gamescom Highlights: Shooter

Hauptsache es kracht

Sprechen wir doch aus wie es ist: Ohne Ego-Shooter würde die 3D-Grafik heute immer noch so aussehen wie ein Blick in den Spiegel nach einem langen Wochenende. Kein anderes Genre darf von sich behaupten, der Motor für die grafische Entwicklung einer ganzen Industrie zu sein. Doch wo Sonne scheint, sind Schatten nicht weit. Und im Falle der Ego-Shooter heißt dieser Dämon vor allem „Innovationsarmut“.

Auch wenn die Ego-Shooter hübscher aussehen als früher, Handlung und Spielablauf sind oft so dünn, dass sie für Karl Lagerfeld Modell laufen könnten. Egal ob die Gegner aus dem All, aus dem fernen Osten, Russland oder Castrop-Rauxel stammen, die Geschichte lässt sich meist auf folgende Essenz zusammenfassen: Schieße alle über den Haufen! Das klingt zwar simpel, muss aber nicht schlecht sein. Wenn die Präsentation stimmt, genug Popcorn bereit steht und der Sitz bequem ist, kann schließlich selbst ein Film von Roland Emmerich Spaß bereiten.

Auch für die Spielemesse gamescom in Köln haben sich wieder zahlreiche Anwärter auf die Baller-Sahneschnitte des Jahres angemeldet. Ob sich Crysis 2 auf dem Spielfeld blicken lässt, sickerte im Vorfeld noch nicht durch. BioShock 2 zeigt sich, wie man uns mitteilte, lediglich in Videoform und Rogue Warrior, Doom 4 sowie Homefront (THQ ist nicht auf der gamescom) bleiben gänzlich fern. Doch aus dem übrigen Teilnehmerfeld stehen bereits mehr als genug Kandidaten an der Startlinie. Vier davon möchte ich euch jetzt ans Herz legen. Wer die Gelegenheit bekommt, sollte Probe spielen. Es lohnt sich bestimmt.

Call of Duty: Modern Warfare 2

1

Entwickler/Publisher: Infinity Ward/Activision
Plattform(en): PC, 360, PS3
Voraussichtl. Release: 10. Nov. 2009

Worum geht es: Um Krieg. Ballern. Den Gegner mit modernen Waffen umzunieten, bevor man selbst den Helm abgibt. Ihr trefft euren Kollegen John „Soap“ MacTavish aus dem Vorgänger und macht als Mitglied eines Sondereinsatzkommandos die schneebedeckten Berge von Kasachstan unsicher.

Später geht es mit den Elendsvierteln von Rio de Janeiro oder dem sandigen Afghanistan auch in wärmere Gefilde. Hauptsache, die Gewehre sind immer geladen, die Jeeps aufgetankt und die Gegner bereit zu sterben. „Rache ist wie ein Geist. Er ergreift von jedem Besitz, der ihn berührt“, verkündet eine Stimme mit dem fremdländischen Akzent im Modern-Warfare-2-Trailer. Das glaube ich sofort, denn nachdem ich das Video betrachtet habe, juckt es schon wieder verdächtig an meinem Ballerfinger.

Was macht es besonders: Es ist der Nachfolger von Call of Duty: Modern Warfare, dem meiner Meinung nach besten Spiel 2007 und dem vielleicht besten Ego-Shooter, den die Videospielwelt bisher gesehen hat. Da Entwickler Infinity Award bisher ausschließlich geniale Spiele auf der Haben-Seite verbucht, rechne ich auch bei Modern Warfare 2 sowohl für den Einzel- als auch Mehrspieler-Modus mit einem Brett. Die Amerikaner wissen einfach, wie man ein Spiel perfekt inszeniert. Das gilt auch für die angekündigte „Prestige Edition“. Der liegt ein echtes Nachtsichtgerät bei. Endlich finde ich auch im Dunkeln den Weg zum Kühlschrank! Außerdem steckt in der Packung ein Code für den Download des ersten Teils der Reihe, den es bisher nur für den PC gab. Halleluja!

Wo auf der gamescom zu sehen: Halle 6.1 / Mehrere Stände

Battlefield: Bad Company 2

2

Entwickler/Publisher: Dice/EA
Plattform(en): PC, 360, PS3
Voraussichtl. Release: 26. März 2010

Worum geht es: Sind nicht die Nazis die Bösen, sind es offenbar mittlerweile die Russen. Diesen Eindruck bekommt der Ego-Shooter-Spieler heutzutage vermittelt. In Bad Company 2 zieht ihr wie im Vorgänger als Soldat Marlowe mit euren Kollegen Redford, Sweetwater und Haggard los.

Diesmal reist ihr ins verschneite Alaska und kämpft mit eurer B-Kompanie gegen russische Truppen. An modernem Kriegsgerät wird es nicht mangeln. Doch auch an herzhaft deftigen Männersprüchen will es Entwickler Dice nicht fehlen lassen. Recht so!

