Der mechanische Flachmann: Logitech G915 TKL Gaming-Keyboard - Test

Das beste beider Welten ist machbar.

Diese beiden erschienen bereits 2019, durchschritten mit mir ein hartes 2020, weshalb ich jetzt in 2021 sicher endlich mal was Gutes über die Logitech G915 sagen kann. Ich war da etwas zögerlich, denn ein wenig vorher hatte ich ein anderes Logitech-Keyboard, auf das ich zuerst große Stücke hielt, das sich dann aber nach ein paar Monaten unrühmlich verabschiedete. Dieses war aber kein Gaming-Keyboard und im Vergleich zum G915 auch ein Schnäppchen. Was soll man für 120 Euro schon erwarten. Das G915 kostet ja schließlich das Doppelte - 250 Euro, 230 für die kleinere TKL-Variante ohne Ziffernblock -, da muss dann schon Langzeit-Leistung drin sein. Also, nach vielen, vielen Anschlägen ist es fast schon eine Herzensangelegenheit dieses fantastische kleine Brett lobzupreisen. Schnell noch, bevor der Nachfolger kommt...

Logitech G915 - Bodennähe dank GL Switches

Okay, ob der oder auch nur eine Revision schon in den Startlöchern steht, weiß ich nicht genau, aber selbst wenn: Das würde wohl nur bedeuten, dass die Straßenpreise für das Logitech G915 noch weiter fallen. Oder überhaupt mal fallen, denn unter 200 Euro bekommt ihr das gute Stück auch nach anderthalb Jahren noch nicht. Aber so ist das halt mit Qualität, die zahlt man teuer, um danach lange Ruhe zu haben. Das allein wäre aber nicht so bemerkenswert, ich habe eine IBM Model M, die seit 30 Jahren ihren Dienst tut. Aber, wie so fast jede mechanische Tastatur hat diese hohe Caps. Oder vielmehr normale Caps. Deren mechanischer Anschlag ist zum Spielen exzellent und in keiner Weise mit den flachen Varianten von Keyboards, die es so gibt, zu vergleichen. Nur, dass ich eben auf diesen flachen Tasten bequemer tippe.

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Die große Logitech G915 mit Nummernblock und Sondertasten an der linken Seite...

Logitechs Lösung dafür hieß GL-Switches und das sind im Grunde vom Aufbau her ganz normale mechanische Tasten, nur dass die weniger als die Hälfte des Weges zurücklegen und sich dementsprechend flache Caps gönnen. Das Ergebnis sind Tasten, die zwar immer noch mindestens die doppelte Höhe von zum Beispiel einer Apple-Tastatur haben, aber eben auch nur die Hälfte einer normalen Mechanischen. Ihr habt auch keinen Click-Hall, der die Geräuschkulisse nach oben ausbaut. Die G915 ist nicht silent, in keiner Weise, aber es schallt eben auch nicht durch das ganze Haus, wenn ihr loslegt. Außer ihr kauft die "Clicky"-Version, diese hat dann den laut vernehmbaren Click nach einem Millimeter. Die "Linear" habt einen durchgehenden Anschlag und die vor mir liegenden "Tactile" hat einen initial höheren Widerstand, nach dem dann direkt ausgelöst wird, aber ohne Klick. Das ist am Ende eine Geschmacks- und Lebenssituationsfrage. Ich denke, dass die Tactile meinen eigenen Idealen am nächsten kommt, sosehr ich den altmodischen Klick auch liebe und hier persönlich ein wenig vermisse.

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...und die kleine Logitech G915 TKL, mein persönlicher Favorit. So niedlich!

Lightspeed bei der Übertragung, Fußgänger beim Kabelformat

Die Lightspeed-Verbindung steht für Logitechs proprietäres Funk-Format, dass besonders verzögerungsfrei daherkommt, Latenzen auf das absolute Minimum reduziert und die Verbindung zwischen Tastatur und Dongle besonders schnell herstellt. Das klappt auch alles wunderbar und ohne Zucken, ich hatte in der ganzen Zeit nie auch nur ein Verbindungsproblem. Schön ist, dass optional Bluetooth mit an Bord ist, sodass ihr nebenbei auch zum Beispiel einen Laptop anschließen könnt, ohne den Dongle herumzuschleppen oder umstecken zu müssen. Auch das hat sich im realen Leben oft bewährt und ich möchte es nicht mehr missen.

