Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen • Seite 2

Igel und Klempner im Schnee

Auch die Technik hat so ihre Macken, die sich gelegentlich auf den Spielspaß auswirken. In einigen Mehrspieler-Disziplinen oder auch gerne mal bei einer Ski-Abfahrt geht die Framerate in die Knie, was zu Problemen bei der Steuerung führen kann und mit etwas mehr Feintuning sicher vermeidbar gewesen wäre. Insbesondere wenn ihr auf dem Balance Board vor dem Fernseher steht und den Berg runter rauscht, springt euch die mäßige Technik regelrecht ins Auge.

Dafür punktet das Spiel an anderer, unerwarteterer Stelle: Ausgerechnet mit dem eigentlich für viele so unspektakulären Curling hat SEGA eine enorm komplexe und motivierende Variation des typischen WiiSports-Bowling geschaffen. Die Grundlagen sind ähnlich schnell erlernt, tatsächlich ist das Ergebnis aber weit taktischer und birgt eine ordentliche Menge an Ätsch-Potenzial. Beginnt der lustige Mehrspielerabend mit einer flotten Runde Eishockey oder Slalom, endet er unter Garantie in verbissenen Curling-Matches.

Ebenfalls überraschend gut ist SEGA der Eiskunstlauf gelungen: Wählt eine Musik und eure Figur gleitet über das Eis. Eure Aufgabe ist es dann, ähnlich im Stil der Elite Beat Agents auf dem DS zur richtigen Zeit die richtigen Kommandos auszuführen. Das fängt leicht an, steigert sich aber mit der Zeit weiter und weiter zu einer echten Herausforderung, bei der es nicht auf wildes Gerüttel, sondern auf gezielte Bewegungen im Takt der Musik ankommt.

Wie schon der Vorgänger bietet auch die Winter-Edition eine ordentliche Auswahl an Traum-Disziplinen. Die basieren auf regulären Sportarten wie Abfahrt oder Skispringen, erweitern die reale Basis aber um typische Elemente und bunte Settings aus früheren Mario- und Sonic-Spielen: Bei der Abfahrt in der verschneiten Green Hill Zone donnert ihr durch weite Loopings und schnappt euch in bester Mario-Kart-Manier Fragezeichen-Blöcke um nützliche Extras zu kassieren. Beim Skispringen rauscht ihr durch die wechselnde Schwerkraft der Super-Mario-Galaxy-Welten. Eine schöne Abwechslung zu den realistischen Sportarten, auch wenn insbesondere die Ski-Disziplinen oft etwas arg chaotisch ausfallen.

Um aber den Kauf zu rechtfertigen, müsst ihr euch natürlich vor allem mal eines fragen: Sitzt ihr meist alleine vor eurer Wii oder könnt ihr mit regelmäßigem Mitspieler-Aufkommen rechnen? Sollte ersteres der Fall sein, verlieren SEGAs Winterspiele trotz Sportfest-Modus, Achievement-System und vielen freispielbaren Boni recht schnell an Reiz. Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen bietet keinen Online-Modus und ist eben primär für den Mehrspielerbetrieb an einer Konsole ausgelegt. Und genau da überzeugt es auch am stärksten.

Als Gesamtpaket betrachtet wirkt Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen runder und fertiger als sein Vorgänger. Die Präsentation ist stimmiger, viele Disziplinen wirken durchdachter und der Sportfest-Modus gibt dem Spiel genau die Art von inhaltlichem Rahmen, den ich nicht nur beim Vorgänger, sondern auch beim eigentlich sonst so überzeugenden WiiSports Resort vermisst habe. Trotzdem gibt es auch bei der Winterolympiade der beiden ehemaligen Antagonisten noch ziemlich Luft nach oben. Das gilt sowohl spielerisch als auch technisch.

Schade, dass SEGA dem Spiel nicht noch zwei oder drei Monate Feintuning und WiiMotion-Plus-Unterstützung angedeihen lassen konnte, der Sprung zur begehrten 8er-Wertung wäre dem Spiel damit sicher gewesen. Aber auch so bekommen Fans zünftiger Multiplayer-Sessions hier ein rundes Paket, das nicht nur sportlich überzeugt, sondern dank vieler Extras und Traum-Disziplinen auch das Videospiel-Erbe seiner Protagonisten angemessen zu würdigen weiß.

7 /10

Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen ist ab dem 16. Okober im Handel erhältlich.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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