3 Nintendo Switch Spiele für glückliche Perverslinge

Oder: Warum trommle ich mit HD-Rumble auf Hintern herum?

Nintendo. Das war mal das familienfreundliche Unternehmen, das niemals etwas wie Night Trap erlauben würde. Deren Mortal-Kombat-Version man nur aus der Not heraus spielte, weil das Blut vor dem Release verschwinden musste. Die bis heute keinen großen Shooter oder Horror-Titel selbst produziert haben. Bei dem in Splatoon mit Farbe geballert wird und bei dem Luigis Mansion die Spitze des Horrors ist. Dass sie andere Spiele von anderen Anbietern auf ihren Plattformen zulassen, ist ja nichts Neues, aber was mir zuletzt im Switch-Store über den Weg lief, das war dann doch noch mal eine neue Dimension.

Nicht ganz neu, denn über ein früheres Beispiel dessen habe ich bereits vor über einem Jahrzehnt mal auf dem DS geschrieben. Hier aber drei Dinge, die auf unterschiedlichen Wegen auf meine Switch fanden: Drei Spiele für Perverse... Oder wie soll ich es sonst nennen, wenn man auf sehr jugendlichen Anime-Mädchen herumrubbelt, um ihre Unterwäsche zu entfernen?

Moero Crystal H - Der BH der Finsternis

Im Falle von Moero Crystal H war es die Story in der Pressemeldung, wegen der ich dieses Spiel sehen musste, um es zu glauben: Ihr spielt den "Glücklichen Perversling", der mit Hilfe des "Unterhöschens des Lichts" den "BH der Finsternis" wiederfinden muss. Denn nur zusammen halten diese beiden, nennen wir es mal Items, das Universum im Gleichgewicht. Sicher doch...

Nehmen wir uns erst einmal die grundlegenden Spielmechaniken vor. Die sehr anständig sind. Ihr habt einen sehr altmodischen, schrittweise ablaufenden Dungeon-Crawler mit rundenbasierten Kämpfen. Wohlvertrautes Konzept und hier erstaunlich solide umgesetzt. Selbst der Schwierigkeitsgrad ist schon auf normal durchaus fordernd, wenn man sich zu schnell zu weit vorwagt und in den Kämpfen die Möglichkeiten ignoriert, die man hat. Das wären eine Reihe von Spezial-Attacken, Magie, Kombo-Moves mit mehreren Charakteren. Alles ist wohlbekannt, funktioniert wie gehabt und wäre ohne die spezielle Ausrichtung des Spiels niemanden weiter aufgefallen. Was wohl auch der Grund für den nächsten Absatz sein dürfte.

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Dungeon-Crawling wie in den 80ern. Ich dachte schon immer, dass das eine solide Basis für Zeichentrick-Softporn sei.

Wo fängt man nur an? Die "erotische" Prämisse habt ihr gehört. Dazu kommt dann erst mal eine lüsterne Robbe - ja, das Meerestier -, die ein wohlbekannter Unterwäsche-Dieb ist und für die die beiden speziellen Teile natürlich unwiderstehlich sind. Das humoristische Konzept alternder Diebe, die weibliche Unterwäsche klauen, ist ein weit verbreitetes Mittel japanischen Humors. Nehme ich an, ist wahrscheinlich nicht so. Ich kenn' nur den Klassiker Ranma als Beispiel, aber ich nehme an, dass es mehr gibt, denn schließlich reden wir über das Land, das angeblich benutzte Mädchenunterwäsche aus Automaten verkauft - wobei hier eine Lösung aus Fischöl wohl eine wichtige Rolle bei der Befriedigung der Nachfrage und des Käufers spielt.

Euer Hauptcharakter, der glückliche Perversling - "Lucky Pervert" - spielt in den Kämpfen vor allem eine Support-Rolle, indem er sich an den rein weiblichen Kämpfern eures Teams erregt und dann seine Aufregung auf sie entlädt. Was das genau bedeutet lässt das Spiel glücklicherweise visuell ungeklärt, ich gebe nur die Terminologie des Spiels wieder. Das reine Frauenteam - welches Alter auch immer genau die sehr jugendhaft gezeichneten weiblichen Wesen mit animalischen Zügen wie Katzentatzen und anderen haben mögen - dagegen ist für die üblichen Attacken zuständig. Ihr ergänzt dieses Team, indem ihr neue Monster-Mädels freirubbelt. Wortwörtlich.

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Was ist ein Onsen und will ich es wirklich wissen?

