Pirates of the Caribbean und Sea of Thieves heiraten: Rares Seemannsgarn wird größer, schöner, abenteuerlicher

Captain Jack Sparrow gibt sich die Ehre - im bisher größten Update

Gerade angekündigt, ist sie morgen auch schon da: Die bisher größte Erweiterung von Rares Sea of Thieves ist direkt um die Ecke - und wie gehabt kostenlos. Ein umfassendes Crossover zwischen Pirates of the Carribean und Sea of Thieves. Was von Weitem wie eine etwas zynische Lizenzveranstaltung zwischen Disney und Microsoft anmuten mag, entpuppt sich beim Blick durchs Fernrohr als beinahe schicksalshafte Fügung: Diese beiden gehören einfach zusammen wie Schießpulver und Kanonenkugeln (fügt ihr gerne im Geiste noch weitere Piratenmetaphern dazu, ich bin für dieses Jahr damit durch).

Was also kommt? Fünf neue Seemannsgarn-Episoden, wie Sea of Thieves seine Story-Missionen nennt, die optimalen Fan-Service für Freunde und Freundinnen beider Reihen bieten dürfte. Jack Sparrow - hier unter Input von Johnny Depps Stunt-Double und mithilfe eines talentierten Soundalikes zum Leben erweckt - stibitzt einen magischen Gegenstand, der ihm Zutritt zu anderen Welten verschafft. So torkelt er also in das Universum von Sea of Thieves, was im Grunde eine Bereicherung wäre, stellte ihm Erzfeind und wandelndes Meeresfrüchtebüfett Davey Jones nicht direkt nach. Zumal eine Verkettung von Ereignissen die gesamte See der Diebe zu vernichten droht. So oder so ähnlich kam es zumindest in der Präsentation mit Rare rüber.

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Die von den Filmen inspirierten Schiffe machen was her.

Wenn man Sea of Thieves eine Weile nicht gespielt hat, muss man einfach zugeben: Dieser Titel ist zu einigem visuellen Drama fähig: Die Weite und wankelmütige Wucht des Meeres, die größte und hellste Sonne, die je eine Videospielwelt erleuchtete und deren Licht, die Wellenkämme streichelt - und wenn dann Davey Jones Schiff Flying Dutchman neben dem Spieler donnernd aus der Tiefe aufsteigt, ist das ein kinoreifer Moment. Das soll auch für den Rest der Inhalte gelten: Seit 2010 Armada of the Damned eingestellt wurde, war wohl kein Videospiel wieder so nah an einer guten Pirates of the Carribean-Umsetzung, wie die fünf Missionen von A Pirate's Life.

Stück um Stück das Piratenspiel, auf das wir immer gewartet haben

Ihr trefft auf den Gefängnishund mit dem Schlüsselbund im Maul (könnt ihn sogar als Haustier bekommen), seht wie unheimliche Sirenen - eine neue Feindesart in A Pirate's Life - die Black Pearl an riesigen Ketten in ihr nasses Reich am Meeresgrund zu ziehen drohen, macht Bekanntschaft mit Sparrows Crew und stattet eure Schiffe so aus, dass sie den Kähnen aus dem Kino zum Verwechseln ähneln.

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An der Seite von Jack Sparrow zu kämpfen, soll sich laut Rare total natürlich fühlen. Mit der Story, die beide Welten verknüpft, hat man sich offenkundig viel Mühe gegeben.

In die neuen Areale, wie der Sea of the Damned, in der sich Geisterpiraten als Gegner herumtreiben, oder eben dem Sunken Kingdom, in dem die Sirenen hausen, die mit Arielle der Meerjungfrau nichts, aber auch wirklich gar nichts gemeinsam haben, wurde viel Liebe zum Detail gesteckt. Unzählige neue Assets, Sounds und Musikstücke wurden angefertigt, die nah an das weltberühmte Disneyland-Fahrgeschäft angelehnt sind, auf dem die Filme basieren. Sie passen thematisch ausgezeichnet in diese Welt, was sich Creative Director Mike Chapman damit erklärt, dass von Monkey Island bis eben Sea of Thieves alles irgendwie auf die Disney-Attraktion zurückgeht.