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Gehäuse wie auch Tasten können dank der GL-Switches s flach sein wie sonst keine mechanische Tastatur.

Weniger Highend ist die Lade- und Verbindungstechnik, wenn doch mal Strom in Richtung G915 muss. Selbst 2019 war Micro-USB nicht mehr der Stand der Dinge und wenn es eine Revision gibt, dann bitte dringen USB-C. Allein schon, weil ich das Kabel nur noch für dieses Keyboard und den DualShock herumliegen habe, während USB-C-Kabel mittlerweile im ganzen Haus strategisch verteilt sind. Und das schnellere Laden ist auch ein Bonus. An das Kabel muss die G915 nach etwa 20 bis 30 Stunden und ist wie immer bei beleuchteten Kabellosen stark davon anhängig, wie sehr ihr die Farb- und Leuchtfreude nach oben dreht. Da ich bei dezentem, einfarbigen Blau auf gedimmter Stärke blieb, dürften die 30 Stunden durchaus realistisch sein. Wenn ihr auf die Beleuchtung verzichtet, dann hält die G915 wohl über 100 Stunden, aber ich hoffe ihr könnt blind tippen. Die Beschriftung ist dann nämlich im Grunde Dunkelgrau auf Schwarz und praktisch unlesbar.

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Die Logitech G915 wie auch die G915 TKL werden jeweils in drei Switch-Varianten angeboten: Mit Klick, mit initialen Widerstand und linear.

Das bringt uns auch zum zweiten Schachpunkt neben dem veralteten Kabel-Port: Die Sondertasten sind nicht beleuchtet. Warum das so ist, bleibt unklar, aber immerhin wählte man hier Hellgrau als "Farbe", sodass ihr in einem hellen Raum keine Probleme habt. Beim Spielen in einem dunkleren Zimmer dagegen sind sie schwerer zu entziffern.

Logitech G915 - Tadellose Verarbeitung, durchdachte Software

An Sondertasten habt ihr im Grunde die Wahl: Es gibt die G915 mit fünf frei belegbaren Sondertasten auf der linken Seite und einem vollständigen Ziffernblock und die G915 TKL, die sowohl auf den Ziffernblock wie auch die Sondertasten verzichtet. Ansonsten sind beide fast identisch ausgestattet. Ich habe die kleine TKL und während ich doch manchmal die Ziffern vermisse, so schätze ich doch das kompakte Format. Beide Versionen haben acht Sondertasten für die Verbindung, Helligkeit der Tasten und Multimedia-Steuerung. Zu dieser gehört auch ein nicht klickbares Rollrad oben rechts. Eine Besonderheit der großen G915 sind noch einmal drei Tasten für Profile aus Gummi und mittels einer vierten MR-Taste auch direkt zurückgesetzt werden können. Diese vier Tasten sind bei der kleinen TKL als FN-Funktionen auf die F1-F4-Tasten gelegt worden, was nicht schlechter funktioniert.

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Das Logitech G-Hub ist aufgeräumt und leicht zu bedienen. Drei Profile können direkt auf der G915 gespeichert werden.

