Rabbids Go Home

Bwaaaaaaaaaaaaah!

Schluss mit Mini-Spielen! Kampf der Fuchtelei! Nach einer langen, harten Sitzung setzte die Hasen-Gewerkschaft ihrem Arbeitgeber Ubisoft die Pistole auf die Brust: Nach drei witzigen und auch partytauglichen Sammlungen hat die durchgeknallten Biester endgültig der Größenwahn ereilt. Die Forderung: Ein großes Singleplayerspiel, in dem die Hasentiere endlich das Rampenlicht für sich alleine haben, muss her – und der olle Rayman soll dabei bloß Zuhause bleiben. Und weil man sich nicht mit einer Horde durchgedrehter, zu allem fähiger Hasen anlegt, gab Ubisoft nach und schneiderte den chaotischen Nagern im prestigeträchtigen Studio Montpellier (wo bereits Titel wie das famose Beyond Good & Evil das Licht der virtuellen Welt erblickten) ihr eigenes Solo-Spiel auf den pelzigen Leib.

Das erkundet das tiefere Wesen der Rabbids und beschäftigt sich mit ihrem insgeheim sehnlichsten Wunsch. Die Rabbids haben irgendwie genug davon, den Menschen auf die Nerven zu gehen und würden gerne wieder nach Hause zurückkehren. Das Problem dabei: Sie haben keine Ahnung, wo sie herkommen. Aber der große Mond am Himmel sieht so schön aus – im Grunde können sie ja nur von da stammen. Also fassen die klügsten Rabbids den Plan, einen Turm bis zum Mond zu bauen. Alles was man dafür braucht, ist tonnenweise Krimskrams. Und den sollt ihr jetzt einsammeln.

Ja, die Prämisse ist beknackt. Genauso beknackt wie die Protagonisten und damit genau richtig. Denn mal im Ernst: Würde eine sinnvolle Handlung zu einem Spiel passen, in dem zwei geistesgestörte Hasen mit einem Einkaufswagen durch die Gegend wetzen, dabei schreien wie am Spieß und jeden Gegenstand einkassieren, der nicht angenagelt ist, um den dann in ihrem aberwitzigen Turm zu verbauen? Nein, natürlich würde das nicht passen.

Auf jeden Fall ist das Spielprinzip überraschend simpel ausgefallen. Die einzige Aufgabe der Hasen besteht darin, in den gut 40 Levels möglichst viel Chaos anzurichten und dabei so viel Gerümpel wie nur möglich aufzusammeln. Dazu kommt ein besonders großes Objekt, das in jedem Level das Primärziel darstellt. Per Nunchuck lauft ihr nun mitten durch die Gegner. Haltet ihr dabei den A-Knopf gedrückt, gibt es nochmal einen Geschwindigkeitsboost, der aber etwas auf Kosten der Kontrolle geht. Schüttelt ihr die WiiMote, gibt euer Hase seinen charakteristischen Hasenschrei von sich, der als primäre "Angriffswaffe" dient und den Leuten etwa die Kleider vom Leib pustet oder Hunde betäubt. Mit dem Z-Knopf könnt ihr schließlich einen weiteren Hasen aus der WiiMote feuern, um Hindernisse aus dem Weg zu schaffen oder einen Zugang zu öffnen. Auf Wunsch kann das auch ein zweiter Spieler übernehmen.

Dazu kommen ein paar levelspezifische Aufgaben und Spezialfähigkeiten. Mal steht ihr etwas unter Zeitdruck, mal ist die Umgebung dunkel und ihr müsst sie erhellen. Und ein anderes mal bekommt ihr durch ein aufgesammeltes, großes Objekt eine Spezialfähigkeit und könnt dadurch beispielsweise kurzzeitig schweben. Aber Ubisoft hat bewusst auf übermäßige Komplexität verzichtet, um das Rabbid-Abenteuer einfach und zugänglich zu halten. Die Steuerung ist schnell erlernt, das Prinzip schnell kapiert – es geht eben auch mal ohne zehnminütige Tutorials.

Einfach und stilvoll ist auch die Grafik ausgefallen. Die Umgebungen sind bewusst etwas nüchtern und steril gehalten. Orte wie Einkaufszentren und Bürokomplexe kommen in ihrem leichten Art Deco-Stil und den vielen Grautönen gewollt langweilig und spießig daher, bewusst dröge Lautsprecherdurchsagen der Marke "wer härter arbeitet, kann auch mehr kaufen" verstärken diesen Effekt nur noch.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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