Kolumne: Plastikflut und kein Ende

Miete zusätzlichen Wohnraum!

Eigentlich finde ich es ja toll, dass ich Rock Band testen durfte. Das Spiel machte eine Menge Spaß, meine Freunde und ich hatten eine Menge Laune und überhaupt..... Es bedeutet aber auch, dass jetzt wieder eine neue, beinahe Umzugskarton große Kiste in meinem Zimmer steht. Gefüllt mit all dem wunderbarem Plastikkrams, den man so braucht, um zu einer Rockband zu mutieren. Aufgebaut könnte ich wahrscheinlich sogar gleich 2 Quadratmeter Wohnfläche abstreichen.

Wäre das eine einmalige Ausnahme, würde ich diese Zeilen kaum schreiben. Aber in den letzten Jahren nimmt das Plastikchaos der Spezialcontroller doch etwas überhand.

Da steht also nun eine Drumstation. Daneben eine Rock Band–, eine Guitar Hero 2– und eine Guitar Hero 3–Gitarre. Aus der PS2-Ära gesellt sich ein ganzer Satz Buzzer dazu, die auf Partys immer noch eine Runde unterhalten, eine erkleckliche Auswahl an PS2 und PS3–Singstar Mikrofonen, diverse Eyetoys aus zwei Konsolengenerationen. Buzzer liegen auch für die 360 irgendwo herum, nur heißen die halt anders. Brauchen aber genauso viel Platz.

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Plastik....

Dazu kommt noch ein Xbox 360-Lenkrad. Wireless natürlich und komplett inkompatibel zur PS3. Also noch ein Lenkrad für GT5. Um das Wii versammelt sich fröhlich irgendwelcher Krams, der auf den ersten Blick nicht identifizierbar (Armbrust für das Zelda-Ballergame) oder leicht mit einem Hundebeißring zu verwechseln ist (Mario Kart Lenkrad).

Und das wird in Zukunft nicht besser werden. Guitar Hero 4 rüstet kräftig auf, auf der 360 wird es wohl irgendwann demnächst einen Satz kabellose Buzzer geben, tendenziell zwangsveräußert mit Spiel. Buzz auf der PS3 wird wohl kaum kompatibel zu den PS2-Knöpfen sein und wer weiß schon, was da in den nächsten 12 Monaten noch in den Plastikpipelines Taiwans und Chinas steckt.

Grob geschätzt ergibt das jetzt schon 178 Kubikmeter reines Plastik, Gewicht ca. 148 Kilogramm und zwar pro zwei bis drei Konsolenhaushalt. Mag auch etwas weniger sein, aber das spielt eigentlich kaum eine Rolle. Ein riesiger Haufen Zeugs, von dem vieles genau das Gleiche tut wie andre Dinge aus dem Haufen. Lenkräder lenken, Gitarren klampfen. Eine wie die andere.

Und trotzdem ist nichts davon kompatibel. Nicht die PS2-Buzzer mit der 360, nicht das 360-Lenkrad mit der PS3 und nicht die PS3-Gitarre mit der Wii. Häufig genug ist nicht mal ein Controller mit mehren Spielen des gleichen Hardwarebauers kompatibel. Gitarren-Helden aus der PS2-Ära können nach dem Wechsel zu Guitar Hero 3 auf der PS3 ein Lied davon singen.

Alle diese Geräte könnten überall ebenso gute Dienste leisten wie bei ihrem angestammten System und Spiel. Aber nein, jedes neue Game bringt sein eigenes System mit und schon jetzt fürchte ich mich vor Guitar Hero 4. Sollten dessen Plastikdrums auch nur mit Rock Band auf dem selben System kompatibel sein, wäre das vermutlich höchstens ein Fehler in der Entwicklungsabteilung.

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…und mehr Plastik. Rock Band und Guitar Hero 4. Letzterer in Planung.

Aber so ist das halt im Krieg. Wenn Krieg herrscht, und sei es nur ein Konsolenkrieg, dann leidet die Zivilbevölkerung. In diesem Falle die Konsumenten. Jeder Hersteller drückt irgendwelchen, auf lange Sicht eigentlich nur als Kunststoffmüll zu bezeichnenden Krams für „sein“ System mit aller Macht in die Welt, ohne Rücksicht auf Eure Wohnfläche, den Regenwald und eine Menge anderer Dinge.

Denn seien wir ehrlich, inzwischen läuft alles über USB oder Bluetooth und so unterschiedlich sind die Anforderungen der Controller nun auch nicht, dass man nicht eine universelle Kompatibilität erreichen könnte. Es Wäre doch klasse, wenn ich meine 360-Gitarre zu meinem PS3-besitzenden Freund mitnehmen könnte. Geht aber nicht, also kaufen wir noch eine Gitarre für den Zweispieler. Ach, wäre das schick, wenn ich mein 360-Lenkrad an jeder Konsole und die Buzzer für jedes Knöpfendrückspiel benutzen könnte. Eine große, einheitliche Peripheriewelt.

Aber das wäre gegen die Regeln des Konsolenkrieges und gegen die Regeln der Marktwirtschaft. Schließlich machen Konzerne keinen Umsatz, wenn wir keine neuen Sachen kaufen.

Wäre ja auch ok, wenn wir denn dabei wenigstens neue Sachen kaufen würden. Aber eigentlich werden wir doch permanent gezwungen, uns Dinge anzuschaffen, die wir schon längst haben: Buzzer, Lenkräder, Drumsets, Gitarren. Ohne groß erkennbaren Mehrwert. Aber in immer größeren Kartons. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Diese würde nämlich Einsicht, Gewinnverzicht und eine Art kollegiales Denken aller Beteiligten erfordern. Schlechte Aussichten also.

Ich fange wohl schon mal besser an, Platz für Guitar Hero 4 zu schaffen…

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Martin Woger

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