Trefft ihr auf eine mögliche Kandidatin, dann müsst ihr erst einmal die Unterwäsche wegkloppen. Rundenbasiert auf Korsetts und Höschen eindreschen, da sag mal einer, dass man im Bereich Gaming nichts Neues mehr erleben kann. Ist das erledigt, steht die Dame fast nackt auf einem Screen vor euch - man sieht nicht wirklich was, das Spiel ist ab 16 freigegeben - und ihr müsst drei Punkte der Macht oder so auf dem Touchscreen freirubbeln. Diese liegen nicht immer, aber häufiger als dass sie es nicht tun im Bereich weiblicher erogener Zonen. Ist das erledigt, habt ihr eine neue Kämpferin auf Abruf. Das Team wird so erweitert und in den ewigen Kreislauf aus Erregung und Entladung mit aufgenommen. Die Glückliche...

In seinem Herzen ist Moero Crystal H ein völlig valider Dungeon Crawler alter Schule. Rundenkämpfe mit einer gewissen Spieltiefe, viele Gegner und durchdachte Mechaniken. Technisch läuft hier nichts falsch, das kann man gut spielen. Aber der eigentliche Anreiz... da muss man schon wollen.

Moero Crystal H im Switch-Shop

Waifu Uncovered - Keine Heiratsabsicht

Vom Rollenspiel zum Shoot'em'Up, man muss als virtueller Anime-Lustmolch nicht auf ein Genre fixiert sein. Und man kann sogar noch was lernen: Was bitte ist Waifu? Nahm ich zunächst an, dass es einfach der Name des Spiels sei, stieß ich beim Googlen dann auf die tiefgründigen Hintergründe (danke, Urban Dictionary). "Waifu" ist ein aus der Anime-Szene stammendes Kunstwort. Eine Waifu wäre ein, soweit ich es verstanden habe, ausdrücklich weiblicher Anime-Charakter, den ihr heiraten würdet, wenn sie denn nur real wäre. Ein weiteres Abtauchen in das Google-Rabbit-Hole dahinter offenbarte mal wieder extremere Auswüchse der Fan-Hingabe zu Zeichnungen. Meh, in den 80ern wollten wir was mit Jessica Rabbit zu tun haben. Ist auch nicht anders nehme ich an.

Also, Waifu Uncovered ist keine psychologische Analyse der Figuren hier, sondern ein wortwörtliches "Uncovering". Spielerisch bekommt ihr ein drittklassiges Asset-Swap-Shmup, bei dem ihr im Grunde meist am unteren Rand des Screens herummanövriert, um jede Menge Feinde über euch zu eliminieren. Stellt euch einen Bullet-Hell-Shooter vor, nur ohne die fein durchdachte Planung der Schuss- und Feind-Anordnungen und ohne die Gimmicks, die die großen des Genres zu dem machten, was sie sind. Es ist nicht Tiger-Game, was hier passiert, aber auch nicht so viel darüber.

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Anime-Porn-Bildchen in Kombination mit Shooter. Hat das Potenzial? Wenn ja, dann bleibt es hier unergründet.

Der "Reiz" kommt daher, dass mit jeder geschafften Gegner-Welle mehr Kleidungsteile der Möchtegern-Waifu im Hintergrund verschwinden - ich kann nicht sagen, dass ich hier große Heirats-Wünsche entwickeln konnte, daher weiß ich nicht, ob der Begriff zutrifft. So oder so, nach und nach gibt es ein wenig nackte Haut zu sehen, natürlich im Rahmen der 16er-Freigabe, die weit weniger großzügig ausfällt als im Filmbereich. Im Anschluss könnt ihr diese Bildchen auch noch ohne das Spiel bewundern, für verzweifelten Gebrauch, wenn das Internet und damit all der Porn der Welt mal weg sein sollten. War Moero Crystal H noch ein gutes Spiel mit seltsamer Prämisse ist Waifu Uncovered spielerischer Grenz-Müll, der nur existiert, um ein paar Softcore-Anime-Bildchen an den Mann zu bringen. Und selbst bei dieser Zielgruppe muss schon etwas mehr Verzweiflung als sonst herrschen, um genug Erregung für die fünf Euro zu finden, die dieses Werk von euch möchte.

Waifu Uncovered im Switch-Shop

Senran Kagura Peach Ball - Pinball ist auch ein Fetisch.

