Pikmin Bloom möchte euer neuer, täglicher Begleiter werden - kann das gelingen?

Niantics Pikmin Bloom verschafft euch kleine Begleiter bei eurem täglichen Spaziergang. Macht das Spaß?

Pikmin ist zurück! Während alle Fans nach wie vor auf Pikmin 4 warten und in jüngster Vergangenheit mit Pikmin 3 Deluxe auf der Nintendo Switch abgespeist wurden, könnt ihr eure kleinen Pikmin-Kreaturen bald überall hin mitnehmen. Okay, könnt ihr auch mit der Switch, aber Nintendos Konsole ist ja kein Smartphone! Dort soll Pikmin Bloom, wie es jetzt offiziell heißt, zu eurem tagtäglichen Begleiter werden, ohne sich dabei allzu sehr aufzudrängen.

Der Soft-Launch der neuen Android- und iOS-App erfolgt zuerst in Australien und Singapur, demnächst in weiteren Ländern und Regionen. Dank Niantic, dessen Tokio-Studio den Titel in Zusammenarbeit mit Nintendo und Nintendo-Legende Shigeru Miyamoto hat, konnte ich aber schon einmal ein wenig in Pikmin Bloom hineinschnuppern - und zugleich während einer Online-Präsentation weitere Details in Erfahrung bringen.

Ab nach draußen mit euch

Dabei betont Niantics CEO John Hanke, dass auch Pikmin Bloom dem Mantra des Unternehmens folgen und euch nach draußen locken soll. Es ist dazu gedacht, euren täglichen Spaziergang unterhaltsamer zu gestalten - oder euch überhaupt erst dazu anzuspornen, jeden Tag nach draußen zu gehen. Es ist das erste Spiel von Niantics Tokio-Studio, nachdem das Team eine lange Zeit mit verschiedenen Gameplay-Prototypen experimentierte. Hanke zufolge ist es die perfekte Art, in einem einzelnen Spiel auszudrücken, wofür Nintendo und Niantic jeweils stehen. Und dabei stand dem Team auch Nintendos Designer-Legende Shigeru Miyamoto mit Rat und Tat zur Seite.

Worum geht's im Spiel? Darum, immer mehr Pikmin zu bekommen - vereinfacht gesagt. Es ist ein anderer Gameplay-Loop als zum Beispiel bei Niantics Pokémon Go, daher ist das Unternehmen auch überzeugt davon, dass sich beide Apps nicht in die Quere kommen. Anders ausgedrückt: Pokémon Go erfordert mehr aktives Spielen von euch, als das Pikmin Bloom tut. Der Fokus liegt dabei auf gelaufenen Schritten. Unter anderem durch diese, nicht durch Erfahrungspunkte, steigt ihr im Level auf, wobei das Spiel auch auf Daten der Fitness-Apps auf eurem Smartphone zurückgreift. Ihr könnt also den lieben langen Tag durch die Gegend laufen und abends gemütlich reinschauen.

Auf eurem Weg entdeckt ihr zum Beispiel Früchte und neue Keimlinge, aus denen neue Pikmin heranwachsen. Ihr könnt dann Pikmin zu Expeditionen aussenden, um euch diese Objekte zu sichern. Durch Früchte erhaltet ihr Nektar, mit dem ihr wiederum die Pikmin füttert. Daraufhin wachsen ihnen Blumen auf dem Kopf und ihr könnt diese Blütenblätter ernten. Aktiviert ihr dann den Modus, in dem ihr Blumen pflanzt, hinterlasst ihr für alle sichtbar in der Spielwelt Blumen, währenddessen erhaltet ihr auch mehr Laufpunkte und Keime wachsen schneller. Nach und nach soll die Spielwelt so bunter werden.

Das Gute ist, dass ihr Expeditionen auch in Regionen schicken könnt, in denen ihr im Tagesverlauf unterwegs wart. Wart ihr tagsüber in der Stadt und seid dann abends zuhause, könnt ihr eure Pikmin zu den entdeckten Objekten aussenden. So entdeckt ihr unter anderem verschiedene neue Pikmin-Farben und es gibt sogar unterschiedliche Kostüme, zum Beispiel ein Pikmin mit einer Kochmütze, das sich in der Nähe von Restaurants finden lassen. Je nach Distanz erstrecken sich solche Expeditionen von Minuten bis hin zu Stunden, bis eure Pikmin zurückkehren.

Pikmin Bloom ist passiver als ein Pokémon Go

Jeden Tag um 22 Uhr erhaltet ihr eine Zusammenfassung eurer täglichen Aktivitäten und, sofern ihr der App die Erlaubnis gebt, wird ein Foto mit Pikmin verziert, das ihr an diesem Tag aufgenommen habt. Ihr könnt euren Tag bewerten, eine Beschreibung hinzufügen, ein bisschen wie in einem Tagebuch. Wie gesagt, Pikmon Bloom ist passiver und ihr könnt zum Beispiel auch Blumen im Hintergrund pflanzen lassen, während ihr unterwegs seid.

