Reportage zeigt massive Crunch-Times durch Outsourcing in großen Spielestudios

Ein unschöner Blick hinter die Kulissen.

  • Eine Reportage deckt Crunch-Times und Outsourcing in der Spielebranche auf
  • Chris Bratt spricht darin über die Erfahrungen von Insidern aus ausgelagerten Studios
  • Angestellte arbeiten dort teilweise bis 3 oder 4 Uhr morgens

Gerade im Zusammenhang mit Cyberpunk 2077 und CD Project Red gab es zuletzt große Diskussionen über das Thema Crunch-Time. Eine Video-Reportage auf YouTube führt nun zahlreiche Interviews mit Angestellten der Spielebranche und deckt einige Abgründe im Hinblick auf Überstunden und Outsourcing-Taktiken auf.

Bei Cyberpunk 2077 hieß es im Vorfeld bereits, die Angestellten müssten zum Release des Spiels hin keine extremen Überstunden ertragen. Der CEO des Unternehmens ließ sich sogar zum umstrittenen Satz hinreißen, die Arbeitsbedingungen seien "nicht so schlimm", wofür er sich allerdings später entschuldigte. Berichte von Seiten wie Bloomberg deckten nämlich recht schnell auf, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht und berichteten über Aussagen von Angestellten, die nach ihrer Aussage bis zu 100 Stunden die Woche arbeiten mussten.

Journalist Chris Bratt zeigt in einer Reportage nun noch ausführlicher auf, welche Ausmaße Überstunden teilweise in großen AAA-Spieleunternehmen annehmen und das alles unter einem Deckmantel: Outsourcing. Teilweise scheinen die Crunch-Times nämlich gar nicht in den eigentlichen Unternehmen stattzufinden, sondern in ausgelagerten Partnerstudios - die zwei Studios aus dem Video sitzen zum Beispiel in Malaysia und Indonesien.

Diese unbekannteren Unternehmen machen einen immensen Teil der Arbeit an großen Titeln aus. Mehreren Insiderberichten aus dem Video zufolge, die Chris Bratt für die Reportage eingeholt hat, arbeiten die Mitarbeiter dort auch teilweise bis 3 oder 4 Uhr früh, sodass sie nur noch zum Duschen nach Hause gehen können oder auf der Arbeit schlafen. Dabei sind die Studios nicht nur zum Teil völlig überarbeitet, sondern auch kaum bekannt und erhalten wenig Anerkennung für die Spiele, an denen sie mitgearbeitet haben.

Achtet vielleicht einmal auf dem Abspann wichtiger AAA-Titel im Hinblick auf Outsourcing: Zum Beispiel zeigt das Video die Credits von WarCraft 3, in denen nur ein kleiner Bruchteil direkt zu Blizzard gehört. Die Mehrheit der Angestellten stammt aus ausgelagerten Zusatz-Studios.

Im Video erzählen einige Betroffene, dass die Überstunden natürlich nicht explizit von der Führungsebene gefordert werden. Stattdessen werden die Angestellten mit einem toxischen Arbeitsumfeld, hohen Anforderungen und extrem knappen Deadlines offenbar dazu gezwungen.

Chris Bratt stellt in seinem Video die Frage nach der Funktion von Outsourcing und dass es sinnvoll ist, wenn man Aufgaben an andere Studios abgibt, falls diese zum Beispiel bessere Technik oder Expertise besitzen. In vielen Fällen scheint dies aber vor allem zu erfolgen, um Geld zu sparen und um Fälle schwieriger Arbeitsbedingungen vom eigenen Ruf wegzuschieben - ein extremer Trend.

Bei People Make Games handelt es sich um ein unabhängiges Format von Chris Bratt und Anni Sayers, das über Patreon-Spenden finanziert wird.

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Über den Autor:

Judith Carl

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News Redakteurin

Die Neue bei Eurogamer. Adventure-Freak und Fan von guten Geschichten. Begeisterte Sängerin. Mag Rollenspiel, Podcasts und Trashfilme.

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