Noch ein Genre-Wechsel, man kann nicht sagen, dass Fans von Anime-Strips sich festlegen müssten. Diesmal ist es ein Flipper und wie auch bei Moero Crystal H muss ich sagen, dass das Spiel an sich ausgesprochen gut ist. Sicher, die Physik des Kugellaufs ist nicht ganz optimal, aber gut genug. Die Tische sind interessant aufgebaut, es gibt viele Bonus-Bereiche und komplexe Punkt-Multiplikatoren. Wäre das ein ganz normaler Pinball-Simulator, ich wäre durchaus angetan. Senran Kagura Peach Ball ist aber mehr als das. Nun, mehr... auf jeden Fall hat es seine eigene Vorstellung, wie man die pubertierende männliche Zielgruppe locken will.

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Hey, ist nur ein Flipper, den ich hier spiele. Nichts zu sehen, weitergehen bitte...

Senran Kagura ist dabei eine komplette Serie, die fröhlich durch alle möglichen Genres turnt, von 2D-Sidescroller-Prügel-Action bis hin zu einem Wasserpistolen-3D-Shooter ist alles dabei. Das gemeinsame Motiv? Durch die Bank leichtbekleidete weibliche Ninja, die die Welt retten. Worum es wirklich geht, macht ein unschuldiger Satz über eines der Spiele aus dem Wikipedia-Eintrag der Serie klar: "Die Fortsetzung zeigt sich verbessert, indem die Brust-Physik und die Zerstörung der Kleidung verbessert wurden." Das ist ziemlich genau die Beschreibung von Dead or Alive 2 damals und das war auch ein gutes Spiel, also warum nicht.

Peach Ball nun ist also ein Flipper. Wenn es euch überfordern sollte, dass eine der Bonus-Runden zum Beispiel darin besteht, mit HD-Rumble und den Paddles auf dem Hintern einer der Heldinnen herumzutrommeln, bis die Unterhose wegfliegt, dann... Habe ich das wirklich gerade geschrieben? Was soll ich machen, dass ist das, was gerade im Spiel passiert ist. Wo war ich stehengeblieben? Richtig Flipper und halbnackte Ninjas! Es gibt sogar eine Story, die noch dementer daherkommt als der Büstenhalter des Lichts: Fünf der Ninjas unterschiedlich sortierter Körbchengröße haben einen mystischen Nebel eingeatmet und nun halten sie sich für verschiedene Tiere. Was im Grunde auf einen weiteren eigenen Fetisch hinausläuft, aber bleiben wir beim Pinball, denn nur der legendäre Peach Ball kann sie von dem Fluch erlösen. Das und jede Menge dezent anzügliche Mini-Games mit in Abstufungen verschwindender Unterwäsche.

Erneut, jenseits von all der sicher unterschiedlich empfundenen Soft-Erotik - Anime ist echt nicht so mein Ding, aber jedem seins... - ist Peach Ball ein richtig guter, abwechslungsreicher Flipper mit vielen verrückten Ideen. Hier saß jemand, der nicht nur Waifu-Gedanken hatte, sondern auch ein gutes Spiel abliefern wollte, denn schließlich fühlte man sich einer Saga von wohl fast zehn Jahren Minimal-Erotik in Kombination mit solidem Gameplay verpflichtet.

Senran Kagura Peach Ball im Nintendo-Shop.

Also, das waren drei der seltsameren Spiele, über die ich die letzten Jahre gestolpert bin. Es gibt diese übrigens nicht nur auf der Switch, Peach Ball gibt es auch für den PC, Moero Crystal H erschien ursprünglich auf der Vita. Aber es ist für jemanden, der sich noch an Nintendos Abneigung gegen alles Anzügliche von damals erinnert, immer ein lustiges Highlight solch verschrobene Soft-Erotik auf einer Big-N-Plattform zu sehen. Zumal hier zwei wirklich gute Spiele dahinterstehen. Sicher, Waifu Uncovered ist die Resteverwertung aus der Welt der echten Spiele, die ich erwartet habe, aber sowohl Moero Crystal H wie auch vor allem Peach Ball machen als Games einfach Spaß. Hm, wer hätte es gedacht. Da hat sich seit Samantha Fox Strip Poker wohl doch was getan.

Ich möchte hier mit einem Filmtitel schließen. Ich weiß nicht, um was es in dem Film geht. Ich weiß nur, dass er kein Porno der 70er ist, sondern ein richtiger Film, immerhin spielt James Coburn die Hauptrolle (Er hatte keine Porno-Karriere, von der ich nichts weiß, oder?). Ich stolperte eben zufällig darüber, so wie ich zufällig über Moero Crystal H stolperte. Vielleicht schaue ich ihn mir heute Abend an. So wie dem BH Der Finsternis, wie könnte man diesem Titel widerstehen: "Derek Flint - hart wie Feuerstein".

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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