Okami

Umsetzung mit Steuerungsmacken

"Dieser andere Charakter von Sawaki wird im kommenden Jahr von den Heavenly-Sword-Machern neu aufgelegt. Vorsicht: Nur die Abkürzung führt zum Erfolg!"

Es ist etwas mehr als ein halbes Jahr her, da kommentierte ich Eure Platzierung von Okami in der Top 50 der besten Spiele des Jahres 2007 mit folgenden Worten: "Ich weiß momentan nicht, wem ich mehr danken soll. Capcom, weil sie im Oktober endlich das offiziell verkündeten, was ich mir seit dem 5. Februar sehnlichst herbei wünschte - nämlich die Umsetzung von Okami auf Nintendos Konsole. Da gehört dieses Kunstwerk meiner Meinung nach auch hin. Oder Euch, weil Ihr den Titel in die Top 10 gewählt habt. "

Okami trumpfte gemäß Eurer Punkteverteilung gegen all die Assassin's Creeds, Final Fantasys und Halos auf, zog mit imposanten Schritten an Pro Evolution Soccer 2008 und Uncharted: Drakes Schicksal vorbei und ließ selbst das überall erwartete Crysis hinter sich. Zu recht, wie ich hier anmerken möchte. Denn Okami war ein traumhaftes Erlebnis, ein in japanische Malereien gekleideter Opus. Oder wie es mein geschätzter Kollege Alex so treffend in Worte hüllte. "Ein leichtfüßiges Abenteuer: Witzig, makellos schön und doch voller Wehmut."

Auf der Wii hingegen, der Konsole, von der ich dachte, dass sie absolut prädestiniert dafür wäre, all das noch besser einzufangen, was Okami schon auf der PlayStation 2 vermochte, verhält sich die Sachlage ein kleines Bisschen anders. Okami ist in seiner Gestaltung und Geschichtenerzählung nach wie vor unglaublich bezaubernd, wird durch die Umsetzung aber nicht wie erhofft grandioser oder bewegt sich weiterhin in seinem beeindruckenden Rahmen. Nein, es verliert etwas von seiner makellosen Schönheit, büßt gar ein Stück seiner einzigartigen Atmosphäre ein.

Und der Hauptschuldige ist bei der Gesten-Steuerung zu suchen. Man muss dazu sagen, dass sich Ready at Dawn (verantwortlich für God of War: Chains of Olympus) sichtlich bemühte, das Celestial Brush-Feature in gefühltes Malen zu verwandeln. Ihr drückt B, die Szenerie taucht in schwarz-weiße Farben, mittels A zückt Ihr den Pinsel, beschreibt einen Kreis, lasst so die Sonne am Himmel aufgehen beziehungsweise kreiert eine Bombe vor einer Wand. Funktioniert wunderbar und wesentlich angenehmer als mit dem Gamepad. Auch ein schnelles Hin- und Herwischen bereitet keinerlei Probleme und im Nu erscheint eine Brücke über einem Abgrund oder einem See und ebnet Eurem Wolf Amaterasu das Vorankommen.

Bei allen anderen Tätigkeiten, die Ihr mit Mote und Nunchuk vollführt, sei es mitunter waagerechte und vertikale Linien für Schwerthiebe, oder einfache Kleckse, um Sternenbilder zu vervollständigen, stellt sich Euch allerdings eine überzogene Präzision in den Weg. Ein simpler Kraftstrich kann so zu Beginn locker fünf bis dreißig Versuche in Anspruch nehmen, bis Ihr millimetergenau die Markierung getroffen habt, die das Spiel von Euch einfordert. Erst dann zerteilen sich Felsbrocken und Baumstämme, verschwinden grau gefärbte Dämonen im Jenseits. Noch frustrierender macht sich das Übel bemerkbar, müsst Ihr besagte Technik unter Zeitdruck oder in einer Sequenz mehrmals hintereinander an den Tag legen. Einmal zu viel gezittert, mit dem Pinsel an die falsche Stelle gerutscht und der gesamte Ablauf, oftmals gekoppelt mit ausufernden Dialogen, die sich lediglich in den Sequenzen überspringen lassen, giert nach Wiederholung. Ein Tipp: Haltet den Z-Button beim Striche zeichnen gedrückt, damit geht es besser von der Hand.

