Folge 5 von Falcon and The Winter Soldier konnte so nur nach Black Lives Matter entstehen… - Serienkritiker

Ruhe vor dem Sturm. 

Mal wieder pro forma der Hinweis, dass diese Kritik Spoiler beinhaltet und als Ort fungieren soll, wo man sich über den neuesten Marvel-Quatsch austauschen kann. Mein Spoiler-freies Urteil für alle, die jetzt nicht mehr weiterlesen wollen: Es ist mit der ersten Folge vielleicht meine liebste bisher, eher ruhig und nicht ganz so auf Spannung getrimmt wie die letzte und spannt den zentralen Bogen mit scharfem Auge auf die zentralen Figuren weiter. Eine gute Ausgangsposition für das Finale nächste Woche.

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Da lag ich letzte Woche ganz falsch, was? Letzten Endes wird sich die letzte Folge doch um Karli Morgenthaus Flag Smasher drehen. Falcons Cap-Werdung ist in Folge fünf so gut wie abgeschlossen und Cap 2, Walker, erstmal auf dem Abstellgleis. Wieder mehr Buddy-Chemie, wenn auch mit viel Rotz, Blut und Motoröl im Gesicht, und sogar eine richtig gute Trainingsmontage, für alle, die diese Art von 80er Zutaten in den letzten Folgen vermisst haben, sorgen für Bindung an die Charaktere. Die dürfen sich nach einer actionreichen Eröffnung im Kampf gegen den neuen Captain America, in dem es erstaunlich ruppig zu Werke ging, auf die sorgfältige Abrundung ihrer Charakterbögen konzentrieren.

Exzellent war vor allem Sams Dialog mit dem schwarzen Supersoldaten Isaiah Bradley, der nach Black Lives Matter nochmal mit der Sprache der Comics verdeutlicht, wo und weshalb in den Vereinigten Staaten der Bruch durch die Gesellschaft geht. Waren frühere Anzeichen von Gesellschaftskritik in dieser Serie noch ein wenig ansatzlos und tendenziell etwas wackelig in den Plot eingebunden, machen sie rückwirkend nun mehr Sinn. Die Übergabe des Schildes an einen Schwarzen ist etwas einfach etwas anderes, als wenn ihn ein blondes Steve-Rogers-Derivat ihn entgegennimmt. Das war gut gemacht.

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Sie kommen sich näher.

Nett war auch die kurze Szene von Buckys Realisation bei Sam auf der Couch, dass der Schild immer noch ein wertvolles Symbol für jedermann sein kann. Und überhaupt war Sebastian Stan mal wieder erstaunlich nuanciert und funktionierte als relaxter Kumpeltyp ebenso gut wie als Mann fürs Grobe, der seinen Vibranium-Arm dafür geben würde, dass der Schild bei Wilson landet. Ohnehin war das Louisiana-Kapitel um das Fischerboot der Wilsons das warm pulsierende Herzstück dieser Folge. Das war schon Feel-Good-Kino, mit zwei Figuren, die so langsam mit sich selbst ins Reine kommen. Im Rahmen des Superhelden-Genres wird es wohl nicht besser als das.

Dass wir Sams Captain-America-Anzug mit besten Grüßen aus - passenderweise - Wakanda noch nicht gesehen haben, schürt jetzt natürlich Erwartungen und dürfte am Ende ein Make-or-Break-Moment werden, aber einer, dem ich eher freudig entgegensehe. Auch Sharon Carters ausstehende Erklärung, warum sie zum Shadow Broker (oder einer seiner Handlangerinnen) wurde - wonach es mit der Befreiung von Batroc zumindest aussieht -, könnte mir nochmal etwas die Freude an der Serie verhageln. Denn da muss schon was Gutes kommen, damit ich den Autoren diese Wendung abnehme, nachdem sich die Dame in gleich zwei Filmen hintereinander aufopferungsvoll hinter die Avengers gestellt hatte.

Auch gebe ich zu, dass es mir noch ein wenig an Schärfe im Blick darauf fehlt, was eigentlich genau das Problem der Flag Smasher ist. Deren Leid hätten die Macher der Serie ruhig noch etwas eindeutiger in den globalen Kontext der Post-Snap-Welt einbinden können. Sie fühlen sich unterdrückt, wurden vertrieben. Aber es wird uns halt meist nur erzählt, es bleibt ein wenig ungreifbar, auch weil man das "normale Leben" im Rest der Welt nicht sieht und kein Gefühl für die Ausmaße der Missstände bekommt. Und findet es niemand komisch, dass derselbe Senator, der im Smithsonian die Übergabe des Schildes beklatschte, sowohl Schirmherr des neuen Captain-America-Programms als auch Rädelsführer bei der GRC war? Etwas seltsam... er verkörperte das Bild des korrupten Politikers wohl so gut, dass die Autoren Fünfe gerade sein ließen und ihn überall einsetzen wollten.

Was noch? Ach ja: Wirkt es sehr verzweifelt, dass ich immer noch nicht glaube, dass Steve Rogers wirklich tot ist? Im Deutschen sagt Sam zwar, er sei tot, im englischen Original ist aber zwei Mal nur von "gone" die Rede, so wie man normalerweise "nicht mehr da" sagen würde, und dass in der ersten Folge um Caps Verbleib ein solches Geheimnis gemacht wurde, scheint mir im Grunde immer noch ein Versprechen zu sein, dass er eben nicht tot ist. Dann wiederum: In Endgame sah er am Schluss schon ein bisschen jenseits von Joe Biden aus. Viel älter geht eigentlich nicht mehr...

Egal: Folge fünf war super, auf einem Level mit der tollen Eröffnung und obwohl ich befürchte, dass es im letzten Teil in erster Linie Rambazamba geben wird, noch dazu in einem Konflikt, der mich bisher nicht ganz so sehr interessierte, und ich mir wünschen würde, dass vor allem Bucky da weitermachen darf, wo er sein Zivilistenleben in Folge eins zurückließ, so freue ich mich doch sehr auf das Finale. Schade, dass danach schon wieder Essig ist, mit Marvel-Nachschub - aber bis Loki im Juni anläuft, ist es auch nicht mehr lange hin.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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