God of War 2

Monumentalspiel.

Wer die letzten paar Jahre nicht gerade in einer dunklen Höhle verbrachte, wird mitbekommen haben, dass sich das Bild vom Videospiele-Helden "etwas" verändert hat. Kein Wunder: Genau wie die meisten seiner Nutzer wird das Medium langsam erwachsen - oder versucht es zumindest. Da ist es nur logisch, dass die Entwickler der reifenden Zielgruppe eine ungleich düstere Thematik zutrauen.

Statt unverbesserlichen Welterrettern bekommen junge Erwachsene heutzutage immer öfter ausgemachte Soziopathen als Spielkameraden an die Hand. Leute, die ernsthafte persönliche Probleme haben, kriminell oder gar einfach bösartig sind.

Anti-Heldenzeit

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"Ok, der ist erledigt. Nächster, bitte."

Ein gutes, glaubwürdiges und im eigentlichen Wortsinne ERWACHSENES Spiel kommt dabei allerdings nur heraus, wenn die Teufeleien des Hauptcharakters nicht zum reinen Selbstzweck verkommen. Dass man dies begriffen hat, bewiesen Sony Santa Monica im Sommer 2005 mit ihrem in jeder Hinsicht fulminanten Action-Adventure God of War.

Offiziell kennt man den Spartaner Kratos hierzulande allerdings erst seit diesem Frühjahr, da die USK dem Titel die Einstufung zunächst verwehrte. Zu rabiat und kompromisslos wütete der eisenharte Hauptdarsteller den Jugendschutzbeauftragten durch die griechische Antike. Als die BPjM wider aller Befürchtungen keine Anstalten machte, den Titel zu indizieren, vergab die USK doch noch das Prüfsiegel "keine Jugendfreigabe".

Monumentalspiel

Trotz zügelloser Kampfhandlungen verbirgt sich hinter Gods of War aber alles andere als ein effekthaschendes Splatterfest. Um ein brillant-simples, aber forderndes Kampfsystem inszenierten die Kalifornier eine monumentale griechische Tragödie. Neben der technischen Perfektion fällt dabei vor allem auf, dass das Szenario zwar frei, dafür aber mit erstaunlicher Stilsicherheit und Konsequenz genutzt wurde - in Zeiten, in denen viele Entwickler ohne Rücksicht auf Verluste wild um sich zitieren, eine echte Seltenheit.

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Pfusch! Da spritzt tonnenweise Blut, aber der Gegner hat keinen Kratzer.

Eben diese Tugenden sollen nun auch den zweiten Teil zum Straßenfeger geraten lassen und ich bin durchaus zuversichtlich, dass dieses Unterfangen gelingt. Denn schon der Ansatz von God of War 2 unterstreicht, dass man nicht vorhat großartig am Konzept des Erstlings zu rütteln. So siedelt Entwickler Sony Santa Monica die Handlung direkt nach dem furiosen Finale des Debüts an. Nach seinem Sieg über Ares wird Kratos als neuer Kriegsgott in den Olymp aufgenommen, fällt dort aber schon sehr bald bei den intriganten Göttern in Ungnade.

Über den Rest der Geschichte ist noch nicht allzu viel bekannt. Sicher ist allerdings schon, dass Kratos’ zweites Abenteuer ihn ans Ende der Welt führt. Dort haben sich der Sage zufolge die "Sisters of Fate" häuslich eingerichtet - und nur diese können das Schicksal des bleichen Schlächters zum guten Wenden.

Reise wert?

Kratos kann natürlich nicht aus seiner Haut und prügelt - auf seinem Weg durch imposante Kulissen - stattdessen ganze Heere monströser Gegner aus der ihrigen. Dies soll aufgrund des Feintunings am Kampfsystem sogar noch etwas besser funktionieren als im ersten Teil. Der Exil-Spartaner bleibt nun auch während der Verwendung magischer Attacken mobil und integriert diese so noch fließender in das blutige Handgemenge. Darüber hinaus darf Kratos nun je nach Zauberstufe bis zu drei Magieattacken gezielt per Quadrat-, Dreieck- oder Kreistaste auslösen.

Für abwechslungsreicheres Knochenknacken hat unser Berserker indes einen weiteren Griff hinzugelernt. Wollt Ihr die Feindgestalten dieser Behandlung unterziehen, müsst Ihr Euch allerdings sehr geschickt anstellen. Denn auch Eure Widersacher haben hinzugelernt und kooperieren neuerdings untereinander. Etwa, indem ein schmächtiger Goblin einen riesigen Zyklopen erklimmt und den so mit einer Extraportion Hirn ausgestatteten Muskelberg gegen Euch in die Schlacht steuert.

"Sind wir bald da?"

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Probleme mit der Kontaktlinse? Der moderne Optiker legt auch schon mal selbst Hand an.

Neben sabbernden Monstern in allen Formen und Farben, macht Euch natürlich der Weg selbst ordentlich zu schaffen. Gut, dass Kratos in Sachen Athletik nun deutlich beschlagener ist, als noch letztes Jahr. Bodenlose Schluchten stellen durch die verbesserten "Blades of Chaos" kein unüberwindbares Hindernis mehr dar. Mittels seiner Kettenschwerter schwingt sich Kratos behände von einem Ankerpunkt zum nächsten. Kleinere, aber nicht weniger gähnende Abgründe, überwindet Ihr sanft mittels der Schwingen des Ikarus.

Götterdämmerung

Wenn man dem ersten God of War überhaupt irgendetwas zur Last legen konnte, dann die geringe Anzahl an Endgegnern. In diesem Tadel hält sich allerdings auch ein Kompliment versteckt. Dieses fast schon lachhaft befriedigende Allmachtsgefühl kurz nachdem man einen der Bildschirm füllenden Platzhirsche in einem wunderbar choreographierten Ballett des Todes zu Gyros verarbeitet hatte, ist auch heute noch nur schwer in Worte zu fassen. Man wollte einfach mehr davon. Die Chancen, dass es mit dem "Mehr" dieses Mal klappt, stehen jedenfalls gut - auch wenn Corey Barlog, der Director von God of War 2, immer wieder betont, dass man nicht gedenkt, etwas nur um seiner selbst Willen zu integrieren.

Bereits für die olympische Chefetage bestätigt sind jedenfalls Euryale, ihres Zeichens Medusas hässliche Schwester (Genau!) und Ikarus, dessen Beteiligung ja bereits seit zwei Absätzen kein Geheimnis mehr ist. Auch einigen Helden aus der griechischen Mythologie begegnet Kratos. Für ein mögliches Duell zwischen Achilles und dem Spartaner würde ich sogar Eintritt bezahlen - dankend.

Ich fange besser schon mal an zu sparen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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