Sofern Ihr genügend Ausdauer und Willen mitbringt, erlebt Ihr aber auch so nach ein bis zwei Stunden einen Wandel: Ihr lernt, Euch mit der gewöhnungsbedürftigen Steuerung zu arrangieren. Sie ist zwar selbst im späteren Verlauf Meilen davon entfernt, perfekt zu sein, kann ärgerliche Passagen nicht verschleiern. Aber Ihr werdet verstehen, was man von Euch erwartet, reagiert dementsprechend. Und selbst das Debakel mit Amaterasus regulären Angriffen fällt nicht mehr ganz so tragend ins Gewicht.

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Mit jedem Pinselstrich verbraucht sich Eure Tinte. Also geht vorsichtig damit um.

Statt wie im Original die Attacken per Knopfdrücken einzuleiten, beschreitet Okami auf der Wii nämlich den Pfad des Schüttelns. Was leider ebensolche Präzision abverlangt wie die zuvor angesprochene Linien-Malerei. Schwingt Ihr die Mote nicht im richtigen Maße und achtet dabei auf das Timing, verharrt der Wolf auf der Stelle und blickt Orochis böse Schergen nur dumpf entgegen. Etwaigen Hieben seitens des Feindes auszuweichen, solltet Ihr erst gar nicht in Betracht ziehen. Wie gezielt Ihr auch den Nunchuk nach vorne, hinten, die Seite bewegt, um Amaterasu mit einer Rolle in diese Richtung zu manövrieren, das Resultat bleibt vornehmlich zufallsgeprägt.

Abseits der mehr oder minder erschwerten Steuerung dürft Ihr Euch aber auch über ein paar positive Änderungen freuen. Die Ladezeiten wurden einer Verkürzung unterzogen, die Farben sind kräftiger, die Linien klarer. Zudem erstrahlt Okami nun in 480p-Unterstützung sowie einem 16:9-Modus auf Eurem Fernseher. Im Gegenzug musste jedoch der Filter weichen, der bei der niedrigeren Auflösung der PS2 alles in ein verwaschenes, verspieltes Ambiente hüllte. An den gelegentlichen Framerateeinbrüchen, die sich bereits im Original zeigten, schraubte man hingegen nicht.

Anmerkung am Rande: Für all diejenigen, die Okami seinerzeit verschmähten und die ein Auge auf Story und Verlauf werfen möchten, sei unser Test der PlayStation 2-Version wärmstens ans Herz gelegt. Beide Versionen sind - bis auf einen kleinen Einschnitt in der Endsequenz des Spiels - inhaltsgleich.

So sehr es mich schmerzt, das sagen zu müssen, aber Ready at Dawn wurde dem Anspruch, den die Clover Studios vor 18 Monaten auf der PlayStation 2 legten, mit der Wii-Umsetzung nicht 100 prozentig gerecht. Ja, Okami ist immer noch wunderschön, betörend, einzigartig in seiner Inszenierung. Die Geschichte um Tod und Leben ohne Zweifel einer der schönsten, die je erzählt wurde. Aber es krankt auf Nintendos Konsole an der Steuerung, die in einigen Bereichen ein zu präzises Handling voraussetzt. Mit einer ordentlichen Eingewöhnungszeit ist dem zwar größtenteils beizukommen, der angerichtete Schaden, sprich die angekratzte Atmosphäre durch den Frust, lässt sich jedoch nicht mehr rückgängig machen.

8 /10

Okami ist für die Wii bereits im Handel erhältlich.

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Tanja Menne

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