Fränkel frotzelt: Ich bin Romantiker

Man mag es kaum glauben...

Spiele machen nicht nur fett, dumm und gewalttätig, sondern auch komplett geisteskrank. Das steht für mich fest, seit ich von einem Heiratsantrag erfuhr, den eine Frau kürzlich ihrem Angebeteten per Fallout-3-Mod machte. Hallo, geht’s noch? Das ist ja wohl mal total krank! Ich mein: H-E-I-R-A-T-E-N? Wie kann man nur?

Zugegeben: Die Tatsache, dass die Dame – die übrigens Kristy heißt – virtuell um die Hand ihres Freundes Shawn anhielt, ist fast genauso ballaballa.

Wie es sich für eine emanzipierte Frau gehört (die bekanntlich alles so gut können will wie ein Mann, beim Restaurantbesuch dann aber Pflegepersonal benötigt, das ihr die Tür öffnet, die Jacke auszieht und einen Stuhl unter den Hintern schiebt), hatte Kristy dafür in einem Forum fachmännische Hilfe angefordert: Ein Heer von Freizeit-Entwicklern schuf eine Quest, bei der Shawn diverse Banditen eliminieren und ein virtuelles Abbild seiner Schnecke aus der Gefangenschaft retten sollte.

Die Pixelbraut geht nach der heroischen Befreiungsaktion vor ihrem Helden auf die Knie und stellt die Fragen aller Fragen:

Warum liegt hier eigentlich Stroh auf dem Boden?

Äh … 'tschuldigung, ich fürchte, ich bin im falschen Film. Die Frage lautete natürlich:

Willst du mich als deine postapokalyptische Liebessklavin zu dir nehmen, bis der Tod uns scheidet?

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Bei einem Herzinfarkt entscheiden oft Sekunden.

Weil es dummerweise nicht die Antwortmöglichkeit gab, die gepasst hätte („Klar du pöses Mädchen, mach disch nackisch, wir müssen dafür ja nicht gleich heiraten!“) trägt das Paar vermutlich nun bald den Ring, sie zu knechten, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

Was mich an einen ähnlichen Fall erinnert, bei dem ein geistig verwirrter Mann das SNES-Spiel Chrono Trigger umprogrammierte. Na ja, wenigstens hatte diese arme Sau noch eine theoretische Chance, seinem Schicksal zu entrinnen, schließlich musste es seine Freundin, man bedenke, dass es sich dabei um eine Frau handelt, erst mal bis zum entsprechenden Level schaffen. Ich mache es kurz: Wahrscheinlich war sie emanzipiert und hat fachmännische Hilfe angefordert.

Was mich im Rahmen dieser Geschichten am meisten erschüttert, sind die verbalen Beifallsbekundungen, die dazu überall im Netz herumschwirren. Sie reichen von „Oh wie süß!“ über „Hach, wie originell!“ bis „Ist das nicht romantisch?“. Äh … NEIN? Um jene Menschen mal in die Realität zurückzuholen: Das ist NICHT romantisch. Es ist nerdig. Mega-nerdig. Romantisch wäre, für sich und seine Herzensdame ein ganzes Kino zu mieten, um einen Heiratsantrag zu machen. Natürlich muss dabei der passende Film laufen. „Die Nacht der lebenden Toten“ oder so.

Außerdem will ich gar nicht wissen, wie die Ehe von Kristy und Shawn verläuft, wenn sie nicht mal bei einer solch bedeutenden Liebesbekundung zwischenmenschlich in Kontakt treten. Wird wohl ein ziemlicher Scheißaufwand, jedes Mal ein Spiel produzieren zu lassen und dann auch noch durchzuzocken, wenn einer von beiden Sex möchte. Einfache Fragen wie „Kannst du mir mal die Butter reichen, Schatz?“ geraten ebenfalls zur Herausforderung.

Lustig hingegen könnte die Trennung werden, die Shawn seiner Frau per Fallout 3 eröffnet. Kristy erwischt ihren Macker dabei im Bordell, Gay-Club, Schafstall oder noch perverser: im Minirock. Wie es sich für eine Killerspielspielerin gehört, deckt sie sich mit Waffen ein und läuft Amok. Bringt ihren Mann bestialisch um, indem sie ihn mit Tellern und Schuhen bewirft, ihm eine Folge Sex and the City zeigt oder ihn zu IKEA schleift.

Bleibt am Ende die Frage, was ihr tun könnt, falls der ständige Konsum gewalthaltiger Spiele eure Psyche derart stört, dass ihr heiraten wollt. Was wäre ein wirklich origineller Antrag? Natürlich stehe ich euch für diesen Fall mit Rat und Tat zur Seite. Mein Freund Google leitete mich während meiner Recherche auf eine Internetseite, wo unter anderem ein Spruchband empfohlen wird, welches hinten an einem kleinen Flugzeug zu befestigen sei. Jahaaa, sehr originell! Also ohne Google wären wir heutzutage echt aufgeschmissen, was?

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Bruce Lee in: „Die Todesklaue“.

Eine andere Website führt aus, dass es „besonders witzig“ sei, den Antrag mit Henna oder per Bodypainting auf den Körper aufbringen zu lassen. Also so was wie „Möchtest du meine Frau werden, Hilde?“ Lasst euch sagen: Richtig witzig ist das nur als Tätowierung! Außerdem will das Körperteil gut gewählt sein, sonst schauen Japaner, Italiener oder Männer, deren Freundin beispielsweise Mechthild-Dörte-Elfriede heißt, platzbedingt in die Röhre.

Als außerordentlich originell verkauft es schließlich eine dritte Internetseite, für die Liebste eine Schnitzeljagd zu veranstalten. Blöd natürlich, wenn die Dame Vegetarierin ist. Oh Gott, der war so flach, ich höre jetzt besser auf. Nein, eins noch: Ich habe einen todsicheren Tipp, was ihr tun müsst, sollte eure Freundin den Bund der Ehe mit euch schließen wollen: Um noch eine Chance auf ein schönes Leben zu haben, solltet ihr dem Mädel schnell noch das hier zum Geburtstag schenken. Neinneinnein, ihr braucht mir nicht zu danken!

PS: Ich schwöre, dass ich für diese Kolumne bereits eine harte Bestrafung durch meine Mone erfuhr, indem sie vor meinen Augen meinen Ford Mustang eingeparkt hat. Weitere Maßnahmen durch die Eurogamer-Chefredakteurin sind daher nicht nötig.

PPS: Falls jemand von der CDU/CSU den ersten Satz meiner Kolumne aus dem Zusammenhang reißen und als mutmaßliche Expertenmeinung zitieren möchte, um besonders in älteren Bevölkerungsschichten auf Wahlfang zu gehen: Preis und Kontoverbindung gibt’s auf Anfrage.

Schönes Leben noch!

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Harald Fränkel

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