Mafia II

Eine schrecklich nette Familie

Gangster haben mich schon immer fasziniert. Nicht die Echten, die sich nachts in meiner Nachbarstadt die Köpfe einschlugen oder die in Berlin täglich ihrem dreckigen Drogen-Handwerk nachgehen. Sondern die Virtuellen, die mir in Filmen und Spielen die Gedankenwelt des Bösen näher bringen. Was treibt Menschen dazu, die gesellschaftlichen Regeln beiseite zu schieben? Wieso fügt man nur wegen etwas Geld jemand anderem bleibenden Schaden zu? Für mich als gutbürgerlich Erzogenen sind dies fremde, brutale Lebensentwürfe, die mich aber immer wieder in ihren Bann ziehen.

Besonders angetan hatte es mir schon immer die Mafia. Vor allem das Meisterwerk Der Pate, aber auch später die kongeniale Fernsehserie Die Sopranos zeigten mir eine Welt voller Mut, Ehre und Verrat. Ein komplexes Gebilde aus Abhängigkeiten, Familien-Zugehörigkeit und eiskalten Geschäftsgebaren. Ein Universum, so weit von meinem eigenen Kosmos entfernt, dass ich immer wieder wie ein Voyeur gebannt dem Geschehen lausche.

Mafia II macht da keine Ausnahme. Das Spiel bedient sich dabei vor allem am ersten Teil der Pate-Triologie. Der Held des Geschehens, Vito Scaletta, kommt wie damals Michael Corleone aus dem Krieg zurück und setzt seine dort erworbenen Talente für die ehrenwerte Familie ein. Doch wo Michael der Sohn des Paten war, muss sich Vito den Weg in die Familia erst einmal erkämpfen. Ihr fangt ganz unten an. Nachdem euch euer Freund Joe den Militärdienst vom Hals geschafft hat, erpresst ihr Ladenbesitzer, klaut ein paar Fahrzeuge und macht euch als Killer einen Namen.

Das Geschehen ist trotz offener Spielwelt stark gescriptet und bietet euch im Prinzip wenige Freiheiten. Im ersten Moment sieht Mafia II wie sein Vorgänger GTA ähnlich, doch unter der Haube steckt ein vollkommen anderes Spielerlebnis. Die offene Welt ist hier nur Staffage und transportiert insbesondere Atmosphäre. Ihr könnt zwar während der Missionen Ladengeschäfte besuchen, euch mit neuen Kleidern, Waffen und aufgemotzten Autos eindecken, aber viel mehr gibt es nicht zu tun. Ihr seid zumindest in den vier spielbaren, lose über die ersten zehn Kapitel verteilten Missionen eng an den rote-weißen Zielpunkt gebunden, der euch den Takt und euren Weg in diesem Gangster-Epos vorgibt.

Das bedeutet nicht, dass Empire Bay City keine beeindruckende Erscheinung ist. Die Stadt wird von hunderten individuellen Figuren bevölkert, die perfekt den Flair der Vierziger Jahre einfangen. Zu Beginn ist die wilde Mischung aus San Francisco, New York und Los Angeles eingeschneit. Die Einwohner kämpfen sich schlotternd durch die weißen Straßen, auf den Autos sammelt sich Schnee und er wird erst durch den Fahrtwind hinweggeweht. Ein weiteres Kapitel spielt dagegen im Frühling. Die Bäume blühen, die Stadt leuchtet im sanften Sonnenlicht und ihr könnt noch besser die einmalige Weitsicht bewundern, die euch im Gegensatz zum Vorgänger praktisch keine plötzlich auftauchenden Gegenstände zumutet.

Die neue Grafik-Engine sieht hervorragend aus. Tiefenschärfe, hochauflösende Texturen und glaubwürdige Charaktere verwandeln zumindest auf einem starken PC das Geschehen in einen spielbaren Film. Kleine Details wie Fußabdrücke im Schnee, die dampfende Kanalisation oder die bis ins Detail zerlegbaren Autos zeugen von dem technischen Können der tschechischen Entwickler. Allein bei den Animationen muss sich 2K Czech von Rockstar die Butter vom Brot nehmen lassen. Diese sind zwar grundsätzlich nicht wirklich schlecht, können aber an die Brillanz der Euphoria-Animations-Engine kaum heranreichen.

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Kristian Metzger

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