Red Faction: Guerrilla • Seite 2

Die Stunde der menschlichen Abrissbirne

Noch dazu sind die EDF-Kämpfer einigermaßen intelligent, suchen ständig Deckung und flankieren Euch. Wie es sich für einen Guerilla-Kämpfer gehört, müsst Ihr anfangs blitzschnell zuschlagen und sofort wieder abhauen. Und seid nicht zu stolz. Bevor Ihr wie meine Wenigkeit tausende Tode sterbt, versucht es erst einmal mit dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad – lässt sich Ingame ändern.

Die Herausforderung ist auch auf "Easy" hoch genug und sorgt trotzdem für einige spannende Kämpfe. Schade allerdings, dass Volition keine Stealth-Elemente eingebaut hat. Viel zu selten gelingt es, Euch unbemerkt bis zum Ziel vor zu stoßen. Da auf höheren Schwierigkeitsgraden eine Entdeckung fast immer der sicheren Tode bedeutet, eine manchmal etwas mühselige Angelegenheit.

Dafür ist das Missionsdesign relativ abwechslungsreich. Mal fahrt Ihr mit einem Buggy samt Raketenwerfer durch die Gegend und zerlegt Feindmaterial im Gegenwert von einigen Millionen, dann wieder klaut Ihr der EDF ein Fahrzeug und müsst es in einer bestimmten Zeit im Red Faction-Camp abliefern. Besonders brachial: Ihr schnappt Euch einen der drei verschiedenen Mechs oder einen Panzer, um innerhalb eines Zeitlimits drei Dutzend Fahrzeuge platt zu machen. Helft Ihr Euren Kameraden ein EDF-Gebäude einzunehmen beziehungsweise platt zu machen, gibt es eine besonders dicke Einfluss- oder Moral-Belohnung.

Fast alle Missionen drehen sich um Zerstörung. Wer so viel Arbeit und Kraft in eine aufwändige Physik-Engine steckt, möchte diese natürlich ständig vorführen. Meistens gelingt dieser Ansatz, aber manchmal geht er auch daneben. Gerade nach dem ersten Drittel macht sich eine gewisse Ermüdung breit, doch dazu später mehr.

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Das Design der EDF-Truppen ist eher langweilig.

Nach dem vielen Gerede um Aufträge, Gameplay-Struktur und Gegner-KI nun endlich ein paar Worte zum wichtigsten Feature: Der GeoMod-Engine 2.0. Im Gegensatz zu den Vorgängern kann man nicht mehr Löcher in den Boden reißen und so die ganze Landschaft deformieren. Volition hat sich voll und ganz auf die Level-Architektur konzentriert. Jedes Gebäude besteht aus tragenden Elementen und einfachen Wandplatten. Um es einzureißen, könnt Ihr entweder so viel zerstören, dass die gesamte Struktur nachgibt, oder aber wichtige Wände und Stützstreben.

Wird dann die Belastung zu groß, fällt das ganze Gebäude in sich zusammen und Ihr müsst aufpassen, nicht erschlagen zu werden. Die Faszination dieser essentiellen Spielmechanik erschließt sich wohl vor allem echten Kerlen, die auch gern mal Bagger fahren. Mal ganz abgesehen davon, dass sich auch richtige Puzzle-Missionen einfinden, in denen Ihr mit wenig Material oft gigantische Gebäude zu Fall bringen müsst, zieht Red Faction aus diesem Gameplay-Element einen großen Teil seiner Motivation.

Die aufwändige Technik hat aber auch einen Nachteil: Da viel Rechenkraft für die Physik-Engine drauf geht, ist die restliche Grafik höchstens Mittelklasse. Niedrig aufgelöste Texturen, ein generisches Design der EDF-Truppen und in der Xbox-Fassung pixelige Schatten sorgen für optische Ernüchterung – die PS3-Fassung liefert hübschere Schatten, besitzt dafür das deutlich schlechtere Anti-Aliasing. Zum Glück glänzen die Fahrzeuge mit ausgefallenem Design, die Explosionseffekte mit dem nötigen Wumms und der Tag- und Nacht-Wechsel mit genug Atmosphäre, um dieses Manko zumindest teilweise auszugleichen.

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Die erste Brücke ist was ganz besonders. Fast erotisch.

Wenn Ihr dann erst einmal mit Eurem dicken Spezialhammer ein Gebäude Stück für Stück auseinander nehmt, es mit gut platzierten Sprengladungen mit einem Schlag dem Boden gleich macht oder herumliegende Gas-Kanister einsetzt, sind solche Mängel schnell vergessen. Wer sich aber für diese Zerstörungswut nicht begeistern kann, darf an dieser Stelle aufhören zu lesen und sich ein anderes Spiel kaufen. Der Titel steht und fällt genau mit dieser Mechanik. Sie macht den Unterschied zwischen Standard-Ware und einer richtigen Empfehlung.

Damit Ihr die im späteren Verlauf immer größeren Gebäude vernichten könnt, gibt Euch das Spiel ein effektive Waffe an die Hand, die der Mechanik den richtigen Kick verpasst. Nach circa einem Drittel erhaltet Ihr ein Nano-Gewehr, das dank mikroskopisch kleiner Roboter die atomare Verbindung von Gegenständen auflöst. Für das Zerstörungbusiness ist der Unterschied ähnlich dramatisch wie bei einem Chirurgen die Arbeit mit einer dicken Metzger-Axt oder einem ultragenauen Laser-Skalpell. Selbst filigrane Bauteile lassen sich damit zielgenau auflösen. So zerlegt Ihr Türme und Brücken aus mehreren hundert Metern, löst feindliche Deckung einfach auf und bekämpft sogar menschliche Gegner und Fahrzeuge.

Aber keine Sorge, auch die restliche Waffen-Palette kann sich sehen lassen. Egal ob Mehrfach-Raketenwerfer, Black Hole Bombe, Gauss-Gewehr oder Panzerabwehr-Mine, wenn Ihr genug Schrott aufsammelt, um das Material zu bezahlen, bekommt Ihr ein prächtiges Arsenal zur Verfügung gestellt, das immer wieder Spaß macht.

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Kristian Metzger

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