Mars Horizon Test - Dafür müsst ihr kein Raketenwissenschaftler sein

Eine Reise durch die Geschichte der Weltraumforschung.

Mars Horizon Test - 51 Jahre ist die Mondlandung mittlerweile her. Drei Jahre später, 1972, setzten zuletzt Menschen ihren Fuß auf einen anderen Himmelskörper. Seitdem ist dahingehend wenig passiert, wenngleich unsere Sonden und Rover durchs Sonnensystem schwirren oder über den Mars fahren. Eigentlich ein wenig traurig, dass kein Mensch mehr dort gelandet ist, wenn ihr all die technischen Fortschritte seit dem Apollo-Programm bedenkt. Der rote Planet ist zugleich das nächste große Ziel der Menschheit, bis zu einer Landung von Menschen dort ziehen aber mit Sicherheit noch ein paar Jahre ins Land. Gut, dass ihr das in Mars Horizon schon einmal vorab machen könnt.

Und wie wir alle wissen, ist aller Anfang schwer, vor allem in einem solch wissenschaftlichen Bereich, in dem ein kleiner Fehler über das Leben von Astronauten und Astronautinnen beziehungsweise über den Erfolg einer Mission entscheidet. Umso befriedigender ist es, wenn euch in Mars Horizon ein Meilenstein der Weltraumgeschichte - zum Beispiel der erste Mensch im Weltraum, die Mondlandung oder der Vorbeiflug am Jupiter - als erstes und ohne Zwischenfälle gelingt..

Mars Horizon setzt auf Zugänglichkeit

Zugleich sei angemerkt, dass das hier keine knallharte Simulation ist. Es ist deutlich zugänglicher als zum Beispiel Kerbal Space Program, eignet sich daher auch ganz gut für ein jüngeres Publikum. Während ihr forscht und entwickelt, schaltet ihr zusätzlich zu verschiedenen Dingen immer neue Datenbankeinträge frei, die euch ein wenig Hintergrundwissen vermitteln. Für mich als Weltraum-Nerd, der sich für eine kleine Runde am Abend nicht in eine komplexe Simulation verbeißen möchte, exakt das Richtige.

Euer Weltraumabenteuer beginnt zuerst einmal ganz irdisch mit der Wahl einer Weltraumagentur. Zum Beispiel die NASA oder die ESA. Mit den Sowjets, Japanern und Chinesen könnt ihr ebenso spielen - oder ihr erstellt euch eure ganz eigene Weltraumagentur. Jede bringt ihre eigenen Vorzüge mit sich, die den Ablauf des Spiels dezent anders gestalten. Im Großen und Ganzen geht's aber darum, dass ihr euch Runde für Runde (hier Monat für Monat) in der Geschichte entlanghangelt, forscht und letzten Endes zu den Sternen fliegt.

Ihr braucht Geld, um Raketen, Sonden, Satelliten und dergleichen zu bauen, Forschungspunkte für neue Technologien. Dabei bleibt euch ein wenig Entscheidungsspielraum, indem ihr bei Missionen entscheidet, ob ihr lieber mehr Ansehen (führt zu mehr Geld) oder mehr Wissenschaft (mehr Forschungspunkte) generiert.

Reist mit Mars Horizon durch die Geschichte

Was die Aufträge betrifft, habt ihr Meilensteine (permanent) und Anfragen (wechselnd). Die Meilensteine sind im Kern die Sternstunden der Raumfahrtgeschichte. Die erwähnte Mondlandung. Das erste Tier, der erste Mensch im All. Die Umkreisung des Mondes. Alles Mögliche, was bisher erreicht worden ist und in Zukunft auf dem Plan steht. Die Marslandung ist das ultimative Ziel und rückt ab einem gewissen Punkt des Spiels als Hauptaufgabe in den Mittelpunkte. Dafür müsst ihr viele Missionen erfüllen und Erfahrung sammeln, bevor ihr ausreichend Expertise angesammelt habt, um eine Landung auf dem roten Planeten in Angriff zu nehmen.

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Stück für Stück wächst euer Weltraumbahnhof. (Mars Horizon Test)

Neben der Forschung baut ihr nach und nach euren Weltraumbahnhof aus, errichtet neue, größere Startrampen und diverse andere Gebäude, die euch besser forschen lassen, kosten senken oder mehr Missionen zur gleichen Zeit ermöglichen. Zudem baut ihr jede einzelne Rakete aus verschiedenen erforschbaren Komponenten zusammen, was sich - in Kombination mit den Startbedingungen - auf die Effektivität und Gefährlichkeit des Starts auswirkt. Nichts ist ärgerlicher als eine Rakete, die beim Abheben eine Fehlfunktion aufweist und in einem gleißenden Feuerball explodiert - vor allem, wenn sie noch Passagiere beförderte.

