GTA: Episodes from Liberty City - Entwickler-Interview

Über die Verknüpfung der Storys

Liberty City ist riesig und steckt voller Leben. Genügend Platz also, um viele Geschichten zu erzählen. Und obwohl Grand Theft Auto IV sowie die beiden Add-Ons The Lost and Damned und The Ballad of Gay Tony in sich abgeschlossen sind, gibt es doch einige Verbindungen untereinander. Bei einem Mammutprojekt GTA IV ist es sicher keine einfache Aufgabe, da den Überblick zu behalten.

Im Interview spricht Imran Sarwar, Associate Producer bei Rockstar North, über eben jene Verknüpfungen, die von Beginn der Entwicklung an berücksichtigt wurden. Er plaudert über diverse Post-it-Zettel, die unterschiedlichen Aspekte der einzelnen Geschichten und beantwortet die Frage, warum man das nicht gleich alles in ein einziges Spiel gesteckt hat.

Eurogamer: Die Episoden für Grand Theft Auto IV wurden auf der E3 im Jahr 2006 angekündigt, lange vor dem Release des Spiels. Stand schon immer fest, dass ihr weitere Geschichten in Liberty City machen werdet?

Imran Sarwar: Sie waren von Beginn an ein Teil des Plans. Als wir mit den Gesprächen über Grand Theft Auto IV anfingen, sagten wir uns immer, dass Nikos Story so entworfen wurde, dass es sich wie ein kleiner Teil einer viel größeren Welt anfühlt. Selbst am Ende seiner Geschichte ist er bei weitem nicht der König der Stadt. Die Idee bestand darin, die Episoden dazu zu benutzen, den Rest der Welt zu enthüllen, einige der Charaktere und Ereignisse zu zeigen, die für Niko nicht sichtbar waren, sich aber dennoch auf Situationen in seinem Leben beziehen.

Jeder, der The Lost and Damned gespielt hat, wird euch beispielsweise sagen, dass die Interaktionen zwischen Niko und Johnny euer Verständnis von Nikos Rolle in Liberty City maßgeblich verändern. Er ist niemals so sicher oder hat die Kontrolle, wie er dachte. Wir wollten dieses Gefühl vermitteln, dass immer etwas auf einer tieferen Ebene passiert als das, was dem Spieler offenbart wird.

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Mit der Gang unterwegs.

Eurogamer: Warum habt ihr das nicht alles in ein Spiel gesteckt?

Imran Sarwar: Ich denke, wenn wir das getan hätten, wäre es unmöglich gewesen, sich auf jeden einzelnen Aspekt des Gameplays angemessen zu konzentrieren. Die Geschichten und das Gameplay sind untrennbar miteinander verbunden. Wir haben immer gesagt, dass Liberty City der wahre Star dieser Spiele ist. Und was es wirklich fantastisch macht, ist, dass es als Schauplatz so voller Potential steckt. Durch The Lost and Damned und The Ballad of Gay Tony konnten wir verschiedene Seiten der Metropole zeigen – durch Gameplay, Charaktere, sogar durch Beleuchtung und Farbgebung – und halten sie so am Leben, frisch und vielfältig, eben wie reale Städte. Jede der drei Geschichten steht für sich selbst und unterscheidet sich von den anderen – und dennoch überschneiden sie sich an wichtigen Punkten.

Eurogamer: Wie schwer war es, das zu erreichen?

Imran Sarwar: Es war nicht einfach, den Überblick über die ganzen unterschiedlichen Charaktere und Interaktionen zu behalten. Anfangs waren eine Menge Post-it-Zettel involviert, später eine Software für den Computer. Wir hatten jedoch von Beginn an die Absicht, in GTA IV miteinander verwobene Geschichten zu erstellen. Und viele dieser Handlungsstränge sollten sich bis zu einer der späteren Episoden niemals von selbst auflösen. Ein Beispiel wäre der Diamantentausch im Museum, der Niko und Johnny einbezieht. Darauf spielten wir auch mit dem „Impossible Trinity“-Erfolg an.

