Metal Gear Solid 2: 3 Dinge, die ich an einem Remake ändern würde

Hinsetzen, heute ist Wunschkonzert!

Ich weiß, wir trauen Konami kollektiv nichts mehr zu. Dennoch will ich nicht leugnen, dass mich die jüngsten Andeutungen auf dem offiziellen Twitter von Kojimas legendär-redseliger und gefährlich kreativer Schleichspielserie zum Grübeln gebracht haben. Legt Konami Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty zum 20. Jahrestag neu auf? Und wenn ja: als Remake oder nur als Remaster, wie schon 2012 in der HD Collection?

Im Grunde egal, ich konnte nur nicht aufhören, darüber nachzudenken, wie ein MGS2 aussehen müsste, damit es mir 2021 noch so gut gefällt wie damals. Denn das konnte ich schon von dem Rerelease vor neun Jahren schon nicht mehr behaupten. In Zeiten, in denen immer mehr Spiele große, aufwändige Remakes bekommen, wird man ja wohl noch träumen dürfen? Viel mehr als Träumerei wird das hier auch nicht sein, nachdem zwischen Kojima und Konami verbrannte Erde herrscht und für grundlegendere Überarbeitungen sein Input nötig wäre. Oder auch nicht? Twin Snakes war schließlich auch nicht schlecht!? ... ich schlag' es mir besser aus dem Kopf.

Hier trotzdem drei Vorschläge, wie man MGS 2 auf eine Weise in die Neuzeit holen könnte, die nicht nur die Fans bedient, sondern auch ein paar neue ins Boot holt (wohin die dann auch immer schippern mögen, nachdem die Reihe im Grunde keine Zukunft hat).

Lernt von MGS3: Subsistence, gebt uns eine Schulterperspektive!

Spielerisch hat die Top-Down-Ansicht Metal Gear Solid in den ersten Jahren gutgetan. Nicht nur trug man damit dem Erbe der MSX-Vorgänger Rechnung, es sorgte in einer Zeit technischer Limitationen auch für mehr von der für ein Schleichspiel dringend benötigten Übersicht. Das änderte nichts daran, dass man in MGS2 zum Schießen dennoch erstmals durch die Augen von Snake blickte und der ständige Wechsel zwischen beiden Blickwinkeln ist heute desorientierend und holt nicht gerade das Maximum in Sachen Immersion aus dem Szenario heraus. Die Subsistence-Version von MGS 3 hat da schon Eindrucksvolles geleistet, als sie die Kamera näher an Snake heranrückte, und den Weg für die Zukunft geebnet.

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Raiden von oben. Ich würde lieber sehen, was er sieht.

Nichts ist älter als Grafik von 2001? Dann wartet man, bis das hier gesteuert habt!

Zum letzten Punkt gehört auch eine grundlegende Überarbeitung der Steuerung. In der Hocke zu laufen ist unmöglich, im Liegen mutiert Snake zum Lastwagen und alleine das Zielen und Schießen über den Lauf von Snakes Waffe ist heute schon so unintuitiv wie es nur geht: R1 reißt die Pistole hoch, gezielt wird mit dem linken Stick statt dem rechten und geschossen mit Quadrat. Ich liebe immer noch die vergessenen analogen, druckempfindlichen Daumentasten des alten DualShock 2, bei denen man durch langsames Loslassen von Quadrat die Waffe sinken lassen konnte, ohne zu schießen. Aber heute ist sowas Standard, kein Feature und unsere Kontrollgepflogenheiten wurden nicht ohne Grund die letzten 15 Jahre hindurch immer uniformer. Hier und da liegt mal die Aktionstaste oder Springen woanders, aber richtig neu lernen will heute niemand mehr ein Spiel - egal wie schillernd es auch sein mag.

MGS 2 hatte viele viel zu wenig beachtete und nachgemachte "analoge" Möglichkeiten, sowohl was die Steuerung als auch die Reaktion der Welt und der Gegner auf Spielereien des Users anging. Das machte es, wie so viele von Kojimas Spielen, ein Stück weit einzigartig. Unvergessen, wie man beim diebischen Versuch, durch den Schlitz eines Spindes nach draußen zu schauen, auch rappelnd gegen die Türe stoßen konnte, wenn man nicht feinfühlig genug steuerte. Ich würde all das gerne noch einmal erleben, aber mit einer Steuerung, die nicht so steif und von gestern ist.

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'Überladen' trifft es ganz gut. Dafür waren auch die Möglichkeiten, die das Spiel dem User bot, ziemlich beachtlich.

Holt die Schere raus, ihr wisst, dass es sein muss!

Überladen und verklausuliert fühlt sich das heute alles an, was man im Grunde auch über die Geschichte sagen könnte. In meinem Remake würden die endlosen Codec-Konversationen aus dem Konzept fliegen, die Dialoge nahtlos ins Spiel eingebunden, um es nicht alle paar Meter zu bremsen. Gott weiß, wir sind in MGS schon genug zum Zuschauen verdammt. Überhaupt könnte man - und ich weiß, das ist Gotteslästerung - gerne auch in Sachen Erzählung die Schere ansetzen.

Es gibt einige spannende Themen in Metal Gear Solid 2, die durchaus interessant angerissen werden, aber das Wesentliche wird oft von Nebensächlichkeiten und Fahrigem aus der Bahn geschossen. In der Geschichte von Sons of Liberty wurde Arsenal Gear entwickelt, um die Menschheit durch Datenkontrolle vor den Gefahren des Informationszeitalters zu schützen. Wir sollten nicht absaufen, in der Flut von Trivialem und Nebensächlichkeiten, die den Blick für Wahrheiten verhängen. Kein Wunder, dass Kojima in den Patriots die Bösen sah.

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Und wer schreibt, Raiden gehört aus dem Spiel geschrieben, der ist doof.

In meiner perfekten Welt wäre ein MGS2 Remake eine aufs Wesentliche verdichtete Geschichte mit klarem Fokus. Nicht ohne Grund ist für viele Snake Eater der beste Teil der Reihe: Er hat die einzige Geschichte, deren wichtige Elemente man aus dem Kopf nacherzählen kann, ohne uneingeweihte Zuhörer nach drei Minuten zu verlieren.

Das wäre es von meiner Seite aus. Wie sähe euer optimales Remake von MGS2 aus und worum, glaubt ihr, handelt es sich bei den Teases des offiziellen Twitter-Kanals?

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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