PlayStation Plus - 50 Highlights aus 5 Jahren Instant Game Collection

Große Knaller, kleine Genies und ein paar unterschätzte Perlen.

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PlayStation Plus' Instant Game Collection wurde 2017 fünf Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch hierzu, wie die Zeit vergeht, und so weiter und so fort. Eine halbe Dekade muss man als ambitioniertes und bis dahin beispielloses Modell erstmal hinter sich bringen, die Abonnentenzahlen marschieren letzten Angaben nach stramm auf die 30. Million zu und sprechen damit ebenfalls eine klare Sprache.

Natürlich holen sich viele PlayStation-Spieler den Abodienst in erster Linie deshalb ins Haus, weil sie gemeinsam mit Freunden und Fremden über das Netz virtuelle Welten erkunden oder mit Kratern übersäen wollen. Aber nicht weniger Leute sehen den Service als gute Investition, um im Monatstakt ihre Spielesammlung mit Titeln aufzustocken, die sie bisher übersehen hatten, deren Kauf sie wegen einer vollen Spielerotation hintenanstellten, die sie sich aus verschiedenen Gründen verkniffen oder bei denen sie sich nur beinahe sicher waren, dass sie ihren Nerv treffen würden.

Zeit für uns, ein wenig die Highlights aus fünf Jahren voller monatlicher Gratisspiele Revue passieren zu lassen. Blickt mit uns in den Rückspiegel auf die unserer Meinung nach 50 besten Ergänzungen zur Instant Game Collection seit Mitte 2012.

2012

Nachdem der Dienst Mitte des Jahres gestartet war, dauerte es tatsächlich ein bisschen, bis wir uns daran gewöhnt hatten. Regelmäßig große, aufwendige und noch nicht einmal alte Spiele als Teil einer Quasi-Flatrate zu erhalten, die im Jahr weniger kostete, als viele der enthaltenen Titel einzeln - bis man das begriff, regierte die schiere ungläubige Freude. Im Juli setzte es eine Perle namens Deus Ex: Human Revolution, kein Jahr nachdem sie unter Höchstnoten und viel Fan-Beifall erschienen war. Der kybernetisch verbesserte Protagonist Adam Jensen mag "das nie gewollt haben", uns schwante aber damals schon anhand von Spielen wie diesem, dass Sonys Experiment es für uns wert sein würde.

Gleich der nächste Monat bestätigte, dass Sony hier nicht einfach B-Ware auftischen würde: Dead Space 2, das Herzstück der wohl besten neuen Serie seiner Generation, schnappte sich die Sony-User, die bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung Anfang des Vorjahres nicht den Mumm aufbrachten, sich diesen Horrortrip anzutun. Und was für ein Horrortrip es war! Unvergessen die Eröffnung, die nach Ausklingen der kurzen einleitenden Filmsequenz keine Minute braucht, um den bis dahin vielleicht schockierendsten und ekligsten Bildschirmtod überhaupt zu inszenieren. Nach diesem Auftakt war klar, Teil eins war kein Zufall, hier saßen Leute, die Horror verstanden - und das Talent besaßen, ihm Interaktivität beizubringen. Zwei Jahre später gab's übrigens den dritten Teil auf PS Plus. Der ist zwar entschieden schwächer erzählt und leider auch etwas Action-verliebter als der zweite, lohnt sich dank einiger schöner Set-Pieces aber dennoch.

Vorsicht, nichts für schwache Nerven: Die wohl schlimmste Ekelszene, der ich bis dahin beiwohnen durfte.

Im Oktober 2012 sammelte Rockstars Red Dead Redemption auf PS Plus die letzten paar freilaufenden Möchtegern-Cowboys auf, die den interaktiven Spätwestern noch nicht zuhause stehen hatten. Ein Spiel, groß und ungezähmt wie das Land, das es so scheinbar endlos und gefährlich vor euch ausrollt, das deshalb in jede Sammlung gehört. Doch auch weniger bekannte und durchschlagend erfolgreiche, dafür aber nicht minder außergewöhnliche Spiele finden im Rahmen von PS Plus ein Publikum, das sich andernfalls vielleicht nicht an sie herangetraut hätte.

Im Dezember 2012 war Vanquish so ein Fall. Resident-Evil-Erfinder und -Reformator Shinji Mikami macht zusammen mit den Action-Göttern von Platinum Games einen feurigen und blitzschnellen Sci-Fi-Shooter mit losem Mundwerk und geradezu berauschendem Spielfluss. Bullet-Hell und Third-Person-Action treffen auf irrsinnige Inszenierung, Jetpack-Schlittereien und befriedigende Zeitlupensysteme. Fast, als hätte sich bei Konami jemand ein paar clevere Gedanken gemacht, wie er den NES- und SNES-Klassiker Probotector in die Neuzeit holen könnte.

