Hot Wheels Unleashed - Test: Lässt Fan-Herzen trotz Schwächen höher schlagen

Hot Wheels Unleashed bringt die Mini-Autos zurück auf den Bildschirm und Milestones Arcade-Racer macht definitiv Spaß.

Matchbox, Micro Machines, Hot Wheels und wie sie alle hießen... und wer davon dominierte bei euch im Kinderzimmer das Geschehen? Bei mir war es keiner davon, mein Interesse an den Mini-Autos hielt sich - abseits einiger Micro Machines zum Star-Wars-Universum - doch stark in Grenzen. Lego 4 the win. Noch heute haben die kleinen Fahrzeuge viele Fans und manch einer, der früher damit in Kontakt kam, ist zu einem echten Sammler geworden und macht Jagd auf die kostbarsten Miniatur-Schätze. Und nicht nur die möchte Milestone mit seinem neuen Arcade-Racer Hot Wheels Unleashed ins Boot holen.

Moment Mal, Milestone? Machen die nicht eher realistisch angehauchte Spiele wie MotoGP und Ride? Korrekt, aber das hält das Entwicklerteam aus Mailand nicht davon ab, mit Hot Wheels Unleashed einen gelungenen Arcade-Racer auf den Markt zu werfen. Einer, der an die guten, alten Tage erinnert, in denen ihr solche Spiele noch an jeder Ecke und in allen Ausführungen finden konntet. Einfach driften und boosten, als gäbe es kein Morgen mehr - macht euch keine großen Gedanken über irgendwas anderes als das.

Driftend durch Hot Wheels Unleashed

Besagtes Driften ist eines der zentralen Elemente in Hot Wheels Unleashed, da ihr unter anderem damit neue Energie für euren Turboboost sammelt. Der beschert euch nicht einfach so mehr Geschwindigkeit, er ist vor allem nützlich, um nach Kollisionen oder missglückten Fahrmanövern schnell wieder an Tempo zu gewinnen. Anders ausgedrückt: eine essenzielle Funktion auf dem Weg zum Erfolg. Es ist keine allzu komplexe Mechanik, wenngleich es doch ein wenig Gespür fürs richtige Timing braucht, damit ihr den Drift zum geeigneten Zeitpunkt auslöst und anschließend kontrolliert, um elegant durch eine Kurve zu rutschen, ohne dabei an die Seitenwände zu knallen.

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Perfekte Drifts erfordern gutes Timing und Kontrolle, aber im Herzen ist das hier ein Arcade-Racer. (Hot Wheels Unleashed Test)

Den Sammeltrieb der kleinen Wagen fördert auch das Spiel auf seine eigene Art. Was jetzt so klingt, als wäre es mit DLCs und Mikrotransaktionen durchseucht, ist aber ein gutes Stück von der Wahrheit entfernt. Zuerst einmal gibt es mehr als 60 bekannte Designs im Spiel, die ihr euch durch die Progression in der Singleplayer-Kampagne freischaltet. Hier arbeitet ihr euch Rennen für Rennen über eine Stadtkarte, absolviert dabei überwiegend Rundkurse und Zeitrennen.

Nur durch die Erfüllung der vorgegebenen Ziele kommt ihr weiter und dafür erhaltet ihr im Umkehrschluss unter anderem Münzen. Mit denen kauft ihr Boxen, über die ihr ein zufällig ausgewähltes, neues Auto erhaltet. Manche Wagen lassen sich auf die Art freischalten, andere direkt über spezielle Angebote. Wieder andere gibt's einfach geschenkt, wenn ihr bestimmte Ecken der Stadtkarte erreicht. Da ist eine Vielzahl von Fahrzeugen dabei, vom schnellen Rennwagen bis zum Schulbus - und wer möchte, kann ihre Seltenheit verbessern, was sich positiv auf die Performance auswirkt. Die Teile dafür sammelt ihr ebenfalls durchs Spielen.

Vom Boneshaker bis zum Batmobil

Im Basisspiel bekommt ihr überwiegend die originalen Hot-Wheels-Kreationen zum Sammeln, unter anderem den Boneshaker, Rodger Dodger und Twin Mill. Ebenso sind einige besondere Vehikel vorhanden, die auf Marken wie Batman (Batmobil), Zurück in die Zukunft (DeLorean), Knight Rider (K.I.T.T.) und Teenage Mutant Ninja Turtles (Party Wagon) basieren. Mehr davon spart sich Milestone für DLCs beziehungsweise den Hot Wheels Pass auf, die extra verkauft werden. Ein solcher Pass beschert euch zehn Fahrzeuge, eine Erweiterung, drei Customization Packs sowie drei weitere Track-Builder-Module. Der erste Pass kostet zum Beispiel 29,99 Euro, wer also am Ende alle angebotenen Fahrzeuge haben möchte, muss nochmal zusätzlich einiges an Geld investieren. Aber es ist jetzt nicht so, dass das Grundspiel dahingehend wenig bieten würde, ihr seid auch ohne die Zusatzinhalte gut ausgestattet.