Wir wollten für die Fans Hinweise darauf hinterlassen, dass hinter dieser Story vielleicht mehr steckt, ohne dabei allzu offensichtlich zu sein. Auf der anderen Seite muss man aber GTA IV oder The Lost and Damned nicht gespielt haben, um mit The Ballad of Gay Tony Spaß haben zu können. Jedes davon ist in sich abgeschlossen.

Eurogamer: Ihr musstet wissen, dass Johnny Klebbitz und Luis Fernando Lopez die nächsten beiden Protagonisten in der Geschichte werden. Aber wusstet ihr auch, wie sie sich verhalten würden, als ihr GTA IV veröffentlicht habt?

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The Ballad of Gay Tony bietet jede Menge Action.

Imran Sarwar: Wir wussten, welche Rolle sie spielen würden, allerdings ohne die feineren Details. Es wäre schwierig gewesen, die Situationen und Geschehnisse in Grand Theft Auto IV zu erstellen, wenn wir nicht wenigstens eine vage Idee davon gehabt hätten, was wir später mit diesen Charakteren anstellen würden. Bei The Lost and Damned wussten wir, dass wir die Gründe dafür erforschen wollten, warum jemand zum Beispiel weiterhin an der altmodischen Vorstellung einer gesetzlosen Motorrad-Gang und der Art von Leuten festhält, die man damit verbindet.

Johnnys Erkenntnis, dass sein Anführer Billy Grey vielleicht nicht im besten Interesse der Gang handelt, bildet die Grundlage für den Konflikt, der die gesamte Episode antreibt. Und wir wussten immer, dass wir Liberty Citys Highlife erforschen würden. Luis' gesamte Hintergrundgeschichte wurde so erschaffen, um uns die Möglichkeit zu geben, all das abzudecken, was wir wollten. Von Paparazzis und dem Clubleben bis hin zu ernsthafter, explosiver Action.

Eurogamer: Wenn es wirklich Tausende von Geschichten aus Liberty City gibt, die man erzählen kann, warum habt ihr euch gerade für diese drei entschieden?

Imran Sarwar: Es gibt einen Gameplay- und Storybogen, der mit Niko beginnt, einem Immigranten, der in Liberty City ankommt und nichts besitzt. Wir führen die Welt durch seine Augen sein. Liberty City ist völlig neu für ihn und das Spiel spiegelt genau das wider. Johnny Klebbitz und der Lost Motorcycle Club sind Einwohner von Liberty City, aber auch Gesetzlose. Dadurch konnten wir eine deutlich andere Geschichte erzählen und gleichzeitig einige fantastische Motorräder einführen, ein paar neue Gang-basierte Gameplay-Mechaniken und neben anderen Dingen auch einige extrem brutale und coole Rennmissionen.

The Ballad of Gay Tony erforscht genau die gleiche Welt, aber es ist ein völlig anderer Schauplatz im Vergleich zu der Gegend, in der Niko die meiste Zeit verbringt. Johnny ist ein Ausgestoßener und Luis treibt sich mit VIPs und Berühmtheiten herum. Während Niko anfangs Probleme hat, Waffen zu finden, hat Luis Zugriff auf was immer er haben will. Der Ton wechselt vom düsteren Realismus hin zu einem übertriebenen, chaotischen und farbenfrohen Abschluss. Im Hinblick auf die Geschichten, die wir innerhalb der Stadt erzählen wollten, und die Gameplay-Elemente, die wir mit jeder Episode einführen wollten, macht das Sinn. Die Storys selbst verbinden sich, um euch den Eindruck von Liberty City zu verschaffen, den wir beabsichtigt haben: Eine gewaltige, ausufernde Metropole voller Aktivitäten und Leben.

The Lost and Damned und The Ballad of Gay Tony sind sowohl einzeln auf dem Xbox Live Marktplatz als auch gemeinsam auf Disc in den alleine lauffähigen Episodes from Liberty City erhältlich.

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