Pikmin_Bloom_Screenshot
Nach und nach häuft ihr immer mehr Pikmin an.

"Es verlangt nicht zu bestimmten Zeiten nach deiner Aufmerksamkeit, aber es ist da, wenn du ihm deine Aufmerksamkeit schenken möchtest", sagt Hanke dazu. "Wenn du dich auf etwas anderes konzentrieren willst, zum Beispiel wenn du mit einem Freund spazieren gehst und dich mit ihm unterhältst, oder wenn du in einem Café einen Kaffee bestellst, kannst du das Spiel jederzeit zur Seite legen. Wenn du Blumen pflanzt, werden sie weiter gepflanzt, und wenn du noch spazieren gehst, werden deine Schritte gezählt. Wenn du ein anderes Niantic-Spiel spielst, kannst du das tun, ohne dass es um deine Aufmerksamkeit konkurriert."

"Der Spielstil und die Häufigkeit, mit der du Pikmin Bloom spielst, unterscheiden sich deutlich von Pokémon Go", ergänzt Madoka Kataoka, Director of UX Design bei Niantic Tokyo. "Ich denke, dass sie ziemlich gut zusammenpassen."

Wie handhabt Pikmin Bloom die Privatsphäre?

Der Grundgedanke hinter dem Pflanzen von Blumen ist definitiv eine nette Idee, verleiht er der Map im Spiel doch ein wenig mehr Interaktivität als zum Beispiel in Pokémon Go. Gleichzeitig stellt sich so aber die Frage nach der Privatsphäre. Könnten so andere Spieler oder Spielerinnen zum Beispiel regelmäßig gegangene Wege nachverfolgen, die bis zu eurem Zuhause führen, wenn ihr dort mit dem Pflanzen beginnt oder aufhört? Laut Niantic nicht, die "eigentliche Spur" lasse sich nicht nachverfolgen und man sehe dabei auch nicht Name oder andere Details des Spielers oder der Spielerin, von dem oder der die Blumen stammen. Optional könnt ihr dann nach dem Start des Pflanzens noch einmal festlegen, ob andere den Aufenthaltsort eures Mii-Charakters im Spiel sogar live sehen.

"Wir wollten diesen kollaborativen Faktor, bei dem alle zusammenarbeiten, um Blumen auf der ganzen Welt zu pflanzen und gemeinsam diese großen, schönen Blumen zu züchten", betont Kataoka. "Aber wir haben versucht, dies auf eine subtile Art zu tun - auch wenn du keine Menschen sieht, kannst du Spuren von Blumen und Dingen sehen, die Menschen hinterlassen haben, [...] aber nicht, wer sie gemacht hat, und ohne eine Möglichkeit, sie zu der Person zurückzuverfolgen."

Hanke merkt an, dass ihr auf Wunsch auch komplett darauf verzichten könnt, die Blumen anderen zu zeigen. Ebenso lassen sich die Location-Daten für spezifische Tage oder komplett löschen, wenn ihr das möchtet.

Und was ist in Zukunft vom Spiel zu erwarten? Niantic möchte zum Beispiel monatliche Community Days wie in Pokémon Go durchführen. Noch ist aber unklar, wie diese dann exakt ablaufen. Ein weiterer Teil der Pikmin-Spiele sind natürlich die Kämpfe und Gegner. Ihr setzt eure Pikmin Gefahren aus, um an Dinge zu kommen. Bisher ist das hier nicht der Fall, wenngleich Niantic sagt, dass es in Zukunft noch kommen könnte.

Ebenso ist nicht ausgeschlossen, dass Pikmin zum Beispiel bei Expeditionen verloren gehen. Wenngleich die Aussagen dazu noch eher vage sind: "Die meiste Zeit ist es ziemlich sicher, aber es wird bestimmte Gameplay-Elemente geben, bei dem einige von ihnen vielleicht nicht zurückkehren. Aber das ist etwas, das selten passiert - oder es passiert erst, wenn du ein bisschen weiter im Spiel bist."

Die große Frage ist am Ende: Macht Pikmin Bloom Spaß? Das Erlebnis unterscheidet sich definitiv deutlich von einem Pokémon Go und ja, es ist weit passiver. In den Tagen, in denen ich die App jetzt nutzte, schaute ich gerne immer mal wieder rein, um zu sehen, was meine Pikmin so treiben, ob ein neues ausgewachsen ist und ob neue Expeditionen verfügbar sind. Es ist eine App, in die ihr nicht viel Zeit stecken müsst. Ob es aber auch ein Spiel ist, das langfristig fesselt, das muss sich erst noch zeigen. Einen Blick aufs Spiel zu werfen, kann jedenfalls nicht schaden, sobald es hier in den Stores verfügbar ist.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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