Mafia 2

Endlich selbst gespielt

Mafia 2 ist wie ein Käsekuchen. Oder noch besser: wie eine Torte. Jeder sollte sich ein Stück davon abschneiden. Wo Grand Theft Auto mit osteuropäischen Einwanderern aufwartet, deren Englisch ohne Untertitel nur die Hälfte der Zuhörer versteht, glänzt Mafia 2 mit astreiner deutscher Sprachausgabe. Woher diese Information stammt? Aus einem Testlevel, das ich unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen vor Ort bei Herausgeber 2K (Take2) ausprobieren durfte. Eine kurze Stippvisite in der fiktiven Stadt Empire Bay.

„Sieh an, wusste gar nicht, dass Joe schreiben kann“, kommentiert Hautfigur Vito Scarletta die Nachricht seines Kumpanen, der ihm per Zettel einen Treffpunkt hinterlassen hat. In Mafia herrscht die alte Schule. Menschen kommunizieren nicht per E-Mail oder Handy. Gut, Telefone gibt es. Festnetzgeräte. In eurer Bude hängt so ein Gerät im Hausflur. Doch anrufen könnt ihr nur diejenigen, deren Nummer ihr kennt. Im Moment also niemanden.

Ihr streift eure Lederjacke über und gönnt Vito noch ein Stoltz-Bier aus dem Kühlschrank. Der Geschwindigkeit nach, in der der Jung-Mafioso den Inhalt des grünen Fläschchens in sich hineinschüttet, muss er in einem früheren Leben Kampftrinker gewesen sein. Na ja, wenn es gesund macht und der Lebensenergie-Balken steigt … Nach vier Flaschen verschwimmt ein wenig die Sicht. Weiter lässt sich der Spaß aber nicht treiben, mehr Bier steht nicht kalt. Die Lebensanzeige ist bereits auf Maximum. Nun denn, ein kleiner Hamburger extra kann nicht schaden. Das alles dient schließlich der Forschung, dient der Frage: Besitzt Mafia 2 das Potential, seine Käufer in allen Aspekten seines virtuellen Seins zu fesseln?

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Vito (rechts) hängt mit seinem Kumpel Joe ab. Die Werbung für ein bekanntes Herrenmagazin sticht vielerorts ins Auge.

Der Beginn der Testmission erinnert in seiner alltäglichen Belanglosigkeit an Heavy Rain. Die Toilettenspülung lässt sich drücken, der Wasserhahn aufdrehen, Vitos Spiegelbild bewundern. Spielereien, die jedoch einem zweiten Blick kaum standhalten.

Selbst nach mehrmaligem Spülen treibt in der Kloschüssel braune Plörre, Hände lassen sich partout nicht waschen und der Spiegel scheint unzerstörbar. Vielleicht würde das in aller Konsequenz aber auch zu weit führen. Immerhin geht es hier um ein Spiel und nicht die Simulation des menschlichen Tagesablaufs.

Wer Hamsterkäfige aufstellen und sich ein Mittagessen brutzeln möchte, greift wohl doch lieber zu den Sims. Ihr knipst noch zwei Mal das Licht an uns aus, schaltet den Deckenventilator ein und betretet den Hausflur. Hoch lebe Amerika! In Mafia 2 geht es um Schießereien, Schlägereien und jegliche Art von Verbrechen. Etwas anderes hätte vermutlich auch alle schwer enttäuscht. Also raus aus dem Haus und hinein ins Vergnügen. Nachdem Vito 1945 als Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg zurück kommt, muss er feststellen, dass sich die Zeiten geändert haben. Sein toter Vater hat seiner Familie Schulden bei einem Kredithai hinterlassen. Vito braucht schnelles Geld. Geld, das ihm sein Jugendfreund Joe Barbaro verspricht.

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Lagebesprechung mit Steve, dem Herrn mit dem Magazin in der Hand.

Bevor ihr euch mit Joe an seinem Zigarettenlaster trefft, bietet sich die Chance, die Stadt und Steuerung unter die Lupe zu nehmen. Wie ist das Joypad belegt? Aha, „LB“ gedrückt halten und Vito sprintet. „Ohne zu ermüden“, wie Pressesprecher Jan Sturm ergänzt. Mit einem Knall löst sich ein Schuss: Der rechte Abzug des Pads verursacht also wie fast überall bleihaltigen Niederschlag. Sofort kreischt eine Polizeisirene los. Meine Güte, da ballert man einmal kurz verantwortungslos vor seinem Haus herum und schon rückt die Kavallerie an. Digipad nach links, Vito steckt die Knarre weg. Zu spät allerdings.

„Halt, Polizei!“ Drei Beamte umzingeln euren Übeltäter mit gezückten Waffen. Während Vito langsam die Hände hinter dem Kopf verschränkt und niederkniet, bietet euch das Spiel zwei Optionen: „der Verhaftung widersetzen“ und „Polizisten bestechen“. Ihr wählt Tor Nummer 2. „Eine Hand wäscht die andere“, hört ihr eure Spielfigur sagen, als sie ein Bündel Geldscheine zückt. „Danke für ihren Beitrag zu meiner … Altersvorsorge“, entgegnet der nette Herr in Uniform und lässt euch unbescholten ziehen. Fein.

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Joachim Hesse

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