2013

Im Januar glänzte vor allem ein aus archivarischer Sicht interessantes Kleinod: Der Dreamcast-Klassiker Jet Set Radio in einer gelungenen Version für PlayStation Vita. Seien wir ehrlich, Spiele wie dieses auf weiterverbreiteten und zeitgemäßen Plattformen spielen zu können, ist einfach wunderbar. Dazu kam, dass diese Ausgabe kaum vier Monate auf dem Buckel hatte, bevor PS-Plus-User sie sich gratis ins Haus holten. Steuerungstechnisch und in Sachen Leveldesign merkt man dem Titel an, dass er die Jahrtausendwende noch miterlebt hat, bis heute bleiben der Vibe und das Spielkonzept aber ohne Gleichen.

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Jet Set Radio - wie viele Dreamcast-Klassiker eine fast vergessene Marke. Zum Glück halten Remakes wie dieses hier die Erinnerung am Leben.

Im März darauf beglückte die Metal Gear Solid HD Collection für die PS3 all diejenigen, die schon länger mal vorhatten, die PS2-Klassiker MGS 2 und 3 mal wieder zu erleben, aber wenig Lust auf Scart-Bild am HDTV hatten oder die dazugehörige Konsole nicht mehr besaßen. Nicht wenige dürften zudem den PSP-Teil Peace Walker mangels passendem Handheld verpasst haben. Alle drei gab es nun in einer wunderbar überarbeiteten, HD-tauglichen Neuauflage. Gerade MGS 2 beweist, so schwer und schwurbelig es heute auch zu spielen ist (zu seinem Erscheinen 2001 waren gewisse Steuerungsstandards eben noch nicht vollends etabliert), was für ein Genie Hideo Kojima bisweilen ist.

Sicher, für die Geschichte muss man schon sehr resistent pathetisch-prätentiösen Anime-Stoffen gegenüber sein, aber spielerisch, technisch, inszenatorisch und in Sachen KI und Interaktion war hier dermaßen viel los, dass man sich endlos in diesen Umgebungen verlieren konnte. Teil drei nervte wiederum mit viel Menüarbeit, wo man eigentlich spielen wollte, bot dafür aber die bis heute beste und bewegendste Handlung der Serie.

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MGS 3 - die wohl beste Geschichte, die Kojima je erzählte.

Ein unter Kennern hochgeschätzter Clover-Studio-Klassiker fiel im April in der PS-Plus-Auswahl auf. Das von japanischer Sumi-e-Malerei inspirierte Action-Adventure Okami war 2006 auf der PS2 zwar nicht der erhoffte oder verdiente Verkaufsschlager, bekam wegen seiner großen Beliebtheit unter Spielern und Kritikern aber eine wunderschöne HD-Version auf PlayStation 3 spendiert, die nun, nicht mal ein halbes Jahr nach Verkaufsstart, an alle PS-Plus-Abonnenten ging. Hoffen wir, möglichst viele von ihnen gaben dem Spiel die Chance, die es schon beim ersten Mal verdient hätte. Clover Studio selbst sollte die schwachen Absätze des Folgetitels God Hand nicht mehr verkraften und wurde von Mutterfirma Capcom noch 2006 geschlossen. Heute firmiert eine Menge von seinem Personal, allen voran Chef Atsushi Inaba beim Nachfolgestudio Platinum Games.

Im Mai ließ unterdessen das Shin-Megami-Tensei-Team schon mal für alle bis dato Uneingeweihten durchblicken, dass sie nicht nur Rollenspiele können, Catherine ist ein schräger, aber gekonnter Mix aus Quarterlife-Crisis- und Erwachsenwerden-Drama mit starkem Mystery-Einschlag, der auf spielerischer Ebene zwischen Adventure und hektischem Puzzlespiel changiert. Klingt wirr, ist es irgendwie auch, aber es funktioniert und provoziert fast beiläufig eine innige Bestandsaufnahme seines eigenen Lebensstils. Ein Spiel wie Catherine gab es seither nie wieder. Gut, dass die Entwickler mit weiteren Experimenten - Persona-Tanz- und Prügelspielen zum Beispiel - ab und an ihren Spieltrieb jenseits des JRPGs ausleben dürfen.

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Alle Hände voll zu tun.