In der Praxis bedeutet das unheimliche neue Level, optisch extrem sehenswürdig aufbereitet, die voller neuer Puzzles und Herausforderungen stecken. In der Zitadelle der Sirenen im Sunken Kingdom wurde etwa demonstriert, wie die Spieler den Wasserstand beeinflussen mussten, um höherliegende Bereiche zu betreten. Die Umgebung erzählt dabei schon durch ihre Gestaltung ein paar spannende Geschichten. Viel vom Reich der Sirenen besteht aus Wrackteilen, andernorts dominieren Korallen und Schwämme die Architektur. Für diese Episode, die viel unter Wasser stattfindet, haben die Designer neue Meerespflanzen erdacht, die Sauerstoff abgeben, sodass euch beim Tauchen nicht die Luft ausgeht. Nett.

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Der 'Verfluchte Kapitän' hat eine Menge zu sagen. An einer Stelle scherzt er, dass er seine 'sea legs' noch nicht wiedergefunden habe. Ich freue mich darauf, seine Bekanntschaft zu machen.

Neue Feinde sind natürlich auch dabei. Neben Geisterpiraten, die in der ersten Seemannsgarn-Episode die Opposition stellen, als ihr mit Captain Jack einen Leuchtturm entzünden müsst, um die Fähre der Toten zu beschwören, kommen eben genannte Sirenen als schwimmende Bedrohung hinzu, mit denen ihr es Unterwasser zu tun bekommt. Und mutierte Krustentiere machen euch an Land das Leben schwer. Um dem beizukommen, könnt ihr eine neue Waffe einsetzen, einen Dreizahn, der magische Projektile abfeuert. Ein Gegenstand von weniger Nutzen, aber umso höherem Unterhaltungswert ist der 'Verfluchte Kapitän'. Dabei handelt es sich um den Totenschädel eines verstorbenen Seefahrers, den ihr in die Hand nehmen könnt und der überraschend belebt und mit viel Wortwitz das Geschehen kommentiert.

Spielerische Schätze, die man auch ohne Karte findet

Damit ihr all den neuen Content auch findet, gibt es an jedem Außenposten von Sea of Thieves eine mysteriöse Schiffbrüchige, die als Auftraggeberin für das Seemannsgarn von A Pirate's Life dient. Ihr könnt sogar direkt aus dem Menü zu ihr gelangen, was ein sehr netter Zug ist. Und bevor ihr fragt: Nein, andere Spieler können euch die kinoreifen Spektakelmomente nicht verhageln, ihr seid nur mit eurer Crew da - und eben mit Captain Jack Sparrow, mit dem ihr sogar Selfies machen dürft. Und weil die Missionen nicht gerade kurz sind - wenn sie sich in dem Rahmen der bisherigen Seemannsgarn-Missionen bewegen, können das schonmal zwei Stunden sein, gibt es natürlich auch Checkpunkte, um sie später fortzuführen, sollte euch mal das reale Leben unverschämterweise dazwischenfunken.

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Solche Momente erinnern daran, warum Sea of Thieves auch als Story-Spiel gut funktionieren kann.

Wer sich zu Beginn von Sea of Thieves' Reise noch daran störte, dass man in endlosen und inhaltsarmen Fließbandaufträgen irgendwie das Gefühl hatte, immer das gleiche zu machen, für den ist es wohl schon seit längerem Zeit, sich dieses Spiel mal wieder anzuschauen. Schon jetzt gibt es eine ganze Menge Seemannsgarn, das das Spiel jedem bereitwillig abwickelt, der sich dafür interessiert. Ab kommendem Dienstag, den 22. Juni, kommen die wohl aufwändigsten Missionen hinzu. Ein guter Zeitpunkt, mal wieder in See zu stechen, würde ich sagen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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