Razer Huntsman Mini - Test: Kleinwüchsiger Spezialist

Schrumpfkur für Reiselustige.

Nachdem Martin die Corsair K65 RGB Mini zu klein war, sah ich dem Test der Huntsman Mini ein wenig sorgenvoll entgegen. Im Grunde sind das sehr vergleichbare Keyboards, technisch auf der Höhe des Machbaren und exzellent verarbeitet. Ich fragte mich, ob ich ebenso wenig Spaß mit einer 60-Prozent-Tastatur haben würde - und was soll ich sagen: So unterschiedlich können Geschmäcker sein! Für das, was sie sein will und wofür ich sie benutze, finde ich die Huntsman Mini perfekt.

Gleichzeitig muss ich sagen: Wenn es irgendwie geht, würde ich hiermit natürlich nicht den Großteil meiner Textverarbeitung erledigen. Aber die Huntsman Mini ist - wie der Name schon andeutet - gerne unterwegs auf der Jagd und weil ich aus logistischen Gründen mal hier mal dort eine Tastatur brauche, bin ich fast begeistert, was für einen Unterschied der Formfaktor macht: Sie liegt mit ihren nur 29 Zentimetern Breite bequem quer unten in dem nicht gerade riesigen 28-Liter-Patagonia-Rucksack, in dem ich meinen Gaming-Kram hin und her transportiere. Das ist... schlank!

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Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich in meinen Sachen jemals nach einem Keyboard wühlen musste. Selbst meine Ducky One Two Tenkeyless (die - Spoiler - meine Lieblingstastatur bleibt, weil sie flexibler einsetzbar ist) wirkt recht sperrig, und fällt einem immer als erstes entgegen, wenn man "on-the-road" ist. Die Huntsman Mini wohnt genau links der Grenze zwischen einem kleinen und einem eben nicht mehr so kleinen Gebrauchsgegenstand. Für mich tatsächlich ein klarer Pluspunkt, sich das Ding zu kaufen.

Dennoch merke ich erst, dass sie kleiner ist, wenn ich die Pfeiltasten brauche, was beim Schreiben relativ häufig ist, weil ich zwar sehr schnell, aber nicht sehr sauber tippe. Die liegen "unter" IJKL und sind im Zusammenspiel mit der fn-Taste rechts des rechten alt-Buttons mit einer Hand zu bedienen. Auch die F-Tasten, entf, ende und dergleichen sind alle per fn-Knopf, der rechts vom rechten alt liegt, abrufbar. Das ist gewöhnungsbedürftig und fühlt sich nach Notlösung an, aber das ist es in diesem Fall auch und in meinen Augen nicht weiter ehrenrührig. Beim Spielen spüre ich keinen Unterschied und weiß die Verarbeitungsqualität und die wunderbar befriedigenden "Opto-Mechanical Switches", wie Razer seine semi-optische Eigenkreation nennt, sehr zu schätzen. Für eine Turnier- und Reisetastatur mit Gaming-Fokus ist das in Ordnung.

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Von unten geht der saubere Eindruck weiter. Mit den Füßen winkelt ihr um 6 beziehungsweise 9 Grad an.

Das Testgerät kam mit den neuen lila Schaltern, die nach 1,5mm Weg klicken und dann unmittelbar auslösen, indem ein Laser durch ein Loch in der Basis des Switches fällt. 45 Gramm Kraftaufwand sollen dafür nötig sein. Cherrys MX Speed Silver löst ein wenig früher aus, aber auch unter demselben Druck. Laut Razer soll das neue Verfahren nicht nur schneller und genauere Eingaben ermöglichen, sondern auch die Langlebigkeit fördern, weil die Schalter weniger bewegliche Teile haben. Aber natürlich ist auch das Klicken eine Interaktion zweier Bauteile miteinander, sodass nicht vollkommen auszuschließen ist, dass mal ein Schalter den Geist aufgibt. Immerhin ist es nicht wirklich Kontakt, der hier etwas auslöst, eine potenzielle Schwachstelle wäre damit in jedem Fall ausgebügelt.

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Vom Tippgefühl gefallen sie mir selbst als Fan der leisen roten Cherrys noch sehr. Satt und befriedigend ist er, dieser Klick. Nicht ganz wie Luftpolsterfolie zerdrücken, aber beinahe. Man drückt gerne drauf und allzu laut ist es ebenfalls nicht. Weil auch hier dankenswerterweise Doubleshot-PBT-Tastenkappen verwendet werden - sowas war für ein paar Jahren noch ein Luxus-Upgrade für Keyboard-Liebhaber -, sitzen die Keys angenehm fest und kein bisschen klapprig auf ihrem Sockel. Sie fühlen sich wertiger an und ziehen weniger Schmutz an. Aber das galt für die Corsair auch. Ich bin in jedem Fall dankbar, dass die dünnen und abnutzungsanfälligen ABS-Kappen bei Premium-Tastaturen immer seltener zu sehen sind.

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Kein Gramm zu viel. Eher ein paar zu wenig für bestimmte Dinge. Weiß man das, ist das o. k. und auch nicht anders zu lösen, wenn man mit leichtem Gepäck reisen will.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Nun, die Faceplate unter den Tasten ist aus Metall, die Basis aus stabilem Kunststoff mit Prägedruck. Macht vom Anfassen her einen guten Eindruck. Mit gerade 700 Gramm ist sie auch nicht wirklich schwer. "Kompakt" im Handgefühl würde ich sagen. Vier Gummifüße halten die Huntsman Mini jederzeit stabil in Position, die Höhenverstellung ist zweistufig, was sich zum Glück die meisten guten Tastaturen angeeignet haben. Das lange USB-C-Textilkabel ist abnehmbar und per Razer Synapse Software regelt sich auch alles ziemlich angenehm. Allein, dass man die RGB-Beleuchtung, die durch schön saubere Fräsungen scheint, nicht im integrierten Tastaturspeicher sichern kann, ist etwas ärgerlich. Damit sich das Gerät die eingestellten Farben merkt, muss die Software im Hintergrund laufen. Warum?! Und ja: Eine Handballenauflage darf auch gerne dabei sein.

Razer Huntsman Mini Test - Fazit

Wie bereits angeklungen, ist das hier in meinen Augen eine Tastatur, die genau das bestens macht, was sie soll. Ein Spezialist für Leute, die viel unterwegs sind oder ihre Tastatur zum Gebrauch an verschiedenen Geräten oft quer durchs Haus schleppen und die damit leben können, einige Standardtasten nur über eine Doppelbelegung abrufen zu können. Ich hatte mich recht schnell damit arrangiert und die schön verarbeitete Huntsman Mini als Unterwegs- und Zweittastatur zum Gebrauch am Spiele-Laptop schnell liebgewonnen. 129 Euro sind natürlich nicht gerade wenig Geld, um eine so spezielle Use-Case-Lücke zu füllen. Aber in meinen Augen hat dieser Formfaktor eine klare Existenzberechtigung.

Wahnsinnig viele Freunde wird er nicht unbedingt finden, dieser kleine Spezialist. Aber eine ganze Reihe Liebhaber.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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