmig und auch wenn man diese Art Humor nicht zum ersten Mal sieht, schaut man den beiden doch gerne zu. Wyatt Russell (Kurt Russells und Goldie Hawns Sohn) macht seine Arbeit als neuer Cap gut, und auch wenn mir bereits schwant, in welche Richtung sein Charakterbogen gehen könnte - Druck durch Erwartungen, die auf ihm lasten, körperlich übermächtige Feinde, das eine oder andere Fläschchen Supersoldatenserum, das ihm vielleicht in die Hände fällt - bin ich sehr zufrieden damit, ihn erstmal nicht zu hassen. Wir sehen dann in den kommenden Folgen, ob die Verantwortlichen mich noch einmal überraschen.

Die Actionszene mit den Lastwagen war fantastisch, weniger gut gefiel mir dagegen der als Kommentar über systemischen Rassismus gemeinte Austausch mit den Polizisten nach Besuch von Isaiahs Haus. Das war nach der Bankszene im letzten Teil ein bisschen zu sehr auf die Nase, wenngleich es als Gelegenheit, Bucky wieder mit seiner genial aufgelegten Psychologin zusammenzubringen, am Ende doch noch lohnend war.

Und schon ist wieder ein Drittel der neuen Marvel-Serie rum. Ich bin bis hierhin fast ausnahmslos glücklich mit den allermeisten kreativen Entscheidungen und hoffe, in der nächsten Folge ein wenig mehr über die Gegenspieler der LAF zu erfahren, die für sich genommen ebenfalls nicht ausnahmslos schlechte Vorstellungenh zu haben scheinen. Schön, wie den Machern gelingt, sich der Eskalationsspirale immer schlimmerer Bedrohungen zu entziehen und den Fokus auf interpersonelles Drama und philosophische Grundsatzfragen lenken. Nicht neu, aber in diesem Kontext das beste denkbare Resultat.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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