Final Fantasy 11 & 3

Hiromichi Tanaka erklärt, wieso seine Online-Spieler treu sind.

Bei dem Besuch bei Hiromichi Tanaka, Senior Vice President von Square Enix, kam man sich zuweilen vor, wie ein Geheimagent bei einem Verhör. Der Stand auf der GC trug den Namen Freaks4U und vor der Tür lauerte ein Presse-Instrukteur, der erst einmal sämtliche Fakten klärte. "Bitte nur über die lokalisierte Version von Final Fantasy 11 und die DS-Umsetzung von Final Fantasy 3 sprechen." Super, das war es dann mit der Hoffnung auf Infos zu Crisis Core oder Final Fantasy 12. Nach einem ungemein förmlichen Begrüßungsritual - verbeugen, Hände schütteln, verbeugen, Visitenkarten mit beiden Händen entgegen nehmen, verbeugen, Visitenkarte ordentlich auf den Tisch vor sich legen - hieß es, "Sie können nun Ihre Fragen stellen." Ähem, sind wir doch mal ehrlich: Warum wird bei Interviews dieser Art das Themenspektrum derart eingegrenzt? Und bei dem knapp zwei Jahre alten Final Fantasy 11 geht's außerdem nur um die Lokalisierung. Sei's drum, da muss man halt durch. In dem Interview gab Tanaka-san dann Auskunft über die Zusammenarbeit mit der Community, zeigte sich von einer Idee sehr angetan und überließ mir seinen Handheld. Leider nur für die Dauer des Gesprächs.

Eurogamer: Gab es Schwierigkeiten bei der Lokalisierung? Schließlich ist die deutsche Sprache mit seinen Umlauten recht kompliziert.

Hiromichi Tanaka: Sie müssten einmal unsere Sprache lernen. Nein, wir haben ein sehr professionelles Team und wie Sie sehen können [zeigt kurz auf der Xbox360-Version einige Sätze im Spiel] ist es uns gut gelungen.

Eurogamer: Final Fantasy 11 ist bereits schon eine Weile auf dem europäischen Markt. Wie kam es jetzt zu der Lokalisierung? Spielt der Erfolg anderer Titel da eine Rolle?

Hiromichi Tanaka: Andere Online-Titel haben damit nichts zu tun. Entgegen jeglicher Gerüchte konnten wir keinen Rückgang der Spielerzahlen verzeichnen. Wir arbeiten sehr eng mit der Community zusammen und versuchen weitgehend, alle Wünsche in die Tat umzusetzen. Sich mit anderen Spielern in der eigenen Sprache zu verständigen, stand ganz oben auf der Liste.

1

Eurogamer: Wie steht es mit zukünftigen Erweiterungen von Final Fantasy 11? Ist bereits ein neues Addon in Arbeit?

Hiromichi Tanaka: Eine neue Expansion ist derzeit noch nicht geplant. Aber wir wollen die Spielwelt von Final Fantasy 11 in kleinem Maße monatlich bereichern. Solange die Spieler unserem Titel treu sind, werden wir natürlich auch die Arbeit daran fortsetzen.

Eurogamer: Neue Spieler empfinden das Klassensystem zunächst als recht umständlich. Der ständige Wechsel zwischen der einen und der anderen Klasse. Und sobald ein spezieller Klasse freigeschaltet ist, startet man erneut bei Stufe 1. Wird es da in Zukunft einige Änderungen geben, die den Einstieg erleichtern?

Hiromichi Tanaka: Wir sind der Meinung, dass gerade dieses Feature das Besondere von Final Fantasy 11 ist. In anderen Spielen arbeitet man sich in einer Klasse hoch und startet dann einen neuen Charakter. Bei uns kann man gleich drei Klasse in einer Figur ausprobieren. Außerdem bekommen Spieler, die erst später in die Welt einsteigen nicht das Gefühl, sie würden hinten anstehen. Wir werden das System also weiterhin beibehalten.

Eurogamer: Da wir gerade davon sprechen: Wie steht es mit einer Überarbeitung des Puppenspielers? In einigen Foren beschweren sich bereits einige Spieler, dass diese Klasse im Gegensatz zu den übrigen recht schwächlich daher kommt.

Hiromichi Tanaka: Wir werden uns dieses Problem genauer ansehen und einer Prüfung unterziehen.

Eurogamer: Viele Online-Titel beleben durch den Einsatz beliebter Helden aus vorigen Titeln das Geschehen. Dürfen wir uns in Final Fantasy 11 vielleicht auch einmal auf Riku, Tidus oder Sephiroth freuen?

