PlayStation 5 Analyse: Wie Sonys Spagat zwischen Kosten und Leistung gelang

Und warum die Konsole so groß ist.

Letzte Woche gewährte Sony in einem Teardown endlich einen Blick ins Innenleben der PlayStation 5 und erfüllte damit ein Versprechen, das Mark Cerny vor über sechs Monaten in seiner eigenen Präsentation mit dem Titel Road to PS5 gegeben hatte. Es handelte sich dabei um eine grundlegende Skizze der Hardware, und wir bekamen endlich die grundlegenden Bausteine von Sonys riesiger Konsole zu sehen. Was die Philosophie hinter dem bemerkenswerten Design anging, wurde aber nur wenig enthüllt. Unsere Meinung? Es handelt sich um ein etwas konventionelleres Design als das der Xbox Series X, und den wichtigsten Herausforderungen, vor denen die Designer standen, begegneten sie mit schierer Größe.

Yahuhiro Ootori, VP der Abteilung für mechanisches Design bei SIE, ist der stoische Moderator von Sonys PS5-Teardown - und der Mann ist eine echte Instanz, er verfügt über Vielzahl von Konsolenpatenten (das jüngste davon ist das PS5-Entwicklungskit entdeckt) und natürlich moderierte er auch das Teardown-Video der PS4 im Jahr 2013. Seine Präsentation beginnt mit einem grundlegenden Überblick über die Anschlüsse am Gerät - ein USB-Anschluss Typ A und 10 Gbps Typ C auf der Vorderseite des Geräts, gepaart mit zwei 10 Gbps Typ A auf der Rückseite, dem LAN-Anschluss und dem HDMI 2.1-Ausgang. Wir hoffen, dass die bestätigten 10 Gbps Bandbreite über USB einige schnelle Speichermedien-Optionen für rückwärtskompatible Titel ermöglicht und vielleicht die Ergebnisse, die wir bei der Xbox Serie X gesehen haben, noch übertrifft. Unterdessen lässt die schiere Größe der Luftauslässe, die man bei der Enthüllung der hinteren Anschlüsse sieht, auf das Ausmaß der kommenden Kühllösung schließen.

Ootori scheint die weißen Platten auf beiden Seiten der Konsole fast "abzupellen", bevor er sie wegnimmt. Darunter sehen wir die beiden Einlässe für den 120-mm-Hauptlüfter. Natürlich sind 120 mm ein Standard, wenn es um den Bau von PCs geht, aber die 45 mm Tiefe der maßgefertigten Einheit ist bemerkenswert. Hier sehen wir auch Röhren, die entworfen wurden, um überschüssigen Staub abzusaugen, der die Kühlbaugruppe verstopfen könnte. Dies war ein großes Problem für die PS4 und trug dazu bei, dass sie im Laufe der Zeit immer lauter wurde. Die neue Lösung behebt das, ohne dass man das Gerät zerlegen müsste und die Garantie erlischt - wie es bei der PlayStation 4 und der PS4 Pro der Fall war.

Sobald die WiFi- und Bluetooth-Antennen entfernt sind, wird die Abschirmung entfernt, und wir erhalten unseren ersten Blick auf das Mainboard - ein wesentlich einfacherer Aufbau als das Microsoft Series X-Äquivalent, bei dem das gesamte Design tatsächlich in einzelne Prozessor- und Southbridge-Boards aufgeteilt ist. Es gibt nur eine Platine bei der PS5, das Speichersystem ist weit weniger komplex, und die Platine sieht im Vergleich dazu kaum vollgepackt aus. Hier bekommen wir unseren ersten Blick auf das SoC (System on Chip) - das Haupt-"Gehirn" des Systems. Ootori selbst beschreibt dies als einen kleinen, aber hoch getakteten Prozessor, der eine Flüssigmetall-Wärmeschnittstelle verwendet, um eine optimale Wärmeübertragung zwischen dem Chip und der Kühlbaugruppe zu gewährleisten. Dies ist ein weiteres Beispiel einer bemerkenswerten Überarbeitung gegenüber PS4 und Pro, die beide kaum für die Qualität ihrer Wärmeleitpaste bekannt waren.