Die sommerliche gute Laune konterte im Juni die Ico and Shadow of the Colossus Collection mit melancholisch-schönen Tönen - und endlich in Bildraten, die das Spiel nicht nur einfacher zu spielen, sondern auch ästhetisch ansehnlicher machten als zuvor. Gerade im Fall von Colossus wird in dieser Neubearbeitung klar, wie überfordert die PS2 hiermit seinerzeit gewesen sein muss. Diese neuen Versionen leisten einen wichtigen Beitrag, diese Spiele so zu konservieren, wie sie gedacht waren, nicht, wie man sie auf der PS2 tatsächlich erlebte.

An diese Melancholie schloss zwei Monate später, im August also, ein tonal und thematisch komplett anderes, aber ebenfalls sehr eindringliches Spiel im Rahmen von PS Plus an: Spec Ops: The Line ist das wohl nachdenklich stimmendste Kriegsspiel, das man bis dahin erlebt hatte. Die offensichtlichen Referenzen an Heart of Darkness beziehungsweise Apocalypse Now hätten schlimm ins Auge gehen können, stattdessen gelingt den Berlinern von Yager eine bestechende Auseinandersetzung mit posttraumatischen Belastungsstörungen, über die jedes weitere Wort zu viel verraten wäre. Das Spiel selbst mag kein besonders gekonnter Shooter sein, aber das ist in diesem Fall egal, funktional war alles, was er sein musste, um seine Botschaft rüberzubringen. Mission erfüllt, würde ich sagen.

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Prädikat: Wertvoll. Auch wenn man erstmal einen nur passablen Shooter spielen muss - Spec Ops: The Line.

Der Star in der Septemberauswahl an Spielen war in unseren Augen eindeutig die Jak & Daxter Trilogy, was nicht nur daran lag, dass der andere Kandidat für diesen Platz, Assassin's Creed 3, trotz toll geschriebener Antagonisten eine verschenkte Chance blieb, indem er im eigentlich fünften Spiel der Reihe immer noch die Hälfte der Kampagne darauf verwendete, dem User das Spiel zu erklären. Auch der Jak-Trilogie fällt die ehrenwerte Aufgabe zu, eine Marke, die andernfalls droht, in Vergessenheit zu geraten, für die Nachwelt lebendig zu halten. Auch wenn landläufig der erste Teil von Naughty Dogs Action-Adventure-Reihe der beliebteste der Reihe ist, ein schönes Paket.

Im Oktober 2013 raubten Far Cry 3 und Dragon's Dogma: Dark Arisen Plus'lern dann das letzte bisschen Restfreizeit, die das ohnehin schon vollgestopfte Weihnachtsfenster neuer Videospielveröffentlichungen ließ. Besonders Dark Arisen dürfte viele sehr überrascht haben, denn das Spiel blieb in den ersten Jahren hinter den erwarteten Verkaufszahlen Capcoms zurück. Jetzt konnten es auch Leute ausprobieren, die es zum ersten Erscheinen des Hauptspiels noch ausgesetzt hatten. Noch dazu in seiner bis dahin besten Form: Inklusive der nicht einmal sechs Monate alten, brillanten Erweiterung.

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Ein riesiger, schöner Mordssandkasten: Far Cry 3.

Metal Gear Rising: Revengeance zeigte dann im PS4-Launch-Monat November, was findige Charakter-Action-Designer aus dem von vielen MGS-Fans so verachteten Raiden herauszukitzeln im Stande sind und retteten damit beinahe im Alleingang die Figur. Bemerkenswert war aber vor allem, dass PS-Plus-Abonnenten ihr erstes PS4-Spiel kostenlos bekamen. Und das war mit dem Voxel-Ballerspiel Resogun auch noch ein verdammt gutes, von Sonys Hausmarke für Shooter - Housemarque. Auch hier wieder etwas, an das man sich erst gewöhnen musste: Ein neues komplettes Spiel, für Abonnenten umsonst, während alle anderen extra zahlen mussten.

2014

2014 startete mit Ninja Theorys exzellentem, aber glücklosen DmC: Devil May Cry für die PS3 extrem stark, bescherte es der Reihe zwar nicht die technisch anspruchsvollsten Kämpfe, aber doch die fantasievollsten Level und Bossbegegnungen, die sie je sah. Spielerisch ausgereift, inszenatorisch auf Maximalniveau, blieben von dieser Dämonenschlachtplatte viele gute Momente lange hängen.

