»Kaum bringt Blizzard ein neues Spiel raus, gebt Ihr auch schon automatisch Höchstwertungen.« Diesen immer wieder gern verbreiteten Vorwurf kennt jeder Spieletester schon seit sehr vielen Jahren. Die Antwort darauf ist immer dieselbe: »Falsch, es muss eher heißen: Kaum bringt Blizzard ein neues Spiel raus, setzt es auch schon Maßstäbe. Und zwar vor allem in Sachen Spielbarkeit und Spielspaß.« Woran das liegt? Nun, Blizzard erfindet keine Spielegenres, sondern trimmt Bekanntes bis zum Anschlag auf Perfektion.

Wie, warum ich im Loki-Test die ganze Zeit von Blizzard schwafle? Nun, weil die Verkaufsversion von Cyanides Actionrollenspiel bei Blizzard kein Releasekandidat gewesen wäre, sondern als frühe Betaversion (oder späte Alpha) die nächsten zwei bis drei Jahre rund geschliffen würde. Und dann gäbe es wahrscheinlich auch wieder Höchstwertungen.

»Mist, Du hast vergessen die Grafikoptionen raufzudrehen«. Das habe ich zumindest gedacht, als ich Loki das erste Mal gestartet habe. Ich hatte mir den schlagkräftigen Barbaren als Helden ausgewählt und stand plötzlich mitten in einer eckigen Eiswelt, die mich auf frappierende Weise an die ersten Spiele mit 3dfx-Karte erinnerte. Warum? Nun, die Texturen waren ein wenig rieselig, die ersten auftauchenden Monster und das Eis auf den Bergen sahen aus, als ob sie mit Klarlack besprüht worden wären. Ein schneller Blick in die Optionen aber offenbarte die grausige Wahrheit: Sämtliche Grafikverschönerungen waren bis zum Anschlag rauf geregelt. Besser würde Loki wohl nicht aussehen.

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Mit einem mächtigen Axthieb haut der Barbar auch einen Feuergolem locker platt.

Zugegeben: Mit dem Start in der eisigen Wüste des Nordens hat man gleich eines der hässlichsten Gebiete des ganzen Spiels gesehen. Später wird es schon noch schöner, vor allem wenn mal etwas dickere Monster auftauchen, man die Wüste durchquert oder den deutlich schmuckeren Urwald am Amazonas. Aber trotzdem kann sich Loki mit der aktuellen Konkurrenz nun wirklich nicht messen. Kaum verständlich, warum diese Mittelmaßoptik beim Betreten eines neuen Levels jedes Mal ein paar Sekunden kräftig ruckt – und das auch auf einem schnellen Rechner mit viel Speicher (mehr als zwei GByte).

Das ist besonders blöd, wenn gleichzeitig mehrere Feinde meinen Helden attackieren. Denen macht das Rucken nämlich nichts aus und ehe ich mich versehe, ist mein Recke auch schon tot. Immerhin geht es danach geschmeidiger weiter, zudem ist der Rücksetzpunkt für wiederbelebte Helden ja genau am Startpunkt einer Karte. Strafen gibt’s dafür auch keine, also wollen wir diesen Fehler mal gnädig verzeihen.

Patente Alleskönner

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Die hässlichen Menüs wirken wie noch nicht ganz fertig designt.

Worum geht es eigentlich in Loki? Der böse Gott Seth wandelt wieder auf Erden und muss deshalb bekämpft werden. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, bevor man mit einem der vier Helden los zieht. Neben dem Barbaren sind das der ägyptische Zauberer, die griechische Fernkämpferin und die aztekische Schamanin, die als Solorecke zur Auswahl stehen. Alle unterscheiden sich spielerisch sehr stark. So kann die Schamanin Lebewesen beschwören, die sie im Kampf unterstützen oder sogar Totenschädel als Blitzwerfer einsetzen. Der Magier hat von Anfang an einen teuflisch effektiven Flammenzauber parat. Die Griechin findet gleich zu Beginn einen Wurfring – schöne Grüße von Xenas Chakra.

Aber, und das ist Lokis Stärke, man ist nicht auf diese Kampfarten festgelegt. Wer mag, rüstet die anfänglich schwache Schamanin zur Muskelfrau hoch, die dem Barbaren auf die Dauer in nichts nachsteht. Der ist ein genauso talentierter Magier, wenn er nur immer brav Intelligenz- und Manapunkte spendiert bekommt. Ebenfalls sehr gut: Jeder der Helden startet in einem optisch und spielerisch anderem Gebiet. Man muss also nicht stundenlang mit dem Barbaren durchs ewige Eis ziehen, bevor man einmal die Wüste sehen darf.

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