Eine Videozusammenfassung von Sonys neuem PS5 Teardown.

Die Größe des SoC ist interessant und oft ein Hinweis auf Aspekte des Designs, wie etwa die Anzahl der Transistoren - ganz zu schweigen von ihrer möglichen Bedeutung für die Kosten. Einige Diskussionen in Online-Foren tippen auf einen 308mm2 Chip, basierend auf einem Vergleich mit dem GDDR6-Layout, das um den Hauptprozessor herum zu sehen ist. Da der Chip nicht direkt im recht betrachtet wird und keine direkten Vergleichspunkte erkennbar sind, ist es schwierig, den Bereich des Prozessors fest zu fixieren, aber etwas im Bereich von 305mm2 bis 320mm2 scheint im Vergleich zur Xbox Serie X wahrscheinlich zu sein. Von deren Platine haben wir hier einen vollständig kommentierten Die-Shot und eine bestätigte Grundfläche - abzüglich der 16 Compute Units und zweier GDDR6-Speicher-Controller, die der PS5 im Vergleich zur Series X fehlen, scheinen die Schätzungen plausibel. Verglichen mit der Serie X stellt der gesamte Aufbau hier in Bezug auf den Prozessor und den Speicher eine erhebliche Kostenersparnis dar.

Der Teardown gewährt uns überdies einen Blick auf die SSD - eingebaut in die Hauptplatine, wobei der Controller-Chip von NAND-Flash-Modulen umgeben ist. Die 5,5 GB/s an roher Bandbreite (auch ohne den zusätzlichen Boost durch die Hardware-Dekomprimierung) sind jetzt sicher - meine einzige Sorge sind die bislang noch eher fragliche Reparierbarkeit und Haltbarkeit von SSDs. Eine defekte Konsolen-SSD macht in diesem Fall eine eigenhändige Reparatur im Grunde unmöglich, eine Rücksendung des Geräts an Sony scheint in dem Fall ein Muss zu sein. Auch die M.2 Erweiterungsschnittstelle wird gezeigt - hier findet die neueste Generation der PCIe 4.0 NVMe-Laufwerke Platz und sollte über eine Bandbreite verfügen, die der internen Lösung von Sony entspricht. So können handelsübliche SSDs für zusätzlichen Speicher hinzugefügt werden. Das Upgrade-Verfahren sieht recht einfach, aber diese Laufwerke können heiß werden, und ich frage mich, wie das System sie kühlen soll - aus diesem Video wird es zumindest nicht klar..

Der Teardown endet mit einem Blick auf den gigantischen Kühlkörper und ein wuchtiges 350W-Netzteil (die tatsächliche Leistungsaufnahme dürfte viel, viel geringer sein). Es ist ziemlich klar, welche Strategie Sony mit diesem Hardware-Design verfolgt: die Kosten mit einem kleinen Prozessor überschaubar zu halten, aber die Performance zu erhöhen, indem man ihn mit viel Energie füttert, die je nach Bedarf auf CPU- und GPU-Frequenzen umgeleitet wird. Die Wärmeableitung ist das Ergebnis einer Philosophie, die ich fast Toyota-ähnlich nennen würde: Erfinde das Rad nicht neu (so wie Microsoft es vielleicht mit der Serie X vorhatte), sondern verlasse dich auf das, was funktioniert und füge bei Bedarf ein paar zusätzliche Extras hinzu. Der Preis dafür ist das schiere Volumen: Dies wird eine riesige Konsole, relativ gesehen, aber der Vorteil für Sony sind erheblich geringere Fertigungskosten.

Japanische Influencer haben das Gerät bereits ausprobiert, und vielfach wurde der geringe Lautstärkepegel gelobt. Es interessiert mich brennend, wie sich das entwickelt, wenn wir die Hardware in die Hand nehmen. Hoffentlich dauert das jetzt nicht mehr allzu lange...

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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