Rot im Kalender strichen sich PS-Plus-User allerdings erst den Februar an, weil sie mit Outlast für PS4 einen der stärksten Horrortitel der letzten Jahre nachholen durften, wenn sie ihn zum Release nur fünf Monate vorher verpasst oder ihn sich wegen schwindenden Windelvorrats verkniffen hatten. PS3-User mit Abo verlebten dagegen ihren vermutlich besten Monat, weil sie neben dem dystopischen Tunnel-Shooter Metro: Last Light auch noch Ken Levines Wolken-Hirnverbieger BioShock Infinite in ihrer Sammlung willkommen heißen durften. Klar, über letzteres scheiden sich die Geister, seine spezielle Sorte Action war stellenweise bemüht und rieb sich sogar etwas an der Erzählung. Aber die Handlung, insbesondere die schwindelig machende Serie an Enthüllungen zum Finale des Spiels sind bis heute reger Diskussionsstoff, wann immer Fans cleverer Shooter zusammenkommen.

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Der Kandidat für den längsten WTF-Moment aller Zeiten: BioShock Infinite.

Wer der PlayStation 3 über den Start der PS4 hinaus noch die Treue hielt, dürfte auch an den PS-Plus-März noch rege Erinnerungen haben. Das Tomb-Raider-Reboot von 2013 mag in der Ausrichtung nicht jedermanns Sache gewesen sein, dass es sich um einen unterhaltsamen und zeitgemäßen Konkurrenten für Uncharted handelte, daran besteht aber nirgends ein Zweifel. Weniger bekannt ist dagegen Brothers: A Tale of Two Sons. Trotzdem war es eines der besten Spiele des vorangegangenen Jahres. Das Adventure, bei dem man beide Hälften eines Geschwisterpaars gleichzeitig steuert, je eine mit einem eigenen Stick, schickt einem an seinem Höhepunkt dermaßen eine Gänsehaut den Rücken und Tränen die Wangen hinunter, wie man es selten erlebte. Auch und vor allem, weil es das auf eine Weise tut, wie es nur ein Videospiel kann: Ausdruck und Erzählung durch Mechaniken. Wundervoll.

Im April hielt dann die tolle PS-Vita-Version von Hotline Miami Einzug in die Instant Game Collection, in Stil und Form ein wegweisendes Stück Indie-Schlächterei und der Titel, mit dem die Publisher-Darlings von Devolver Digital über Nacht zu Stars wurden. Auch im Hosentaschenformat ein verstörender und doch berauschender Trip.

Hotline Miami - der stilbildende Soundtrack für eine ganze Generation an Indie-Spielen.

Im Hochsommermonat Juli tat sich Strider hervor, das Remake einer traditionsreichen Arcade- und Heimkonsolenreihe ziemlich interessant zu steuernder Actionspiele. Capcom hatte mithilfe von Double Helix (später: Killer Instinct für Microsoft) einen sehr flotten Action-Platformer auf die Beine gestellt, auch wenn die Pixel-Art des Originals und der 2D-3D-Mix der PSone-Version damals noch eine Spur besser gefielen. Noch dazu war auch dieses Spiel erst im Februar davor erschienen, es war also gewissermaßen noch ofenfrisch.

Ähnlich kurz nach seiner Erstveröffentlichung auf Sony-Plattformen fand im August der legendäre Puzzle-Hüpfer Fez seinen Weg in die Instant Game Collection. Natürlich ist es schade, dass der Hype um die gemeinschaftliche Entschlüsselung aller Rätsel dieses Spiels da schon abgeklungen war (Hey, was hielt euch ab, das Ding zum Launch schon zu kaufen!?), aber auch so entfacht der Titel mit der in 90-Grad-Schritten drehbaren Welt ein wahnsinniges Suchtpotenzial und viel geheimnisvolle Magie. Die Sony-Version brachte zudem den nicht zu verachtenden Vorteil, dass man sie sowohl auf der PS4 als auch der Vita bekam (Cross-buy) und die Spielstände zwischen den Geräten migrierten (Cross-save).

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Diese Welt das erste Mal zu drehen, war einer der magischsten Momente des Jahres.

In ähnlich plattformagnostischer Mission unterwegs war die Sony-Version des legendären Roguelikes Spelunky, die erhielt man im Oktober nicht nur für PS4 und Vita, sondern auch für die gute alte PS3. Sich über einen Schatz freuen und von einem Stein erschlagen zu werden und alles zu verlieren, lagen selten so nah beieinander. In eine vergleichbar unbarmherzige Kerbe schlägt bekanntlich auch The Binding of Isaac vom Meat-Boy-Co-Erfinder Ed McMillen, das im November in seiner Rebirth-Version sogar auf PS Plus sein PS4-Debüt feierte - und bis heute unendlich viele Dauerspieler findet. Nichts für jedermann, aber ein popkulturelles Phänomen schon fast.

