Menschen mit Allmachtsfantasien – in Genesis Rising haben sie ihr Ziel schon fast erreicht und sich beinahe das gesamte Universum unterworfen. Wer sich ihnen in den Weg stellt, wird gnadenlos vernichtet. Diesmal also nicht die Standardgeschichte von der heruntergewirtschafteten Erde und der Suche nach neuem Lebensraum, sondern einzig und allein das Streben nach Macht, Macht und noch mehr Macht. Um den Status von Göttern zu erreichen, fehlt den Menschen nur noch ein letzter Schritt: das Vordringen zum All-Herz, dem Ursprung allen Lebens …

Genmanipulation am laufenden Band

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Die gigantische Raumstation hält Blutvorräte für ein ganzes Geschwader bereit.

Raumschiffe sind in Genesis Rising keine schwerfälligen Konstrukte aus Metall, die mit einer Vielzahl von futuristischen High-Tech-Gadgets ausgerüstet werden. Nein, in Metamorfs imperialistischer Expansions-Utopie ist alles Bio: Durch die Galaxien kreuzen Schiffe, die zum Teil wie Insekten unter dem Vergrößerungsglas aussehen. Zecken, Heuschrecken, Raupen oder Skorpione könnten beim Design der Omnikreuzer, Labors, Lager und Jäger Pate gestanden haben. Sie grinsen Euch mit abenteuerlichen Fratzen an. Ihre höckerigen Oberflächen scheinen den Chitinpanzern von Käfern nachempfunden zu sein. Nicht Kerosin und kein Ionenantrieb sorgt fürs Fortkommen, Gegner schaffen sie sich nicht mit Protonentorpedos vom Hals. Stattdessen basiert die gesamte Raumschifftechnologie auf organischen Gen-Bausteinen, die teilweise von Anfang an vorhanden sind oder von besiegten gegnerischen Raumkreuzern „abgeerntet“ werden können.

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Ab durchs Wurmloch in die nächste Mission!

Im Gen-Labor habt Ihr nun die Möglichkeit, mit Hilfe der verfügbaren Fähigkeiten- und Waffen-Gene die DNS der Schiffe nach Euren Vorstellungen zu verändern. So werden aus anfangs recht schwächlichen Pötten mit der Zeit wendige, bestens gepanzerte Schlachtschiffe mit einem Respekt heischenden Waffenarsenal. Und weil schon sonst alles Natur ist, „leben“ Eure Raumflotten in Genesis Rising denn auch von Blut, das sie entweder an behäbigen, unbeweglichen Stationen tanken oder (wie auch die Gene) aus den „Kadavern“ zerstörter Schiffe saugen.

Wenn Ihr in die Haut des Piloten-Grünschnabels Iconah schlüpft und im mehrstufigen Tutorial gefahrlos die ersten Flugübungen absolviert, bleibt Euch angesichts der Optik erst einmal die Spucke weg. „Was für ein tolles Spiel“, mag mancher erwartungsvoll denken, wenn er sieht, wie die bizarren Blutschlucker butterweich durchs bildschöne All gleiten. Letzteres ist zwar nicht richtig dreidimensional wie im großen Vorbild Homeworld, vermittelt aber dennoch ein Gefühl von galaktischer Weite und wirkt einfach ungeheuer stylish. Doch lasst Euch nicht blenden – sobald Ihr Euch in die umfangreiche Einzelspieler-Kampagne stürzt, wird offenbar, dass dem Spiel das eine oder andere Gameplay-Gen mehr gut getan hätte.

An allen Ecken und Enden lauern nämlich Tücken, die dem Spielspaß gewaltig zusetzen und schnell Frust aufkommen lassen. Das Tragische daran: fast alle Schwächen des Spiels wären vermeidbar gewesen, wenn die Entwickler die Lehren beherzigt hätten, die sich aus den zahllosen Echtzeitstrategie-Titeln seit Command & Conquer ziehen lassen.

Die Stille in den Weiten des Alls ist stets trügerisch. Der Sturm lässt meist nicht lange auf sich warten. Da glaubt Ihr vielleicht, Ihr könnt erst mal gemütlich Blut tanken, die Kadaver eines gut bestückten Raumschiff-Friedhofs leer saugen und dann in aller Seelenruhe Eure Jäger mit den neuen Genen aufrüsten. Pustekuchen. Die Feinde sind flotter zur Stelle als Ihr mit der Maus zehn Gene aus der Bank in die Slots Eurer Schiffe ziehen könnt. Die Zeit für die Vorbereitung auf die Schlacht ist fast immer zu knapp bemessen, und so müsst Ihr Euch allzu oft mit unzureichend ausgerüsteten Jägern und ohne ausgefeilte Strategie dem Kampf stellen.

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