Resident Evil 8 Village ist ein Best-of der Traditionsreihe

Oh, Lady Dimitrescu, wie hast Du es uns angetan!

Wisst ihr noch, wie das war, als 2015 die erste Kitchen-Demo von Resident Evil 7 die Runde machte? Also, erinnert ihr euch vor allem noch daran, wie keiner wusste, dass es sich um eine Machbarkeitsstudie für das nächste Resident Evil handelte? Die Diskussion darüber, ob Capcom endgültig den Verstand verloren hatte und sich dem auf Ego-Shooter fixierten Westen zu sehr anbiederte, wurde damals durchaus rege geführt. Konnte das noch Resident Evil sein, wenn man durch die Augen der Spielfigur blickte?

Der Rest ist Geschichte: Nach dem schwachen sechsten Teil, dem sichtlich die Ideen ausgegangen waren, fand Resi 7 großen Anklang, vor allem, weil es sich geschickt verjüngte und abseits der neuen Perspektive sehr wohl einige zentrale Werte der Survival-Horror-Reihe berücksichtigte. Ein fantastisches und ein gutes Remake der alten Spiele später, die bewiesen, dass auch die klassische Formel in zeitgemäßer Optik funktioniert, durfte man also gespannt sein, ob es in First-Person weitergeht.

Resident Evil zwischen gestern und heute

Diese Frage ist mittlerweile beantwortet. Ja, geht es, man schreitet also den neuen Pfad selbstbewusst weiter voran. Gleichzeitig streckt sich Village auch ein gutes Stück Richtung damals (auch wenn es hier um Vampire und Werwölfe statt Zombies geht), was vor allem den Ton und diverse spielerische Abläufe angeht. Schon im ersten Trailer wurde klar, dass Resi 8 wieder flamboyanter und schriller wird. Und der Eindruck bestätigt sich jetzt nur noch.

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Werwölfe kommen in verschiedenen Größen daher (alle Bilder auf dieser Seite sind ein Capture aus dem Gameplay-Video.)

Parallel zur zeitlich begrenzten ersten spielbaren Demo von Resident Evil 8 stellte Capcom uns über eine Stunde Videomaterial zur Ansicht zur Verfügung, das ein paar Dinge ein für alle Mal klarstellt: Zum einen, dass Resident Evil sich wieder richtig reinkniet, in schillernde Bösewichte, Charaktere, auf die B-Movie-Art "irre" erscheinen und unerklärliche Phänomene, die das grausame Geschehen auf unterhaltsame Art unserer Realität entrücken. Bei allem Dreck und Gekröse, ist Resident Evil weiter die Sorte "Alles-geht"-Gruselquatsch, die sich zugleich großzügig bei einschlägigen Genrewerken bedient und sich dennoch ihre eigene, überkandidelte Form bewahrt.

Das Resultat ist ein Spiel, bei dem man nie weiß, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Es ist die Sorte moralisch sauberer Horror, der Spaß an der Sache hat. Eher grotesk als verstörend. Anstatt mich zu fürchten, weiterzuspielen, konnte ich kaum erwarten, welchen seltsamen Einfall das Spiel als nächstes für mich bereithielt. Man kann die Entwickler beim Spielen beinahe vorfreudig kichern und sich die Hände reiben hören.

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Starke Szene gleich zu Anfang der Demo: So richtig rein traut man sich nicht, ins Gras.

Village und der Spagat zwischen gestern und heute

Die andere große Erkenntnis nach der Demo - die man leider nur einmal 30 Minuten spielen und niemals wirklich pausieren kann, was der eigentlich exzellenten Atmosphäre nicht guttut - und dem längeren Video wäre wohl, dass Capcom viel daran gelegen war, eine Nähe zu den alten Teilen herzustellen, vor allem dem legendären Resident Evil 4. Ein vage europäisches, von der Außenwelt abgeschnittenes Szenario, ein entführtes Mädchen, das es zu finden gilt - Ethans Tochter Rose, von der ich das erste Mal höre -, Türen und Fenster zum Verbarrikadieren, ein gigantischer, fettleibiger Händler, der an verschiedenen Stellen des Spiels auftaucht und Waffen, Upgrades und Heilgegenstände im Angebot hat - das kommt einem alles sehr bekannt vor.

Das gilt auch für die Action - denn nach allem, was ich gesehen habe, werden die Erkundungsmomente immer wieder von Kampfszenarien durchzogen, die vor allem mit Überforderung am Nervenkostüm der Spielerschaft zerren sollen. Es geht um Panik und Gejagtwerden, Situationen, die Überlebenswillen und Aktionismus triggern, seltener um Horror, der lähmende Todesangst emuliert. Auch wenn natürlich ein paar "ich trau' mich nicht"-Momente dabei sind, wie etwa in der frühen Szene, als man im Dorf ein verdächtig raschelndes Kornfeld durchqueren soll.

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Der Händler Duke taucht an verschiedenen Stellen im Spiel auf - und auch in Safe Rooms. Der Sprecher hat eine Menge Freude, die Figur zu verkörpern.