Kurz vor Weihnachten schlug man unterdessen ohne weitere Kosten in Injustice: Gods Among Us Zeit und Gegner zu klump und fragte sich ein weiteres Mal, warum nicht noch mehr Prügelspiele ihre Geschichten so Comicbuch-mäßig und irre packend durchzuskripten wie Mortal-Kombat-Erfinder Netherrealm Games. Es entspricht zwar nicht der Tradition dieses Genres, hier allein wegen der Handlung vorstellig zu werden, aber mein Gott, weiß Netherrealm das zu inszenieren! Ich schätze, es passt zu ihrer Laufbahn, auch Leute anzulocken, die traditionell weniger mit dem oft so verbissenen Kult um Prügelspiele zu tun haben.

2015

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The Swapper: Die meisten Assets im Spiel sind aus Allerweltswerkstoffen handgemacht.

Im Grunde kann ich mir für den Januar kaum ein besseres Spiel vorstellen als The Swapper. Nach dem Blockbuster-Overkill ein kleines, handgemachtes, aber existenzialistische Fragen aufwerfendes Sci-Fi-Puzzlespiel, in dem man unentwegt in die Körper selbsterstellter Klone schlüpft, um Hindernisse zu überwinden - bis man sich fragt, ob man noch man selbst ist. Das erste Mal, dass man in einen Klon schlüpft und die ursprüngliche Hülle ihr Leben lässt, ist ein Moment, der euch auch noch lange nach dem Ende des Spiels erschaudern lassen wird.

In eine etwas warmblütigere Richtung ging Transistor von den Bastion-Machern bei Supergiant Games, das im Februar zur Instant Game Collection stieß. Der Mix aus isometrischer Geschicklichkeit und knallharter Taktik in einer Welt im Computer mag vielleicht nicht ganz den gewinnenden Abenteurercharme haben, der Bastion zu so einem Hit machte. Spielerisch steckt hier aber deutlich mehr Substanz, wenn man mit unzähligen Mischformen jeder seiner Skills miteinander experimentiert. Dazu ein wundervoller Soundtrack und eine stilistisch schlichtweg atemberaubende Aufmachung und ihr habt einen der Sleeper-Hits überhaupt.

Transistor Soundtrack - reinhören, aber zackig!

Im März überzeugte vor allem Ubisofts intimes Weltkriegsabenteuer Valiant Hearts, dem man zwar seine vergleichsweise simplen Puzzles zur Last legen kann, nicht aber, dass seine Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg und was er mit Familie, Freunden und Nachbarn macht, nicht effektiv wären. Dazu ein traumhaft malerischer Stil und ein emotional wahnsinnig aufwühlendes Ende. Schön. Das nächste Filetstück war im Mai dann wieder ein richtiger Indie, diesmal Guacamelee! Super Turbo Championship Edition (PS4). Dieses Spiel ist entschieden mit dafür verantwortlich - schätzen wir zumindest -, dass Metroidvania heute immer noch schwer in aller Munde ist. Sich als Luchador durch eine unfassbar farbenfrohe, mexikanisch angehauchte Fantasiewelt zu springen, rätseln und prügeln fühlt sich ungemein eingängig an und sieht noch besser aus.

Der wohl bedeutendste Moment in der Geschichte von PS Plus fiel aber in den Juli 2015. Rocket League erschien wie aus dem Nichts und man darf vermuten, dass die bis heute ungebrochene Popularität dieses E-Sport-Autoball auch und vor allem daran lag, dass mit einem Mal knapp 20 Millionen Nutzer von Sonys Abodienst darüber herfielen und das süchtig machende Spiel mit den Raketenautos zum Massenphänomen machten. Natürlich, ein perfekter Sturm aus makellosem Game-Design und Zugang auf maximaler Breite, schließlich wurde andernorts für das Spiel der ganz normale Preis von 20 Euro verlangt. Bis heute konnte niemand diesen Erfolg wiederholen - was auch und vor allem für die Ausnahmestellung dieses in seiner Vollendung und Simplizität so betörenden Titels spricht.

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Und jetzt zum 'Aerial' ansetzen. Rocket League ist der Inbegriff spielgestalterischer Reinheit.

Im September, sieben Monate nach seinem ersten Erscheinen, machte Ubisofts herziges Platformer-Experiment Grow Home unter PS Plus'lern von sich reden. Kein Wunder, gelingt dem Spiel mit dem zunächst etwas befremdlich-kantigen Look doch Erstaunliches, wenn es darum geht, beim Weg nach oben auf Bohnenranken gefühlt unendlich in die Höhe zu wachsen, Größe und Weite zu simulieren, echte Höhenangstauslöser inklusive. Ein besonders Spiel, das beweist, wie viel Macht in einfachen Ideen steckt, wenn man sie nur richtig umsetzt. Schade, dass der Nachfolger nicht ganz so überzeugend geriet.

Kurz vor Jahresende war es wieder an der Zeit, einen alten Klassiker hochleben zu lassen, der zu seiner Zeit nie die Anerkennung erhielt, die er verdient gehabt hätte. Beyond Good & Evil machte im November der PS3 seine Aufwartung und gefiel in einer makellosen Umsetzung, die lediglich darunter zu leiden hatte, dass auch sie es nicht zuließ, die Kamera zu invertieren, wie das anständige Menschen im Normalfall machen. Schwamm drüber. Für dieses Spiel lohnt es sich, gut zwei Stunden in diesem und dann noch mal zwei in dem Spiel, das ihr direkt danach spielt, wie ein virtueller Idiot durch die Gegend zu laufen, weil es einfach verdammt schwierig ist, sich in dieser Hinsicht umzugewöhnen. Sei's drum. BG&E ist pure, eigenwillige Liebe. Wer schon immer wissen wollte, warum sich alle Welt nach einem Nachfolger verzehrt - der auf der letzten E3 endlich angekündigt wurde -, hatte hier die perfekte Gelegenheit, die Gründe am eigenen Leib nachzuempfinden.

2016

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Makaber-jenseitiger Humor, aber das Herz am rechten Fleck: Grim Fandango Remastered

Im Januar schickte Double Fine das Remaster eines der am heißesten geliebten Adventures alter Schule ins Rennen, den Klassiker Grim Fandango. Klar, gleichzeitig war die Noir-Komödie im Land der Toten in den Augen vieler für den Niedergang des klassischen Adventures mitverantwortlich, war es doch der letzte große Verkaufsflop eines Lucas-Arts-Abenteuers, bevor das Unternehmen eine Kurskorrektur vornahm.

Das Spiel selbst kann freilich nichts für veränderte Spielgewohnheiten des Marktes. Und wenn das einstige Vorzeige-Genre nicht im gleichen Maße wächst wie der Rest der Spielarten, muss man sich rein wirtschaftlich tatsächlich die Frage stellen, ob die Mittel nicht woanders besser investiert sind. Aus kreativer Sicht ist das dann trotzdem bedauerlich.

Dann wiederum: Wenn man schon ein einziges Spiel als vermeintlichen Grabstein für ein ganzes Genre hinstellen will, kann ich mir kein besseres als dieses hier vorstellen. PS3-Spieler durften im selben Monat übrigens noch mal ergründen, wie sich Bioware eine Fantasy-Welt vorstellt, in einem der besten RPGs, die je gemacht wurden: Dragon Age: Origins.

Galak-Z: The Dimensional überschattete im März selbst das eigentlich ziemlich gute Broforce: Roguelike im Weltraum mit wunderbar eingängigen Kontrollen, schönem Zeichentrickcharme bei hammerharten Gameplay-Zyklen. Das hier war und ist eines zum Verbeißen. Altmodisch und modern zugleich und einfach ziemlich elegant. Wir sind sehr gespannt, was Entwickler 17-Bit als Nächstes in Arbeit hat - und bis dahin versuchen wir, The Dimensional endlich mal durchzuspielen. Mission Impossible?

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Mächtig was los: Galak-Z wird euch an eure Grenzen treiben.

Was den PSP-Titel God of War: Ghost of Sparta angeht, der im Mai 2016 seinen Weg auf die PS Vita fand, scheiden sich zwar die Geister. Die einen finden, ein sich so auf sein Spektakel stützendes Spiel sei auf einem Handheld fehl am Platze, die anderen schätzen es als wahnsinnig gut gemachtes Action-Adventure. In jedem Fall ist es ein den Gedanken und Vibe der Serie bestens einfangender Ableger und eine schöne Möglichkeit, diese Titel nachzuholen, sollten sie einem ausgemachten Fan der Serie noch fehlen. Nett auch, dass im Monat darauf unmittelbar der direkte Vorgänger folgte, Chains of Olympus. Deren Tricks kannte man zwar bereits zu Genüge, aber auch hier präsentierte sich ein routiniert aufgezogener, sich groß und komplett anfühlender Teil der beliebten Serie - nur eben für unterwegs.

Der Hochsommer brachte ebenfalls einen besonderen Titel mit sich. Furi, das auf drei Plattformen seine Erstveröffentlichung feierte, kostete im Launch-Monat Juli überall 20 Euro, außer auf Sonys Abo-Dienst, wo es ohne weitere Kosten auf PS4-Konsolen wanderte. Das Spiel selbst ist ein kreativer Boss-Rush, eine Serie von gewaltigen, packenden Zweikämpfen auf dem Weg zum Ende, hinter dem für diesen Neon-Ninja die Freiheit lockt. Der pumpende Elektro-Soundtrack ist einer der besten des Jahres, finster, treibend, verbissen. Wie dieses Spiel.

Furi-Soundtrack - zu diesen Sounds den Tunnelblick anwerfen, die Muster der Gegner als weltbeste Lektüre.

Bedeutend fröhlicher geht es in Tricky Towers zu, das ebenfalls auf PS Plus als einziger Adresse gewissermaßen gratis erschien. In diesem umgedrehten Duell-Tetris baut ihr einen Turm mit den bekannten Steinchen in die Höhe, statt ihn durch Ausfüllen ganzer Linien abzutragen. Ein Physiksystem, das die Blöcke authentisch auf eine simulierte Schwerkraft reagieren lässt, sowie Spezialfähigkeiten, um die Steine des Gegners zu beeinflussen, tun viel für die wilde Blüten schlagende Schadenfreude an langen Multiplayer-Abenden mit diesem Spiel. Unterbewertet.

Journey dagegen, das im November für PS3 und PS4 zur Instant Game Collection hinzukam, ist das Gegenteil von unterbewertet. Jeder, der es spielte, weiß genau, was für ein Meisterwerk dieses Gleichnis auf unser aller Lebensweg bis ins kleinste Detail ist. Selbst die Musik wurde mit einem Grammy bedacht und jeder, der diese Reise hinter sich brachte, hat eine andere Geschichte von ihr zu erzählen, obwohl die Stationen immer dieselben sind. Betörend schön bis todtraurig, in jedem Fall aber aufwühlend. Ein Standardwerk unkonventionellen Spieldesigns und damit in der Instant Game Collection bestens aufgehoben.

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Armer Josh.

Passend zum Halloween-Monat Oktober stieß mit dem Remaster des ersten Resident Evil ein großer Klassiker des Horror-Genres zur Sammlung von PS-Plus-Usern hinzu. Die liebevolle Neubearbeitung ist immer noch wahnsinnig effektiv, auch wenn man natürlich über die eine oder andere überalterte Design-Kapriole hinwegsehen muss. Allen voran das kleine Inventar, das lange Laufwege hin und wieder zurück erzwang, war eine Idee, bei der man heute nicht sicher ist, warum sie den Entwicklern damals attraktiv erschien. Wer es weniger gruselig und lieber etwas schneller und actionreicher mochte, wurde im selben Monat bei Transformers: Devastation fündig. Der Fan-Service ist stark in diesem hier - und natürlich passt auch aufseiten der funkenstiebenden Action wirklich alles. Nicht, dass das in irgendeiner Weise überraschen würde, wenn man die Dauergäste in der Instant Game Collection, die Charakter-Action-Experten von Platinum Games, auf die haushohen Hasbro-Roboter loslässt.

2017

Auch 2017 startete wieder mit einem großen Klassiker des Adventure-Genres: Day of the Tentacle Remastered, das per Cross-play auch auf Vita spielbar ist, gelang Double Fine wirklich ausgezeichnet. Was für eine Arbeit es gewesen sein muss, die Originaltonspuren der Sprecher für das Mastering zu bekommen! Ein bisschen was davon erfährt man sogar dank immens interessanter Audio-Kommentare der damaligen Entwickler. Dazu optionale hochauflösende Grafik und ein verbessertes Interface und für die gemütlichere Zeit nach dem weihnachtlichen Blockbuster-Sturm war man gut gerüstet.

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Wie hier alles raschelt, wackelt, sich bewegt, das haucht der Papierwelt von Tearaway Unfolded das blühende Leben ein.

Als sich im März langsam der der Frühling ankündigte, war Tearaway Unfolded gerade ein halbes Jahr alt, als es die Instant Game Collection um eine ordentliche Portion Media-Molecule-Charme bereicherte. Ein bildhübscher Platformer mit gewinnendem Papercraft-Look und cleveren Puzzle-Elementen, der Gebrauch von allen Eingabemöglichkeiten des Controllers macht. Der Titel ist sicher kein unbeabsichtigtes Wortspiel, denn auf der PS4 kann sich das Spiel tatsächlich besser entfalten als noch auf der Vita.

Lovers in a Dangerous Spacetime ist ein Titel, der sich auch in belebteren Monaten als dem April noch unter vielen anderen Spielen hervortun würde. Bonbonbunter Look, aber gewaltig hektische Spieltiefe bietet dieses kooperative Raumschiffsteuern für bis zu vier lokale Multiplayer-Partner. Ein wahnsinnig ausgelassenes und auf die gute Art schweißtreibendes Action-Spiel mit vielen smarten Ideen, etwa der, die verschiedenen Stationen des Raumers durch Kristalle mit unterschiedlichen Eigenschaften noch zu verbessern und in ihrer Funktionsweise zu modifizieren. Ein Traum, das mit Freunden zusammen auszuprobieren.

Lass' mich der Captain deines Herz-Raumschiffes sein - Lovers in a Dangerous Spacetime

Im Juni 2017 ging Killing Floor 2 dann PS-Plus-Usern an die Nieren. Zugegeben: Wahnsinnig neu oder vielschichtig ist die Hordenballerei, die zu ihrem Erscheinen in der Instant Game Collection nicht mal ein halbes Jahr auf dem Buckel hatte, nicht. Aber wenige andere Entwickler bekommen diese Sorte frenetischer Splatterei besser hin als Tripwire Interactive. Das liegt vor allem an einem unnachahmlich brutalen und befriedigenden Gunplay, das die Argumentverstärker in diesem wellenbasierten Überlebenstrip mitbringen. Zusammen mit einer Handvoll Freunden erlebt man hier ungemein auslaugende, aber auch erfüllende Schießereien gegen eine scheinbar niemals enden wollende Übermacht.

Until Dawn, das im Juli Teil der monatlichen Gratisspiele war, ist dagegen Horror der Teenager-Slasher-Schule. Der ergeht sich folglich mehr in seinen Spannungsbögen und der dichten Stimmung, die sich dann in heftigen, manchmal aber auch etwas billigen Jump-Scares entlädt. Trotzdem zeigt Supermassives Adventure, dass das Heavy-Rain-Strickmuster, wenn man die Handlungsfäden feingliedrig miteinander verwebt, den alten Traum vom interaktiven Film zu greifbarer Realität werden lässt. Dass man selbst die Leben der jungen Erwachsenen in der Hand hält, macht Until Dawn auch in Gesellschaft zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit. Das perfekte Date-Spiel.

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Besser kann man Multiple Choice nicht machen - Hatoful Boyfriend.

Im September bewies das für die Spielauswahl bei PS Plus verantwortliche Team viel Humor, als es mit Hatoful Boyfriend unter anderem eine augenzwinkernde Vogel-Dating-Sim auf die Abonnenten losließ, um die zu ihrem Erscheinen seinerzeit eine Menge Wirbel gemacht wurde. Das Konzept ist aber auch dermaßen weit draußen: Eine Epidemie hat die Menschheit zu großen Teilen ausgelöscht, die Vögel sind nun intelligent und die vorherrschende Spezies rund um den Globus. Im Grunde die Handlung der Planet-der-Affen-Remakes, nur eben ohne Krieg und Geballer. Ihr seid der einzige menschliche Student an einer Schule für talentierte Vögel und geht dem nach, wofür sich hormongesteuerte Teenager eben interessieren.

Womit wir auch schon bei unserer Nummer 50 der Highlights aus fünf Jahren Instant Game Collection wären: Metal Gear Solid 5 erhitzte die Gemüter der Fans, weil sie die Saga um Big Boss lieber zu einem befriedigenderen und kompletteren Ende geführt gesehen hätten. Das ist ein sehr valider Grund, mit diesem Spiel auf Kriegsfuß zu sein. Und doch ist es ein Wunder, wie gut es auf spielerischer Seite unter den gegebenen Voraussetzungen geraten ist. Spielerisch mit Abstand der ausgereifteste und komplexeste Teil der Reihe, voller Überraschungen und Ideen, die einen auf dem falschen Fuß erwischen. Und mit einem Ablauf, der auf eleganteste Art jeden erdenklichen Weg offenlässt.

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MGS5: Operation gelungen, Patient tot.

Und selbst, wenn einen das Spielerische nicht kickt, ist MGS 5 immer noch eine wahnsinnig faszinierende Zeitkapsel, ein Sammelsurium an Indizien und Beweisen für die Tragödie, die sich hinter den Kulissen der Entwicklung abspielte und der wir nun zu verdanken haben, dass Hideo Kojima machen kann, was er schon länger vorhat: mal was Neues, ohne Snake, ohne Big Boss, ohne Management im Nacken. Es gibt etliche Gründe dafür, warum man MGS 5 mal erlebt haben sollte, falls man das noch nicht hat. Ganz egal, ob man am Ende unter den Verehrern landet oder nicht. Sucht euch einen aus - aber um Himmels Willen, spielt's endlich.

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