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Die kleinen Flitzer sind detailliert umgesetzt worden. (Hot Wheels Unleashed Test)

Ein weiterer Anreiz rund um Hot Wheels ist das Zusammenbauen der Strecke aus einzelnen Teilen im bekannten Hot-Wheels-Orange. Zum einen haben wir hier eine Reihe von vorgefertigten Kursen in sechs Unterschiedlichen Bereichen - Skycraper, Basement, Garage, College Campus, Skate Park und Track Room -, wenngleich diese in Bezug auf das Drumherum ein wenig unspektakulär daherkommen. Klar, im Endeffekt entsteht so schon das Gefühl, als würdet ihr zum Beispiel durch einen Keller rasen, aber aufregend ist das, was ihr um euch herum seht, dann eher nicht.

Ich sah für mich kaum einen Grund, außer der anfänglichen Neugier einmal einen weiten Blick abseits der Strecken zu werfen. Da könnte man argumentieren, dass das ja nicht so schlecht ist und der Fokus auf der Rennstrecke vor einem liegt, aber ein paar visuelle Highlights neben neben der Rennstrecke wären ja nicht verkehrt, oder? Ein wenig schade ist das schon, schlecht sieht Hot Wheels Unleashed dadurch aber nicht aus. Im Gegenteil, Milestone liefert ein hübsches Spiel ab und vor allem die Stars, die kleinen Wagen, glänzen mit einer detaillierten Umsetzung.

Hot Wheels Unleashed und die Splitscreen-Sünde

Zum anderen gibt's einen Streckeneditor, mit dem ihr eure eigenen Kreationen zusammenstellt. Es macht Spaß, eigene Designs auszutüfteln, inklusive Loopings und dergleichen. Gut ausgestattet ist der Editor allemal, wenngleich er sich im Großen und Ganzen ein wenig zur sehr auf der fummeligen Seite bewegt, etwas mehr Benutzerfreundlichkeit hätte nicht geschadet. Wer die nötige Zeit reinsteckt, ist aber in der Lage, Kurse zu erstellen, die denen der Entwickler in nichts nachstehen.

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Den Umgebungen fehlt es an spektakulären Elementen. (Hot Wheels Unleashed Test)

Online könnt ihr mit insgesamt zwölf Spielern und Spielerinnen rasen, offline ist die Situation nicht ganz perfekt. Schön ist grundsätzlich einmal, dass ein Splitscreen-Modus vorhanden ist, aber leider nur für zwei Leute. Vier wäre hier wünschenswert gewesen, damit sich Hot Wheels Unleashed als vernünftige Party-Spiel-Alternative zu Titeln wie Mario Kart ins Gespräch bringt. Im Großen und Ganzen sind im Multiplayer die Basics vorhanden, mehr aber auch nicht. Damit ihr während der Online-Sessions ein wenig aus der Masse hervorstecht, könnt ihr noch die Lackierungen der Fahrzeuge anpassen und euch obendrein noch in euren eigenen Keller zurückziehen. Richtig gelesen, ihr habt einen virtuellen Keller, in dem ihr eure Sammlung angucken und den Raum mit Gegenständen dekorieren könnt, die ihr in der Karriere freischaltet. Wenn's zu Hause schon nicht für den Hot-Wheels-Fan-Raum reicht, dann wenigstens dafür.

Hot Wheels Unleashed Test - Fazit

Insgesamt hat Hot Wheels Unleashed definitiv seine Schwächen - das unspektakuläre Drumherum der Strecken, kein Vierer-Splitscreen -, wenngleich Milestone den Kern sehr gut hinbekommen hat. Das Gameplay funktioniert und bereitet kurzweiligen Spaß und der Sammeltrieb ist vorhanden, ohne zu sehr ins Reich der zusätzlichen Transaktionen abzudriften. Und ich würde sagen, dass das so definitiv besser ist als andersherum. Inmitten aller realistisch angehauchten Rennspiele ist es schön, einen klassisch orientierten Arcade-Racer zu haben, der bei manch einem die Kindheitserinnerungen neu aufleben lässt. Wenn Milestone am Ball bleibt und Schwächen in etwaigen weiteren Spielen ausbügelt, ist das hier eine potenzielle Rennspielserie, die sich gerne etablieren kann.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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