Hiromichi Tanaka: Die Idee ist sicherlich gut, aber wir setzen bei uns eher auf Beständigkeit. Unsere Spieler fühlen sich in der soliden Welt wohl. Das plötzliche Auftauchen eines solchen Helden könnte sich da eher negativ auswirken.

Eurogamer: Wie steht es dann mit besonderen Events? Beispielsweise ein übler Drache, der Teile einer Stadt in Schutt und Asche legen will.

Hiromichi Tanaka: Unsere Events richten sich größten Teils auf Festlichkeiten, an denen die Spieler teilnehmen können. Ihre Idee ist aber wirklich gut. Wie Sie sehen, notiert mein Mitarbeiter sie bereits [lacht].

2

Eurogamer: Kommen wir zu Final Fantasy 3 für den DS. Inwieweit unterscheidet sich die grafische Umsetzung vom Original?

Hiromichi Tanaka: zückt seinen Handheld und zeigt das Intro und einen Kampf: Wir versuchen in erster Linie den Flair des älteren Titels beizubehalten, dabei jedoch die Möglichkeiten des DS voll auszuschöpfen. Die Welt, die Gegner und die Charaktere zeigen sich nun in 3D, wobei man weiterhin in der gewohnten Isometrie-Ansicht über die Landschaft läuft. Man kann sogar zoomen.

Eurogamer: Steuert man mit den Richtungstasten oder wird die Touchscreen-Funktion vollständig unterstützt?

Hiromichi Tanaka: Sowohl als auch. Es bleibt dem Spieler selbst überlassen, welche Steuerung er benutzt. Versuchen Sie es doch mal.

Ich spiele einige Minuten auf dem DS und bin von dem Titel hin und weg. Bei meinem Lob für das Spiel und das wunderschöne Intro in typischer Square Enix - Manier freut sich Tanaka-san sichtlich und erwidert, dass es ihn immer wieder ehrt, solch eine Begeisterung in den Augen eines Spielers zu sehen. Was ein höflicher Mensch. Leider tickt die Uhr und der nächste Termin ruft - es bleibt also nur noch Zeit für wenige Fragen.

Eurogamer: Sie haben vor einiger Zeit in einem Interview gesagt, dass sich die Spielgeschichte und die Protagonisten in gewissen Bereichen verändert. Inwiefern?

Hiromichi Tanaka: Der Spielverlauf und die Geschichten und Persönlichkeiten der Charaktere ist nun wesentlich umfangreicher. Es gibt zahlreiche Plots und Geschehnisse, die in dem Original nicht enthalten sind. Man erlebt somit ein fast neues Abenteuer.

Eurogamer: Wie steht es mit den verschiedenen Klassen? Einen Magier konnte ich bei den Kampfszenen bereits entdecken.

Hiromichi Tanaka: Es gibt die üblichen Klassen, aber auch einige stärkere. Auf diese stößt man allerdings erst etwas später.

Eurogamer: Es kursieren Gerüchte, dass man in Final Fantasy 3 ein Mognet besitzt, in dem man Nachrichten herum schicken kann. Stimmt das?

Hiromichi Tanaka: Das Mognet gibt es in der Tat, man schickt damit Nachrichten zu anderen Charakteren im Spiel und erhält wichtige Ratschläge. Auch kann man per Friends Code zu anderen Spielern Kontakt aufnehmen.

Eurogamer: Die japanische Version ist seit heute auf dem Markt. Ist bereits eine positive Resonanz zu verbuchen?

Hiromichi Tanaka: Leider konnte ich meine Mitarbeiter in Tokio noch nicht erreichen. Ich hoffe allerdings, dass der Titel begeistert aufgenommen wird.

Eurogamer: Vielen Dank für das Interview.

Begeistert aufgenommen wurde er in der Tat. Bereits nach wenigen Stunden war der Titel in sämtlichen Läden ausverkauft.

Zu den Kommentaren springen (4)

Über den Autor:

Tanja Menne

Tanja Menne

Freier Redakteur

Weitere Inhalte

Weitere Themen

FIFA 20: Die besten Talente mit Potenzial, die in der Karriere helfen

Wie ihr junge Nachwuchsspieler findet und sie zu Stars ausbildet.

FeatureRollenspiele: Die besten RPGs, die euer Geld derzeit kaufen kann!

Und oft reicht schon wenig davon! (Update: Mai 2019)

Sekiro: Shadows Die Twice: Komplettlösung, Tipps und Tricks

Alles, was ihr zum Überleben im neuen Spiel der Dark-Souls-Macher braucht

Assassin's Creed Odyssey: Komplettlösung mit Tipps und Tricks

Assassin's Creed Odyssey-Komplettlösung: Alles, was ihr über eure Reise durchs antike Griechenland wissen müsst.

Kommentare (4)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading