Petition gegen Spieleverbot: Wie geht's weiter? • Seite 2

Peter Schleußer im Interview

Eurogamer: Welche Spiele magst du besonders, oder um es mit den Worten eines Politikers zu formulieren: Mit welchen Killerspielen trainierst du für deinen Amoklauf?

Peter Schleußer: Mit dem Geheimtipp für schlecht informierte Politiker, mit einem ganz bösen Spiel, das kostenlos im Internet verteilt wird, ohne das eine Altersfreigabe geprüft wird, zugänglich auf einer hochoffiziellen Seite eines Landes, dem Deutschland in seiner Geschichte sehr viel zu verdanken hat. Ich spiele America's Army, das offizielle Spiel der US-Armee. Wenn die Innenminister wirklich so naiv sind und meinen, man könnte durch so ein Spiel ein guter Schütze, gar ein echter Soldat werden, dann machen wir doch so ein Spiel für die Bundeswehr, schaffen den Wehrdienst ab und lassen stattdessen die jungen Männer zocken?

Zynismus beiseite, ich spiele gerne Rollenspiele wie Gothic, Arx Fatalis, Vampire, Drakensang. Ich bin ein großer Freund von Guild Wars, spiele einen Nekromanten und mache aus den Leichen meiner getöteten Feinde Fleischgolems, eine Armee der Finsternis, die noch mehr Feinde tötet, und so ständig wächst. Die über eine Millionen Guild-Wars- und World-of-WarCraft-Spieler werden jetzt lachen, uninformierten Politikern stehen die Haare zu Berge. Und das Lachen der Guild-Wars- und WoW-Spieler wird verstummen, wenn ihnen klar wird, dass nach der Definition der Innenminister auch diese Spiele von der Verbotsforderung betroffen sind.

Eurogamer: Computerspieler würden dich wegen deines Einsatzes vermutlich gern heiraten. Oder wenigstens küssen. Aber gab's auch negative Rückmeldungen?

Peter Schleußer: Wenn es weibliche Spieler sind, dürfen die mich gerne küssen, ich wäre noch zu haben. Aber um zu deiner Frage zu kommen, es gibt die Möglichkeit, im Forum der Petition mitzureden und Kommentare abzugeben. Aktuell sind es rund 3.600. Nur wenige versuchen, die Ansicht der Innenminister ernsthaft zu verteidigen. Die negativen Rückmeldungen sind verschwindend gering.

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So sieht sie aus, die Petitions-Seite des Deutschen Bundestags.

Eurogamer: Am 19. August endet die Zeichnungsfrist, und weil genug Leute unterschrieben haben, war sie erfolgreich. Wie geht's nun weiter?

Peter Schleußer: Dann warte ich auf die Einladung, um vor dem Petitionsausschuss reden zu dürfen. Wie mich ein befreundeter Journalist informiert hat, findet die Anhörung wohl nicht mehr in diesem Jahr statt. Mir bleibt also noch genug Zeit, meine Rede sehr gut vorzubereiten, wofür ich extra Urlaub nehme und von einem alten Freund ein Rhetorik-Training bekomme.

Wie es dann nach der Anhörung weiter geht, wird sich zeigen. Ich habe mir schon ein gutes Helfer-Team organisiert, das Grundkonzept der Rede nimmt Formen an. Es ist aber nicht einfach, uninformierten verstaubten Politikern in nur zehn Minuten zu erklären, warum die Medienkompetenz unserer Jugend die ihre übersteigt, die Jugend in Deutschland ohnehin geschützt wird, stärker als in allen anderen Ländern, und mündige Bürger ein Recht auf Unterhaltung für Erwachsene haben. Dabei darf man keine Anglizismen, kein Computerchinesisch und schon gar keinen Spieler-Slang verwenden.

Eurogamer: Wer in der Schule gerne Referate gehalten hat oder hält, war und ist irgendwie nicht ganz koscher. Du stehst nächstes Jahr sogar vor dem Bundestag. Hast du gute Baldriantropfen für deinen Auftritt?

Peter Schleußer: Ich habe in der Schule die Rede während der Abschlussfeier gehalten und war vorher wahnsinnig nervös. Nach den ersten Worten hat sich bei mir im Kopf ein Schalter umgelegt. Ich war total ruhig und habe eine gute Rede gehalten. Nervös war ich erst wieder, als mir alle zur Rede gratulierten. Ich hoffe, bei der Anhörung wird es auch so sein.

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Harald Fränkel

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Freier Redakteur

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