Mini-Spiele als Missionsaufgaben

Der eigentliche Ablauf der jeweiligen Mission ähnelt sich dann immer und besteht - je nach Aufwand und Komplexität der Aufgabe - aus verschiedenen Phasen. Ihr absolviert dann kleine Mini-Spiele, bei denen ihr eine vorgegebene Zahl an Ressourcen gewinnen müsst - Strom, Kommunikation, Wissenschaft und Navigation -, um die Phase erfolgreich abzuschließen - inklusive Bonusziel, um eure Ausbeute zum Missionsende zu erhöhen. Im Grunde geht's darum, Ressourcen zu generieren, hin und herzuschieben und in andere zu verwandeln. Wie erfolgreich ihr bei der Ausführung eines gewählten Kommandos seid, entscheidet der Zufall. Und die Effektivität der Nutzlast, die ihr bei Forschung und Konstruktion beeinflusst. Je nach Mission kommen dann noch zusätzliche Faktoren wie die Hitze oder das Driften hinzu. Hier müsst ihr dann verhindern, dass zum Beispiel eine Raumkapsel beim Wiedereintritt verbrennt oder eine Sonde vom Kurs abkommt.

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Anfangs ist es um die Erde herum noch ruhig. (Mars Horizon Test)

Es ist nichts Spektakuläres und auf Dauer ein wenig generisch. Im Grunde ist es dazu gedacht, eine Art von Herausforderung darzustellen, wenngleich ihr nicht mehr tut, als die richtigen Kommandos auszuwählen. Das erfordert mehr vorausschauende Planung und Glück als Geschick, die normalen Ziele solltet ihr aber so gut wie immer ohne Probleme erreichen. Somit bleibt's zugänglich, ohne enorm komplexe Ausmaße anzunehmen. Was euch mehr zusagt, wisst ihr selbst am besten.

Mars Horizon lässt euch nicht scheitern

Das Sonnensystem ist in Mars Horizon hübsch in Szene gesetzt. Je weiter die Zeit voranschreitet, desto mehr Planeten kommen in Reichweite und desto mehr Punkte schwirren von der Erde aus in deren Richtung, die die zahlreichen Missionen der Weltraumagenturen symbolisieren. Kleine Zwischensequenzen inszenieren Raketenstarts, Mondlandungen und dergleichen, wenngleich es hier nicht ganz so gut gelingt, das alles so pompös zu gestalten, wie es das verdient hätte. Es fehlt doch ein wenig dieses epische Gefühl, der Mix aus Grafik, Sounduntermalung und Inszenierung ist noch verbesserungswürdig, um die Tragweite dieser Meilensteine angemessener zu vermitteln.

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Bei dieser Missionsphase gilt es zum Beispiel, die Temperatur niedrig zu halten. (Mars Horizon Test)

Ihr müsst euch auf eurem Weg durch die Geschichte auch keine Gedanken darüber machen, dass ihr endgültig scheitert. Es kommen immer Geld und Forschungspunkte rein. Wenn es schlecht läuft, bedeutet das hier, dass alles einfach langsam vorankommt - aber es geht voran. Ebenso wenig gibt's Strafen, wenn ihr zum Beispiel als Dritter oder Vierter die Mondlandung schafft. Ihr bekommt dann einfach weniger Belohnungen als beim ersten Platz.

Der einzige Punkt, an dem ihr nicht "gewinnen" könnt, ist das Endgame mit der Marslandung. Wer immer dort zuerst aufsetzt, gewinnt das Spiel. Es ist sogar möglich, dass ihr dabei nicht federführend agiert, wenn euch zum Beispiel eine andere Nation als Partner für die Marsmission mit an Bord holt, sofern die diplomatischen Beziehungen gut sind. Das gibt euch ein wenig Flexibilität im Spielverlauf und ermöglicht euch, das Ziel auf verschiedene Art zu erreichen.

Mars Horizon Test - Fazit

Wenn euch der Weltraum ebenso fasziniert wie mich, dann lohnt es sich, einen Blick auf Mars Horizon zu werfen. Auch dann, wenn euch zum Beispiel Kerbal Space Program zu komplex ist. Das hier ist die zugänglichere Variante davon und taugt auf jeden Fall für ein paar entspannte Stunden, bis ihr euer ultimatives Ziel - die Landung auf dem Mars - als erster erreicht. Und wenn's im ersten Anlauf nicht klappt, dann bleibt ja noch ein zweiter oder dritter Durchgang, in denen ihr eure zuvor gelernten Lektionen anwendet, effektiver forscht, plant und Missionen ausübt. Es ist eine schön umgesetzte Reise durch die Geschichte der Weltraumforschung, die euch zusätzlich noch ein wenig Hintergrundwissen vermittelt und euch zugleich erahnen lässt, welch Aufwand hinter all dem steckt.

  • Entwickler / Publisher: Auroch Digital / The Irregular Corporation
  • Plattformen: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch
  • Release-Datum: Erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: 17,99 Euro

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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