Fuser Test - Augen zu, Ohren auf!

Harmonix schwingt das Tanzbein. Schwingt ihr mit?

Gut, es hat halt nicht sollen sein: Optisch werde ich mit Fuser einfach nicht warm. Mir ist das alles zu Bubblegum und übertrieben "gute Laune", was hier abgeht. Wie, als werfen alle mit Pillen, aber ich fange nur Smarties. Fusers Stil ist Rave für die Augen, was passend ist, aber auch empfindlich an meinem persönlichen Ästhetikempfinden vorbei. Bei aller regenbogenbunter Inklusion und Body Positivity, die ich ausdrücklich begrüße und die bestens das Thema bedient, vermisse ich an Fuser zudem irgendwo die Portion Witz und Augenzwinkern, mit der sich zum Beispiel Rock Band und Guitar Hero auch ein bisschen auf die Schippe nahmen.

Auf der anderen Seite: Wenn der Look das Einzige ist, was ich an einem Musikspiel zu bemängeln habe, dann hat es den großen Teil dessen, was es sich vorgenommen hat, richtig gemacht. Auf Basis der gelungenen Experimente, die Harmonix mit dem Gesellschafts-/Karten-/Musikspiel-Frankenstein Dropmix leider glücklos wagte, gelang ihnen ein DJ-Spiel, das Musik als Spielzeugkiste begreift, aus der ihr mit beiden Händen greift, was ihr könnt und dann Drums, Bass, Melodiespuren und Gesang unterschiedlichster Songs aus allen erdenklichen Genres und Perioden miteinander zu etwas hoffentlich Tanzbarem fusioniert.

Fuser ist, wenn Rick Astley, Lady Gaga und Carly Rae Jepsen miteinander harmonieren

Wie gut das funktioniert, ist erschreckend. Es geht fast schon zu gut von der Hand, denn unhörbar ist hier fast nichts, was man auf die Plattenteller loslässt. Wenn Rick Astley mit Lady Gaga zu Carly Rae Jepsens Call-me-Maybe-Streichern zu Beats von Kendrick Lamar Ringelreihen tanzen, traut man seinen Ohren nicht und kommt ins anerkennende Grinsen, ob der Technologie, die dahintersteckt. Oder aber man sieht es als treffende Metapher auf die Austauschbarkeit moderner Populärmusik. Alles eins, finden nicht gerade wenige.

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Reagiert auf die Wünsche der Zuschauer und ihr erhaltet mehr Punkte. Im Koop-Freestyle sind eure Mitspieler mit Wünschen bei der Hand.

Ich für meinen Teil habe Spaß daran, wie ich einzelne Spuren wohlvertrauter Stücke neu entdecke, sie in Tempo und Tonlage bis an die Grenzen ihrer Wiedererkennbarkeit verfremde und mit Dingen vermenge, die eigentlich nicht einmal in ihre Nähe gehören. Für mich liegt in dieser Zwanglosigkeit und dem neugierigen "Was wäre wenn" viel vom Reiz dieses Spiels. Deshalb auch der Vergleich mit einer Spielzeugkiste: Eine Herausforderung ist, etwas zu kreieren, das euren Kopf zum Wippen bringt. Klassische Videospielgratrifizierung - abseits von kosmetischen und musikalischen Dingen, die man für bestimmte Leistungen freischaltet - nicht auf der Setlist dieses irritierend gut gelaunten Dancehall-Shredders, auch wenn es natürlich eine bessere Bewertung gibt, wenn man alle Spuren brav auf dem Downbeat dropt.

Dass etwas Hörbares dabei herauskommt, ist also trivial. Dass man es gerne hört, ist aber nicht ausgemachte Sache. Ich meine damit eher, technisch gesehen "funktioniert" alles miteinander. So für sich genommen und auf streng musikanatomischer Ebene gesehen. Aber damit es Hintern tritt, muss man schon ein wenig Fingerspitzengefühl an den Tag legen und ein gutes Ohr beweisen, wenn eure Nebenleute ihr Tanzbein beweisen sollen.

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Auch die Bühne dürft ihr - ebenso wie euren DJ/DJane - individualisieren.

Tatsächlich ist das übrigens meine liebste Art, Fuser zu spielen: Als interaktive Musikuntermalung bei einem geselligen Beisammensein im normalen Solo-Modus, bei dem man den Controller hin und her reicht. Alle anderen Multiplayer-Modi sind dagegen leider nur online verfügbar, und ich bin nicht sicher, ob sie da hingehören. Da kann Fuser noch so sehr eine Beat-em-Up-artige Energieleiste über die DJ-Battles legen, ich bringe in diesem Spiel einfach keinen Wettbewerbssinn auf. Allerdings ist es schon ganz schön, seine Eitelkeit streicheln zu lassen, wenn man einen gelungenen Mix der Community zum Bewerten hochlädt.

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Fuser Test - Fazit

Die Diskussion, inwieweit man Fuser als Videospiel durchwinken möchte, sollen andere führen. Für mich ist es unterm Strich ein gelungenes Experiment und eine erfrischend neue Art, Musik zu entdecken und mit ihr zu interagieren. Ich bin ziemlich sicher, dass ich zu ihrer jeweiligen Hochzeit mit Guitar Hero und Rock Band mehr Spaß hatte. Aber zum einen wird in Fuser ein noch sehr viel breiteres Musikspektrum bedient - die volle Tracklist seht ihr hier - und zum anderen ließ mich keines der beiden Vorgängerwerke derart experimentell mit dem Medium umgehen wie dieses hier. Und das rechne ich ihm hoch an.

  • Entwickler / Publisher: Harmonix / NC Soft
  • Plattformen: PS4, Switch, Xbox One, PC
  • Release-Datum: erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 60 Euro

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel. test

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