Die asiatischen Kulturen sind mir nach wie vor ein Rätsel. Ich werde wohl nie kapieren, welche Vorteile ich davon haben sollte, wenn ich mit Stäbchen esse, anstatt zu Messer und Gabel zu greifen. Auch asiatischen Spieleentwicklern stehe ich oft mit Unverständnis gegenüber. Was mir partout nicht in den Schädel will: Auf die Konsolen zaubern sie oft wunderbare Titel voller ungewöhnlicher Ideen und phantastischer Grafik. Sobald sie jedoch für den PC entwickeln, scheint die Kreativität deutlich zu leiden - technisch und optisch gibt’s bestenfalls Mittelmaß. Hat Konfuzius vielleicht irgendwann mal gesagt: »Alle talentierten Entwickler an die Konsolen. Der nicht so tolle Rest kann ja mal gucken, was er auf dem PC so alles anrichten kann?« Wo auch immer der Hund begraben liegen mag, aber Mage Knight Apocalypse ist wieder so ein Spiel, dem man deutlich anmerkt, dass seine in Shanghai beheimateten Entwickler nicht zu den Top Absolventen ihres Jahrgangs gehörten.

Konzept, wo bist du?

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Matschige Texturen, unscharfe Effekte: Da kommt kaum Fantasy-Flair auf.

Fünf hehre Krieger, die allesamt der edlen Vereinigung der Oathsworn angehören, ziehen aus, um die Mächte des Bösen zu bekämpfen und somit die drohende Apokalypse abzuwenden. Der fünfköpfige Drache stellt sich ihnen dabei entgegen, der…. Ach, ich erspare mir den Rest der Hintergrundgeschichte. Denn die ist so 08/15-Gut-gegen-Böse, dass man sie am besten gleich wieder vergisst. Um sich durch die Monsterhorden von Mage Knight zu schnetzeln, braucht man diese Kenntnisse auf jeden Fall nicht. Dagegen zahlt sich ein gehöriger Batzen Geduld schnell aus. Denn die Entwickler (die ja nicht so dolle sind) haben völlig vergessen, den Schwierigkeitsgrad irgendwie zu definieren. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie mit ihrem Editor hier, da und dort ein paar Monster in die Gegend gesetzt haben, die sich blindlings auf den herumlaufenden Helden stürzen. Am Anfang erledigt man die mit Schwert und Magie (rechter und linker Mausknopf) auch noch recht schnell. Aber schon bald stößt man auf dermaßen hartnäckige und zahlreiche Biester, dass der vorschnelle Bildschirmtod schon ausgemachte Sache ist, wenn der Held in Reichweite der Monster kommt.

Irgendwann muss auch den Machern gedämmert haben, dass so man nur schlecht voran kommt, und haben deshalb das Speicherpunkte-Heldenwiederbelebe-System entwickelt. An mindestens einer Stelle pro Gebiet (die allesamt sehr klein geraten sind) ersteht der Held ohne irgendwelchen Punktabzüge wieder neu, wenn er hops gegangen ist. Von da aus läuft man (und hier kommt jetzt die oben eingeforderte Geduld ins Spiel) wieder und wieder und wieder gegen die Feinde an. Praktischerweise regenerieren die sich nicht, so dass man nach und nach alle Unholde erledigen kann. Wenn’s sein muss, auch erst im (gezählten) zwanzigsten Versuch. Allerdings sind diese Speicherpunkte nicht immer gut gesetzt. Teilweise stehen sie tatsächlich mitten im feindverseuchten Gebiet, weshalb man direkt nach der Wiederbelebung ohne Vorwarnung gleich wieder attackiert wird.

Leveln leichtgemacht

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Voll krass Alda: Der Ring gibt Dir voll die Street Credibility. Escht korrekt.

Immerhin muss man sich keinerlei Gedanken um den Levelaufstieg des eigenen Helden machen. Dessen Fertigkeiten entwickeln sich in Mage Knight automatisch weiter, je nach Spielweise. Wer viel mit dem Schwert draufhaut, bekommt mehr Stärke und bessere Rüstungswerte. Eifrige Magier steigern nach und nach ihren Intelligenzwert. Außerdem werden so im Laufe der Zeit neue Zaubersprüche und Spezialattacken freigeschaltet. Dieses System funktioniert erstaunlich gut, entsteht doch dadurch allmählich der Held, den man gern von vornherein gehabt hätte. So erhielt ich nach einigen Stunden einen kräftigen Schlagetod, der zudem einiges an Schaden einstecken konnte.

Überwiegend ist man allein unterwegs, ab und an gibt es auch mal einen Begleiter, der völlig selbstständig kämpft. Allerdings kann man ihm vorgeben, ob er angreifen, sich verteidigen oder einfach nur mitlaufen soll. Besonders clever sind diese Kameraden aber nie. Meist stürzen sie sich auf den nächsten Feind, selbst wenn es sich dabei um den viel zu starken Levelboss handelt. Ziemlich blöde: Der getreue Begleiter bleibt schon mal unvermittelt stehen und kommt erst auf Zuruf nachgelaufen.

Optisch und technisch dümpelt Mage Knight Apocalypse gerade noch so eben auf Mittelmaßniveau. Die Landschaft wirkt matschig, die Effekte sind unscharf und die deutlich schärfer gezeichneten Polygonfiguren wollen deshalb nicht so recht in die Gegend passen. Die Menüs sind bestenfalls langweilig, teilweise auch richtig hässlich. Auf der Haben-Seite finden sich tonnenweise Zwischensequenzen, die selbst Nebenquests einführen. Dummerweise versagte der Tonmix immer wieder mal. Dadurch klangen alle Soundspuren (Sprache, Musik, Geräusche) gleich laut, weshalb ich oftmals nicht verstehen konnte, was gerade gesprochen wurde. Zum Glück gibt’s Untertitel, dennoch: Hier ist ein Patch dringend nötig. Ebenfalls bearbeitungswürdig: Die deutsche Übersetzung. Meist ist die ganz ordentlich. Aber ein Ring, der die »Street Credibility« steigert, klingt doch ein wenig arg nach Goldkettchen behängtem Plattenbau-Gangsta-Rappa mit mit Migrationshintergrund.

Wenn es derzeit ein Genre gibt, das auf dem PC im Überfluss vorhanden ist, dann sind das ganz sicher die Actionrollenspiele. Die meisten davon von guter bis sehr guter Qualität, weswegen Mage Knight Apocalypse komplett überflüssig ist. Wer nichts besser macht als die anderen, dafür aber technisch und optisch schlampert, muss sich nicht wundern, wenn er links liegen gelassen wird. Da hilft auch das gut funktionierende automatische Aufleveln nicht. Außerdem hasse ich es, immer wieder gegen dieselben Feinde anzulaufen, bis sie nach 20 Minuten oder so endlich besiegt sind. Unter Spieldesign stelle ich mir etwas anderes vor. Kurzum: Gegen die exzellente Konkurrenz hat Mage Knight nicht mal als Budgetprogramm eine Chance.

4 /10

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