Gleichzeitig kommt im Schloss Dimitrescu, in das wir im Rahmen des Videos reinschauen durften, angenehme "Herrenhausatmosphäre" auf, die noch weit jenseits des vierten Teils in die Serienhistorie zurücklangt, um auch die Freunde und Freundinnen der Reihe abzuholen, die puristisch den alten Tagen gedenken. Das prunkvolle Anwesen konterkariert den allgemeinen Verfall des untergegangenen Dorfes drumherum sehr eindrucksvoll und willkommen.

Die typischen Rätsel mit Emblemen, die in irgendwelche Vertiefungen passen, sind ebenfalls Reliquien aus den Anfangstagen der Traditionsserie und wirken in der extrem detaillierten Grafik angenehm anachronistisch und unverdünnt "videospielig". An einer Stelle kommt sogar eine Kugelbahn zum Einsatz und es wäre wohl kein Resident Evil, wenn man nicht irgendwo ein Steinchen in eine Augenhöhle einer Statue einsetzen müsste. Dass an Schreibmaschinen gespeichert wird, ist so serientreu, wie es nur geht (auch wenn auf Farbband verzichtet wird) und selbstverständlich heilt man sich mit Kräutern, was denkt ihr denn?

Lady Dimitrescu - oder: Bosse, von denen man sich gerne zerquetschen lässt

Ich würde meine Arbeit wohl nicht richtig machen, wenn ich nicht über die drei Meter große Vampirfürstin Lady Dimitrescu sprechen würde, die schon seit den ersten Trailern Kult ist. Jetzt schon eine der coolsten Gegenspielerinnen der letzten Jahre, auch weil die Schauspielerin, die sie verkörpert, brilliant-joviale Arbeit macht. Gleichzeitig lässt sie die Grenze zwischen Bossgegner und Charakter fabelhaft verschwimmen. Nicht nur ist sie tragender Teil der Handlung, sie könnte auch das Village-Analog zu Mr. X beziehungsweise Nemesis werden. In einigen Szenen hört man ihre kräftigen Schritte auf der Suche nach Ethan im Flur oder in Nebenräumen und hier und da macht sie Jagd auf ihn, bei der einem nur die Flucht bleibt. Insgesamt wird man den Eindruck nicht los, Village scheint eine Art Best-of der Reihe abbilden zu wollen.

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Lady Dimitrescu ist nicht die einzige schillernde Gegenspielerin, mit der ihr es zu tun bekommt.

Leider lässt das Video keine Rückschlüsse darauf zu, wie viel hin und her und freie Erkundung nötig beziehungsweise möglich sein wird. Im gespielten Demo-Abschnitt durch Teile des Dorfes hatte ich das Gefühl, dass Village eher eine Reise von A nach B mit hoher, filmreifer Ereignisdichte, clever vorgetäuschter Freiheit und etwas Erkundung entlang des Weges sein wird. Die Schloss-Szenen im Video deuten aber an, dass man durchaus viel auf die Karte schauen wird, um sich zu orientieren. Und in einigen Bereichen tritt Ethan auf Balkone hinaus, die den Blick auf den gigantischen Prunkbau vollends freilegen. Vielleicht sieht man im Laufe des Abenteuers ja wirklich das ganze Schloss von innen?

Spielerisch fühlt sich Village der Demo nach zu urteilen vertraut an, gängelt die User aber nicht mit künstlicher Trägheit. Das hier steuert sich durchaus fix, die Widerstände der Dual-Sense-Trigger beim Zielen und Schießen vermitteln ein kraftvolles Waffengefühl - auch wenn die Lycanthropen sehr viele Treffer der normalen Pistole wegstecken. Schön ist die wiederkehrende Möglichkeit, Angriffe nahender Gegner durch Hochreißen von Ethans Armen abzuwehren und seine Widersacher zurückzustoßen, auch wenn man viele von ihnen lieber gar nicht erst so nah an sich ranlassen möchte. Das Spiel weiß um diesen Umstand und lässt seine Riege mal ekliger mal seltsam faszinierender Feinde regelmäßig ganz nah an Ethan herantreten.

Resident Evil 8 Village: Genug Rückspiegel, schauen wir nach vorne!

Auch wenn ich nicht sicher bin, ob eine zeitbeschränkte Einmaldemo, deren Countdown sich nicht pausieren lässt, eine gute Idee ist, um ein so atmosphärisches Spiel zu demonstrieren, freue ich mich doch wahnsinnig auf Resident Evil 8. Ich liebte das Remake des zweiten Teils und mochte das des schwächeren dritten zumindest lieber als das Original. Aber nach der Erinnerung an die guten, alten Tage bin ich bereit für das nächste Kapitel, bereit dafür, wie es mit Resi weitergeht.

Teil sieben war toll, hing aber, so losgelöst, wie es durch seine neue Perspektive, den finstereren Ton und seinen neuen Protagonisten war, ein wenig in der Luft. Mit Resident Evil 8 Village bekommt Ethan Winters endgültig den Boden dieses Universums unter die Füße -und steht mit einem Bein fest in der Vergangenheit, während das andere entschlossen in die Zukunft schreitet.

  • Entwickler / Publisher: Capcom
  • Plattformen: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S/X, PC, Stadia
  • Release-Datum: 7. Mai
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 70 Euro

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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