Grand Theft Auto Trilogy Definitive Edition - Test: Die Welten, aus denen wir kamen

Die Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition ist technisch primitiv, aber der Reiz diese ersten offenen Welten von Rockstar noch einmal zu besuchen, ist immer noch da.

Die GTA Trilogie ist technisch primitiv, aber der Reiz diese ersten offenen Welten von Rockstar noch einmal zu besuchen, ist noch da.

  Okay, das war ernüchternd. Sollte nach den ersten Bildern und Videos noch irgendjemand einen monströsen Remake der alten GTAs erwartet haben, der dürfte von der Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition ein ganz klitzekleines wenig bisschen minimal enttäuscht sein. Um es kurz zu machen, im Prinzip sind es die zuvor zwischendurch mal erschienen Mobile-Versionen, die auf den großen Bildschirm gezogen wurde. Das war es, Haken hinter. Kann man spielen. Aber sollte man?

Der Schock für eine Generation, die mit GTA V, das sich mittlerweile seinem eigenen Zehnjährigen mit großen Schritten nähert oder zumindest mit GTA V große wurde, dürfte ganz schön geschockt sein, bei dem, was sie hier sehen. Details in der Landschaft sind für Anfänger, Animationen der gefühlt acht Polygon-Konstrukte, die eine Figur ausmachen, eine Studie in frühem 3D. Die Areale der Städte sind fast schon lächerlich klein, wenn man in den ersten Stunden von GTA 3 gefühlt immer um die gleichen drei Häuserblöcke kreuzt, um primitivste Missionen zu erfüllen.

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GTA Sex Appeal 2001: Misty ist in GTA 3 deutlich in die Jahre gekommen.

Nichts wurde wirklich angepasst. Ich weiß noch, dass ich damals GTA 3 mit Maus und Keyboard spielte und bin mir nicht mal sicher, ob ein Controller unterstützt wurde - wahrscheinlich schon. Zumindest wurden jetzt alle drei Steuerungen und Interfaces halbwegs gleichgezogen, sodass man von einem Spiel zum nächsten hopsen kann, ohne verwirrt zu sein. Wen es aber stört, dass das Rennen zu Fuß in GTA V Schrott ist, weil man einen Button wie ein Idiot drücken muss: Immerhin führt das in GTA V zu einem verlässlichen Ergebnis. Das Fahrverhalten der Autos im neuesten Teil mag immer noch etwas eigen sein, in den alten Teilen war es praktisch eine Katastrophe, die noch damit ergänzt wurde, dass ständig irgendwelcher Müll in der Gegen rumsteht, in den man reinschlittern kann. Zumindest kann man den von Weitem sehen, denn wie zuvor erwähnt, was damals in niedrigen Auflösungen episch wirkte, ist heute eine leere Polygon-Wüste. Das dürfte auch der Grund sein, warum damals manche Charaktere und Gegner weit beeindruckender wirkten: Wenn man das primitive Modell zusammenstaucht, dass viel der eigenen Vorstellung überlassen bleibt, dann sieht es besser aus, als dieses Modell in all seiner HD-Pracht zu bewundern. Kurz gesagt: Durch die Brille des Jahres 2021, in dem ein Watch Dogs Legion, GTA V Enhanced und andere städtische Open Worlder existieren, sehen diese Spiele technisch grausig aus.

Aber nicht stillos. Es ist leicht zu sehen, woher der GTA-Charme kam, den wir heute kennen. Dieses schon mehr oder weniger Realistische, das aber doch "larger than life" daher stolziert kommt, mit viel Schwung in der Hüfte. Verrückte Werbungen nahmen hier ihre noch zarten Anfänge, die Welt ist nicht nur eine Hommage, es ist eine ausufernde Liebeserklärung an das New York und L.A. der frühen 90er, oder ein 80er Miami, das es so genauso wenig genau so gab. Aber bei dem man an jeder Ecke auch als reiner Kenner dank Hollywood sofort weiß, was gemeint ist. Ja, jedes dieser Spiele hätte ein komplettes, aufwendiges Remake verdient. Wenn man es denn schafft, diesen nach wie vor vorhandenen Appeal zu erhalten. Das wäre keine leichte Aufgabe und dass das so ist, sagt eine Menge über die Kunstfertigkeit dieser Titel aus.

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GTA Vice City - Der Strand wirkt in der Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition noch trister als sonst. Aber zumindest ist Nachts das Neon noch in guter Form.

Und man kann sie durchaus noch spielen. Sehr gut sogar. Wenn man sich erst mal mit der Optik und der Steuerung arrangiert hat, dann kommt man in den Flow. Ich kann nur sehr bedingt Aussagen darüber treffen, wie ein Erstkontakt wirkt, aber es fällt einem zumindest schnell wieder ein, warum man diese Spiele mal vergöttert hat. Die Missionen sind unterhaltsam geschrieben, die Charaktere parodieren hier und da das große Gangsterkino mit Biss. Die legendären Soundtracks, eine eigene Zeitreise für sich, sind zwar leicht gekürzt, aber ganz ehrlich, in der Masse hunderter von Tracks muss man schon klare Erinnerungen an bestimmte Titel mitbringen, um sich daran irgendwie zu stören.