Was macht es besonders: Battlefield Heroes, Battlefield 1943, Battlefield: Bad Company 2 - für welches Battlefield entscheidet ihr euch? Wer am liebsten alleine in den Krieg zieht, natürlich für Bad Company 2! Erstmals auch am PC dürft ihr mit euren virtuellen Kameraden so gut wie alles in die Luft jagen, was auch vor den Lauf kommt. Der Feind hat sich im Haus verschanzt? Egal, sprengt eben das Haus. Einen Mehrspieler-Modus liefern die Online-Gefechts-Experten aus Stockholm natürlich trotzdem mit. Inklusive dem „besten Fahrzeugverhalten, das es je in einem Mehrspielertitel gab“, wie der leitende Produzent Karl Magnus Troedsen verkündet. Ob das nun stimmt oder nicht, mit dem UH-60 Transport Helikopter, dem leichten Panzer BMD-AA, Quad-Bikes oder Schnellbooten seid ihr bestens gerüstet. Das Bonus-Spiel „Die Reise nach Jerusalem“ ist übrigens gratis inbegriffen: In jedes Fahrzeug passen gleich mehrere Spieler.

Wo auf der gamescom zu sehen: Halle 6.1 / Mehrere Stände

Halo 3: ODST

3

Entwickler/Publisher: Bungie/Microsoft
Plattform(en): Xbox 360
Voraussichtl. Release: 22. Sept. 2009

Worum geht es: Wir schreiben das Jahr 2552. Die Covenant-Aliens kontrollieren die Stadt New Mombasa. Ihr startet also parallel zu den Ereignissen aus Halo 2 euren Einsatz. Mit einem brandneuen Helden.

Falls ihr euch fragt, was die seltsame Abkürzung ODST bedeutet: Die Buchstaben stehen für „Orbital Drop Shock Trooper“, also ein armes Schwein, das mitten im Kampfgebiet auf den Feind losgelassen wird. Mit anderen Worten, es handelt sich um euch, den Spieler. Eure Mission: Am Leben bleiben, euren Trupp wiederfinden und von dem Ort des Schreckens entkommen.

Was macht es besonders: Ein neuer Held, eine neue Kampagne, 4-Spieler-Kooperations-Modus und drei neue Mehrspieler-Karten für das alte Halo 3 - muss ich wirklich mehr sagen? Nun denn … Dadurch, dass ihr nicht mehr den mächtigen Master Chief spielt, sondern in die Springerstiefel eines einfacheren Soldaten schlüpft, seid ihr auf andere Taktiken angewiesen. Ihr führt nur noch eine Waffe mit euch, schleicht oft. Die Technik von Halo 3: ODST reißt sich kein Bein aus, um euch zu beeindrucken. Als Grundlage dient schlichtweg Halo 3. Neues bietet das Spiel in dieser Hinsicht nicht, es ist eher ein inhaltliches Erweiterungspaket und Pausenfüller für alle, die vom Original nicht genug bekommen können. Aber der Verkaufsversion soll auch eine Einladung für den Mehrspieler-Beta-Test von Halo: Reach beiliegen, die 2010 folgende, nächste Episode von Halo.

Wo auf der gamescom zu sehen: Halle 6.1 / Stand A 011 B 010

Der Außenseiter: Parabellum

4

Entwickler/Publisher: Acony
Plattform(en): PC
Voraussichtl. Release: September 2009 (offene Beta)

Worum geht es: Im Jahr 2018 bedrohen Terroristen New York. Ihr dürft als Söldner in diesem Kampf mitmischen.

Seit einigen Jahren tüftelt das junge Entwicklerteam Acony im schwäbischen Villingen an einem laut eigenen Angaben „bahnbrechenden Online-Shooter“, der die Welt der Taktik-Ballereien auf den Kopf stellen soll. Sozusagen Counter-Strike 2.0. Oder vielleicht sogar 3.0. Nur mit mehr Spielern und komplexeren Kampagnen-Strukturen. Sogar ein ganz neues Vermarktungskonzept hatte man sich ausgedacht, indem man das Spiel verschenkt und nur das spielinterne Zubehör verkauft. Gut, Battlefield Heroes ist dem Ganzen jetzt zuvor gekommen, aber das dürfte den selbst ernannten „Massive Multiplayern Online First Person Shooter“ nicht groß jucken – mit Comic-Gefechten haben die harten Matches in Unreal Engine 3 nichts gemein.

Was macht es besonders: Etwas, das die durchschnittliche Abendbekanntschaft selten zu bieten hat: Es kommt aus Deutschland, sieht gut aus und kostet nichts. Zumindest nicht in der Grundausstattung. Erst wer ausgefallenere Klamotten oder seine Lieblingswaffe in Schuss halten will, muss dafür blechen. Es gibt eben doch nichts geschenkt. Dafür bekommt ihr anscheinend einige der „raffiniertesten und schnellsten Online-Spielmodi, die das Ego-Shooter-Genre je gesehen hat“.

Wo auf der gamescom zu sehen: Nur für Fachbesucher im Business-Bereich

Im Laufe der Woche haben wir euch potenzielle Highlights der gamescom vorgestellt, übersichtlich nach Genres sortiert. Am Montag schließen wir unsere Special-Reihe mit „Spezielles“ ab.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (24)

Über den Autor:

Joachim Hesse

Joachim Hesse

Freier Redakteur

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (24)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading