PRIM: Burton und Pratchett treffen sich in der Unterwelt - in einem Adventure aus Deutschland

Das Crowdfunding aus der Hölle läuft bereits

Ist die Aussicht auf Triple-A-Veröffentlichungen dieses Jahres auch noch... sagen wir mal: etwas mau, war für Indie-Fans kürzlich auf dem Steam Game Festival schon einiges geboten - vor allem für Freunde des gepflegten Knobelns mit allerhand Point-and-Click-Demos.

Zwar durfte ich schon ein paar vielversprechende Abenteuer-Perlen in Augenschein nehmen (zum Beispiel den Thriller Slender Threads), eine Spieledemo hat meine Aufmerksamkeit aber auch noch besonders erregt und den schwarzen, vertrockneten Gothic-Teil meines Herzens erobert: PRIM.

Inhalt

Dabei handelt es sich um ein Projekt vom Indie-Studio Common Colors, einem kleinen, international durchmischten Team unter der Leitung des deutschen Gründers Jonas Fisch. Okay, aber wer oder was ist ein PRIM? Hinter dem kurzen, knackigen Titel verbirgt sich ein morbid-charmantes Point-and-Click-Adventure in Schwarz-Weiß, das Vergleiche mit dem allgegenwärtigen Monkey Island und Stil-Größen wie Tim Burton und Terry Pratchett nicht scheut.

Die Kickstarter-Kampagne für das süß-makabre Spiel ist frisch gestartet und ich habe mir passend dazu einmal die kostenlose Demo angesehen - lasst euch sagen, Kinder der Nacht: der Tod sah selten so unterhaltsam aus!

Nervige Väter sind der Tod...

Die junge Prim teilt das Schicksal mit vielen anderen Mädchen, denn ihr Vater ist ihr zum Sterben peinlich, allerdings buchstäblich: Er ist nämlich Thanatos, der Tod aus der griechischen Mythologie. Eben die aufgeweckte Tochter des griechischen Sensenmannes ist in diesem Adventure die Hauptfigur - Prim Reaper, wie "Grim Reaper" - logisch, oder? (tatsächlich hab ich den Witz auch nur mit Hilfe des Prim-Erfinders bemerkt, ich gebe es ja zu).

Es brauchte nur wenige Demo-Minuten und die morbid-lustige Stimmung saugte mich regelrecht ein: Schon der Prolog zieht einen nämlich recht schwungvoll in eine andere Welt und es kommt wirkt, als würde gerade ein makaberer, aber komischer Animationsfilm von Tim Burton beginnen - Nur, dass man den auch noch selbst spielen darf.

Dazu steuert ihr die junge Prim nach kurzer Einleitung erst einmal mit klassischen Point-and-Click-Mechaniken durch ihr detailverliebtes Kinderzimmer, bekommt lustige Gegenstände wie zum Beispiel die Schweizer-Taschensense und kombiniert diese munter miteinander.

Daher also der obligatorische Monkey-Island-Pflichtvergleich für humorvolle Adventures, über den ich mich kürzlich schon beim Cyberpunk-Abenteuer Encodya ein wenig belustigt habe?

Totentochter trifft Guybrush Threepwood?

Tatsächlich sei es laut Jonas Fisch "vor allem der leichtfüßige Humor der Affeninsel, den wir ebenfalls zu treffen versuchen." Ihm zufolge vermischt das Spiel nämlich munter Elemente von Mythologie, Fantastik und Popkultur miteinander, wie man das schon aus Guysbrushs Abenteuern kennt.

Gut, der Humor wirkt leichtfüßig und ja, es gibt Popkultur-Anspielungen, der morbide (dennoch sehr gelungene!) Touch einer Gruselkomödie passt aber weniger zu Guybrush und co. Vielleicht muss man für die Affeninsel-Parallele aber auch noch etwas weiter spielen!

Spielmechanisch erinnert mich PRIM auch mehr an modernere Daedalic-Titel und das ist nichts schlecht. Das Indie-Abenteuer verbindet nämlich die typische Maussteuerung mit zeitgemäßen Features und das funktioniert in der kurzen Demo schon einmal ziemlich unkompliziert.

So mit der Maus bewaffnet, könnt ihr nun also Prim helfen, aus ihrem Zimmer zu entkommen. Sie hat nämlich Hausarrest, aber gleichzeitig eine wichtige Mission: Ein Menschenjunge erscheint ihr neuerdings im Traum und sie ist sich sicher, dass er ihre Hilfe braucht. Um dem wachsamen Vater zu entfliehen klickt ihr euch also durch die graue Unterwelt, kombiniert Gegenstände und löst auch schon ein kleineres Puzzle.