Spannend ist auch die Entwicklung der Spiele in dieser komprimierten Form zu sehen. GTA 3 wusste noch nicht so genau, was man jetzt mit einer offenen Welt anfängt. Das Spiel war damals ein Umbruch, der heute nur schwer zu beschreiben ist. Es gab zuvor schon offene(re) Welten, aber keine, die so nah mit diesem Detailgrad heranzoomte und so beeindruckend lebendig schien. Ein Satz, der im Angesicht dessen, wo wir 20 Jahre später stehen, fast lustig wirkt. Das wurde dann in den nächsten beiden Spielen nicht nur verfeinert. Das Bewusstsein, dass Spieler mehr mit diesen Welten anfangen wollten als nur Missionen in einer Story zu erfüllen, wuchs und Rockstar war mehr als glücklich, diesen Wunsch zu erfüllen. War GTA 3 noch eher spartanisch, ist GTA: San Andreas in den grundsätzlichen Dingen gar nicht mal so weit von dem weg, was GTA V bietet. Sicher, alles ein paar Nummern kleiner und schlichter, aber es ist schon gute erkenn- und spielbar.

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Sieht fast gut aus: GTA San Andreas ist der jüngste Teil der Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition und am nächsten an so etwas wie einem modernen GTA-Spielerlebnis dran. Immer noch weit weg, aber zumindest näher dran.

Und doch, die Jahre lassen sich nicht ignorieren. So wie die weißen Sakkos aus GTA: Vice City kamen viele Dinge aus der Mode und wurden reformiert. GTA 3 war noch ein Spiel, das weit mehr mit den Limitierungen der Hardware seiner Zeit zu kämpfen hatte. Auf den Konsolen rasten diese Spiele so nah an der Klippe, was das Ausreizen der Hardware angeht, dass einem mitunter schlecht wurde und selbst PCs kratzten oft genug am Limit, um diese Games laufen zu lassen. Es war das Wunder der offenen Welt, das uns in den Bann zog, sie musste anfangs nicht viel mehr bieten als das und so taten sie es auch nur bedingt, insbesondere GTA 3 und Vice City. Es ist eher primitiv, was geboten wird.

Selbst ein Saurier wie Mario 64 hat es da sogar einfacher. Sicher, der offene 3D-Faktor eines seiner in der Polygonzahl noch mal deutlich begrenzteren Level ist heute auch kein Argument mehr. Aber das komplexe Design um die Aufgaben darin hat seine Reize bewahrt und kann rein vom Gameplay, trotz technischer Schwächen, mit anderen in seinem Genre bis heute mithalten. Bei GTA 3 oder selbst San Andreas fällt es schwer zu argumentieren, warum das jetzt noch auf einem Niveau mit den modernen Titeln seines Genres sein soll. Jedenfalls ohne komplette Verklärung oder schlicht zu lügen.

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Bugs sind der Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition nicht fremd, hier auf der Xbox Series X. Und nein, das ist nicht meine Motorhaube. Die hab ich woanders verloren. Das ist ein Auto, das in der Brücke versank, mich aber immer noch anhupt.

Zum unerfreulichen Abschluss: Bugs sind durchaus vorhanden. Siehe Bild, solche lustigen, aber harmlosen Dinge finden sich immer wieder. Schwerer wog es, dass ich in San Andreas schon eine der frühen Missionen mehrfach spielen durfte, weil der Trigger einfach nicht reagierte. Richtig übel wird es dann wohl auf der Switch. Ich habe diese Versionen noch nicht selbst gespielt, aber von dem, was ich gesehen habe, ist die Performance trotz einer Auflösung, die gefühlt unter den Original-Konsolenfassungen liegt und weniger Effekten, nicht gut. Mit Vorsicht zu genießen für den Moment, würde ich sagen, was sehr schade ist. Auf dem kleinen Screen, schön umgesetzt, hätte das Trio der Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition hier glänzen können.

Trotzdem und trotz allem. GTA 3, GTA: Vice City, GTA: San Andreas, alle noch einmal zu besuchen oder vielleicht in der Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition ihnen eine erste Chance zu geben, war jetzt zum Test keine Bürde. Es sind keine Remakes, es sind nicht mal ideale Remaster, aber es waren bahnbrechende Spiele. Sie wurden gnadenlos von der Zeit, ihren Nachfolgern und den zahllosen Nachahmern, die von ihnen inspiriert wurden, überholt. Die Zeit war auch sonst nicht wirklich gnädig zu ihnen, aber solche Titanen schwinden nicht gleich ins Nichts. Die eigentlichen Stars dieser Titel sind ihre Städte, der Vibe dieser, das Feel einer liebevollen Hommage ans Gangsterkino, die baulichen Vorbilder und der dringende Wunsch, dass diese Spiele an die Grenze gehen, was Games ihrer Zeit leisten konnten. All das ist immer noch hier. Die Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition macht Spaß, auf den man sich wegen der technischen Hürden einlassen wollen muss. Wenn man das tut, ist es eine spannende und unterhaltsame Zeitreise auf mehreren Ebenen und die Grand Theft Auto Trilogy: Definitive Edition ist eine einfache, bequeme Art, diese Reise anzutreten.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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