Die Farbfreude der Tasten teilen beide Versionen, es sind vollwertige RGO-Farbe, die ihr dank der Software auch synchron mit anderen Logitech-Geräten abstimmen könnt. So wie das bei allen Herstellern üblich ist. Die Software ist der bekannte Logitech G-Hub, der euch erst einmal den Ladestand der G915 verrät. Keine Sorge, wenn ihr bei 10 Prozent ankommt, leuchtet auch eine kleine Warnlampe am Keyboard, ihr müsst also nicht ständig nachgucken, ob die G915 gleich das Licht ausmacht. Sonst habt ihr zig Beleuchtungseffekte, Makros und jede denkbare Art von Tastenzuweisung, die euch so einfallen kann. Dazu gibt es einen Spielmodus, den ihr mittels Gummi-Sondertaste aktiviert und beendet und der in der Software zu definierenden Tasten abschaltet, damit ihr sie nicht aus Versehen erwischt. Ihr könnt euch also im Spiel das halbe Keyboard (oder mehr) abschalten und nicht nur die sonst bei so etwas übliche Windows-Taste. Das alles wirkt etwas aufgeräumter und intuitiver als bei dem einen oder anderen Konkurrenten und so ist der G-Hub weit, wie von dem Unfall in Sachen Benutzerführung entfernt, den Logitech früher mal vorzuweisen hatte. Probleme mit dem Speichern der Profile gab es wohl in frühen Versionen der Software, mittlerweile sind diese scheinbar behoben. Ich hatte jedenfalls nicht die geringsten Probleme dabei, aber die so gut die Benutzerführung beim Rest ist, die Verwaltung der Profile darf gern noch mal aufgeräumt werden. Oder gleich komplett neu gestaltet.

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Lightspeed bei der Übertragung, aber in Zukunft bitte mit USB-C. Micro ist wirklich nicht mehr zeitgemäß.

Und sonst so? Die Verarbeitung zum Beispiel. Schlicht ein Traum. Das stabile Metall der Chassis liegt wie ein Brett auf dem Tisch und gibt der G915 ein solides Gewicht, der Ganze Look ist so vornehm, wie man es bei dem Preis erwarten darf und trotz der flachen Bauweise wurde nicht auf Double Shot Caps verzichtet, die Schönheit sollte also von Dauer sein. Ich habe zwei Amazon-Rezensionen gefunden, die berichten, dass die Farbe sich mit der Zeit ablösen würde, aber das kann ich nicht bestätigen. Selbst nachdem ich jetzt noch einmal mit einem Schraubenzieher auf einer Taste herumkratzte, hatte ich dann zwar Kratzer im Cap aber diese Kratzer waren immer noch schwarz und leuchten nicht durch. Die Unterseite der G915 ist dann schmuckloses, aber recht massives Plastik, so wie auch die in zwei Stufen und damit Winkeln ausklappbaren Füße. Es wurde sogar an eine kleine Mulde gedacht, in die der Dongle gesteckt wird, damit er nicht verloren geht. Damit ist Verarbeitung dann insgesamt so dezent unauffällig, wie absolut tadellos und hat sich im Dauereinsatz mit Bravour gemeistert.

Ihr könnt die Logitech G915 auf Amazon finden, wie auch die Logitech G915 TKL. Dort lassen sich dann Farbe und Art der Tasten auswählen.

Logitech G915 TKL Test Fazit

Wenn es eine Revision der Logitech G915 oder einen Nachfolger gibt, was würde ich ändern wollen? Nicht viel. USB-C wäre Pflicht, die Sonderzeichen müssen dann beleuchtet werden und die Profil-Verwaltung sollte jemand überdenken. Aber sonst hat Logitech einen praktisch perfekten kleinen Dauerläufer abgeliefert. Die kompakte Bauweise der G915 TKL in Verbindung mit den einzigartig flachen GL-Switches ist der ideale Mittelweg, bei dem ich fließend und ohne Anstrengungen tippen kann, aber gleichzeitig beim Spielen nicht auf die Vorteile mechanischer Haptik verzichten muss. Das Beste beider Welten ist also doch manchmal möglich. Dazu kommt die ausgezeichnete Verarbeitung und eine kleine, aber feine Liste an sinnvollen Features wie zum Beispiel die Multimedia-Steuerung oder das fast latenzfreie Lightspeed-Dongle in Verbindung mit der Bluetooth-Alternative. Und ja, die Logitech sieht nach Monaten immer noch aus wie am ersten Tag. Nein, die G915 ist nicht billig. Aber sie ist jeden Cent wert und mit ihren Features auch etwas Besonderes auf dem so hochwertig besetzten wie oft ermüdend austauschbaren Bazar der Gaming-Tastaturen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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