Sargball
Cascetball (Sargball) ist die Lieblingssportart der Unterwelt, ist doch klar...!

Alles Grau in Grau? Von Wegen!

Ein Adventure komplett in Schwarz-Weiß? Das schreit doch nahezu nach öder Tristesse? Nicht im Geringsten, denn die PRIM-Demo zeigt, wie überraschend "bunt" Schwarz-Weiß doch sein kann. Zahlreiche Schattierungen hauchen den handgezeichneten Bildern, die an Tuscheskizzen erinnern, auch ohne Farbe Leben ein.

Jonas Fisch vergleicht diesen Stil mit Filmemacher Tim Burton... Nur ein Werbespruch? Wenn, dann ist es ein treffender! PRIM erinnert nämlich wirklich sehr an Filme wie Corpse Bride und Co., bleibt allerdings so authentisch, dass es nicht wie ein lahmer Abklatsch wirkt. Ein geheimnisvoller Soundtrack und eine stimmungsvolle Syncho in Deutsch und Englisch unterstreichen das Ganze - gut, bisher hört man nur Prims Stimmchen.

Allzu viel Handlung erzählt die Demo nämlich noch nicht und neben Prim treten vorerst nur zwei andere Charaktere auf... oder eher 1 1/2? Neben dem Vater Thanatos, der eine charmante Gratwanderung zwischen imposant und albern-ulkig hinlegt, trifft man darin auch noch den frischgebackenen Sidekick unserer Totentochter: Ein wandelndes Auge.

Während berühmte Gruselclans wie die Adams Family ein eiskaltes Händchen haben, hat Prim also ein eiskaltes Äuglein... und das ist merkwürdig niedlich dafür, dass es nur aus einem Sehorgan mit Beinchen besteht.

Hades trifft das Viktorianische Zeitalter

Auch mit wenig Story in der Demo zeigt das Adventure schon einmal, zu welchem Ideenreichtum es fähig ist - und wie viele irrwitzige und lustige Einfälle wir vielleicht in einem vollständigen Titel erwarten dürfen, falls das fertige Spiel hält, was die Demo verspricht.

So spielt PRIM zwar in einem spinnwebig-düsteren Gothic-Zeitalter, orientiert sich aber auch an der griechischen Sagenwelt. In der Demo sieht man noch wenig mythologische Einflüsse, aber "dies wird sich ändern, sobald die SpielerInnen Prims Behausung verlassen und in das Reich der Toten eintauchen", so Jonas Fisch, "dort trifft man nämlich auf viele Persönlichkeiten und Orte, die - mal mehr, mal weniger frei - an die alten Göttersagen angelehnt sind."

So hat Thanatos als Gott des sanften Todes auch noch seine gewaltsamere Schwester Keres, die Tante von PRIM, die dem Entwickler zufolge durchaus noch eine Rolle im Adventure spielen könnte.

Auge
Prim und ihr praktischer, kleiner Sidekick: ein wandelndes Auge

Alles in allem war die Demo zu PRIM vor allem eines: Zu kurz, denn ich hätte liebend gern sofort weitergespielt. Das wenige, das ich gesehen habe, ernenne ich allerdings schon einmal zu meinem persönlichen Liebling unter den Adventure Demos der letzten Zeit. Ich bin wahnsinnig gespannt auf das fertige Produkt.

Bis die Tochter des Todes auf den Computerbildschirmen erscheint, dürfte es allerdings noch etwas dauern. Leider erschein PRIM nämlich nicht vor 2022 - dabei sterbe ich doch vor Neugierde! Ich werde dieses Projekt auf jeden Fall in meinem eiskalten Äuglein behalten.

Am 16.02. startete eine Kickstarterkampagne zum Spiel, mit der ihr euch neben einem hoffentlich witzigen Spiel auch ein paar Goodies sichern könnt - solange die Aktion noch läuft, denn PRIM hat das Crowdfunding-Ziel schon nach knapp einem Tag erreicht. Die kleine Totentochter scheint wohl schon jetzt einige Fans zu haben.

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Über den Autor:

Judith Carl

Judith Carl

News Redakteurin

Die Neue bei Eurogamer. Adventure-Freak und Fan von guten Geschichten. Begeisterte Sängerin. Mag Rollenspiel, Podcasts und Trashfilme.

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