Multiwinia • Seite 2

Angriff der Flachmänner

Was auch darin liegt, dass es eben nur eine Einheit gibt: die Multiwinians. Diese kann man, wie gesagt, mit einem Klick in einen richtungsweisenden Offizier umwandeln. Oder, mit einem weiteren Klick, in eine kleine Formation ausbauen, die dann im Gleichschritt auf den Gegner zu marschiert. Aber das ist dann auch schon alles an Vielfalt. Das übliche Stein, Papier, Schere Einheiten-Balancing gibt es gar nicht. Jedes der Männchen ist genauso stark wie jedes andere, das sich sonst auf den Karten befindet. Multiwinia ist, wie gesagt, einfach, aber nicht langweilig.

Denn es gibt da noch die Kisten.

Und hier wird es interessant. Denn die Kisten verwandeln das simple Strategiespiel in etwas anderes.

Kisten fallen mehr oder weniger zufällig und wahllos (kann in den Voreinstellungen natürlich festgelegt werden) vom Himmel und müssen mit Einheiten aufgesammelt werden. Und sie sind wahre Wundertüten, quasi die Ereigniskarten von Multiwinia. Man weiß nie, was drin ist. Ist es ein Geschützturm, den ich gnadenlos mitten zwischen gegnerische Truppen platziere? Oder doch ein plötzliches Massenspawnen von Einheiten, das innerhalb von Sekunden die Anzahl der Strichmännchen vervielfacht?

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Grün ist die Farbe der Hoffnung. Auch bei Strichmännchen.

Diese Events, zusammen mit dem immer vorhandenen Countdown, sind der wahre Kern des Spiels. So können auch einseitige Matches durch ein paar glückliche oder auch unglückliche Specials noch auf der Zielgeraden spannend werden. Ein Gefühl der Sicherheit stellt sich (zumindest bei mir) kaum ein. Luft anhalten während die letzten Sekunden runterticken und man knapp in Führung ist, um dann nach einem zehnminütigen Match verschwitzt die Maus aus der Hand zu geben. So sieht bei Multiwinia fast jedes Onlineduell aus.

Natürlich hat diese Mechanik auch ihre offensichtliche Schattenseite. Bei allen Speed-Ups, Slow Downs, Geschütztürmen, Flammenwerfern und atomaren Luftangriffen (ausgeführt von Space Invader-Sprites) wird es dann manchmal doch unübersichtlich und manchmal eben auch etwas unfair. Mit ein bisschen Pech verliert man trotz guter Taktik, da der Gegner einfach die besseren Specials bekommen hat. Das kann mitunter frustrierend sein, aber zum Glück sind die einzelnen Partien ja meistens nach ein paar Minuten vorbei und es kann zur verdienten Revanche kommen.

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Vektorkalypse Now: 'Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen!'

Multiwinia ist anders. Es ist was Neues.

Durch die gelungen Reduktion des Echtzeitstrategie-Genres auf das Wesentliche und die Integration von Elementen zeitgemäßer First-Person-Shooter, hat Introversion so etwas wie ein eigenes Subgenre geschaffen: das Arcade-Strategiespiel. Zugänglich, schnell, bunt, ein bisschen Krank und trotzdem taktisch anspruchsvoll.

Natürlich muss man es als das nehmen, was es ist und was es sein will: ein kleines, hauptsächlich auf Multiplayer ausgelegtes Strategiespiel, das seinen Reiz im Retro-Look, in der Einfachheit und in kurzen hektischen Matches sucht. Für alle, die an der Evolution des Genres interessiert sind, ein Muss. Für alle, die sich gerne Online-Schlachten liefern, eine warm ans Herz gelegte Empfehlung, sich mal jenseits des Mainstreams inspirieren zu lassen.

8 /10

Multiwinia ist auf www.introversion.co.uk oder via Steam für den PC erhältlich. Ein Xbox Live Arcade Auftritt und eine Mac-Version folgen in Kürze.

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Thomas Sieben

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