Resident Evil 8 Village: Weniger Texas Chainsaw Massacre, mehr Bram Stoker auf Wodka-Red Bull

Einmal durch die Maiden-Demo

Eine harte Kehre, die Resident Evil 8, beziehungsweise Village da hinlegt - zumindest, wenn es nach der Maiden-Demo geht, die neuerdings exklusiv auf der PS5 verfügbar ist. Nicht spielerisch, versteht sich. Da kocht Resi mit demselben blutroten Horror-Adventure-Wasser, wie man es seit jeher von der Serie erwartet, die neuerlich recht erfolgreich ihr Heil in der Ego-Perspektive sucht.

Aber tonal ist das hier doch eine deutliche Abkehr vom Hillbilly-Siff-Horror, der den letzten Teil so prägte. Selbst der Monster- und Body-Horror-Trash der Hauptreihe ist hier nur am Rande erkennbar.

Inhalt

Wenn man nicht weiß, ob man den Bossgegner furchterregend oder sexy finden soll...

Village leiht sich großzügig Pulp-durchsetzte Motive klassischer Gruselfilme, spielt mit Hexen-, Vampir- und Werwolfklischees, lässt seine Monstrositäten Spaß haben und fühlt sich damit extravagant und frisch an. Die verstörend gigantische, laszive Dame in Weiß mit ihrem schmissigen Hut war schon nach dem ersten Trailer Kult. Und wenn man in der Demo herausfindet, dass auf ihrem Anwesen Wein mit einer "besonders vollmundigen Note" gemacht wird, muss man kein Bram-Stoker-Fan sein, um zu ahnen, dass es sich bei Geheimzutat X um Jungfrauenblut handeln muss.

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In der Nahaufnahme wirken einige Sachen etwas grobschlächtig. Das Gesamtbild trübt das allerdings wenig.

Es ist alles so herrlich überdreht und auf die Gothic-Art farbenfroh und im toten Winkel einer einstmals so festgefahrenen Serie herangezogen, dass es eine Freude ist, hier durchzuspazieren. Die Maiden-Demo, die zum Artikelzeitpunkt noch nicht im Deutschen Store zu haben war (Anmerkung: Jetzt ist sie da!), startet dabei nach Standardformat. Ohne großen Story-Kontext startet ihr in diesem Abschnitt, der ähnlich der Kitchen-Demo des siebten Teils so nicht im Spiel enthalten sein wird, in einem Verlies voller Kerker- und Folterkeller-Generika. Halbierte Leichen baumeln von der Decke, in den randvollen Plumpsklos der maroden Zellen winden sich Maden.

Kennste einen Kerker, kennste alle!

Ich gebe zu, zu Anfang war mir das ein wenig zu bequem, zumal der Rost-und-alter-Backstein-Look ein bisschen zu viel Gelegenheit dazu gibt, die stellenweise nicht ganz zeitgemäßen Texturen zu inspizieren. Hatte bis vor Kurzem noch ein Zweifel daran bestanden, ob das Spiel auch auf PS4 und Xbox One erscheint, räumen vereinzelte Assets, wie eben die Kerkertapeten und bestimmte Objekte, diese nun nachhaltig aus: So sieht kein Spiel aus, das in erster Linie mit der Next-Gen im Blick entwickelt wurde. Dennoch ist es hübsch, oder wird es ein paar Räume später, nicht zuletzt, weil die 60fps den Augen schmeicheln, sondern auch weil die RE Engine zusammen mit der sicheren Art Direction gut Arbeit leistet, die Umgebung zum Leben zu erwecken.

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Der erste Hingucker-Moment, als man aus dem Verlies entflieht.

Diese Demo kommt ohne jegliche Action-Elemente daher, hat viel von Walking-Simulator, wenn ihr Notizen lest, erst einen Bolzenschneider und dann, nach ein paar durchtrennten Ketten, einen Dietrich findet, um unter dem Gehämmer eines ungesehenen Feindes auf der anderen Seite einer Bretterwand durch die abschließende Tür in den nächsten Bereich zu gelangen. Ein Gewölbe voller Wandfresken und einen dreckigen Hauswirtschaftsraum später krabbelt man durch einen alten Kamin, erkennt einen hervorstehenden Ziegel als versteckten Knopf und steht plötzlich in einem prunkvollen Herrenhaus mit elfenbeinweißen, Blattgold-verzierten Wänden.

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Auch hier geht es weiter, wie man es kennt - gruslige Geräusche, rappelnde Türen, hier eine Halskette aufgelesen, da eine Liste mit Namen studiert, die Schauriges erahnen lässt, dort auf dem Boden eines übergroßen Weinkelches einen Ring mit einem kristallenen Auge gefunden, das einer Statue im Obergeschoss zu fehlen scheint. Trotz der Neuausrichtung fühlt sich das alles noch sehr nach Resident Evil an. Seltsame Schlüssel-und-Schloss-Mechaniken, die sich nur ein Videospieldesigner ausdenken kann, ein ebenso gutes Gespür für subtiles Vorausahnen und gänsehautwürdige Schreckmomente versprühen vertrautes Resident-Evil-Feeling. Von den Schreibmaschinen-Sounds, die das einleitende Anlegen des Startspielstandes untermalen, ganz zu schweigen.

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Hach!

Der Moment, in dem ich begriff, dass Resident Evil 8 gut werden muss

Mein Lieblingsmoment war einer, der dem exzellenten Umgebungsdesign zu verdanken war. Auf der oberen Ebene des Herrenhaus-Foyers gehe ich um die Ecke und lunze den Gang hinunter, wo ich glaubte, ein Geräusch vernommen zu haben - nur um im Dunkeln direkt links von mir ein weißes Gewand zu erahnen. Als mein Blick langsam nach oben wandert, erkenne ich, dass es eine gewaltige weibliche Form kleidet und oben der bekannte Hut mit breiter Krempe... auf einem nicht vorhandenen Kopf - nur eine gewaltige Statue der Vampir- oder Hexendame aus dem Trailer.

Bis zu diesem Punkt hatte die Demo mir die Werteste mehrfach nur angedroht. Mit Schatten oder indem eine weiße Gestalt an einer einen Spalt breit offenen Tür vorbeihuschte. An diesem Fleckchen Herrenhaus steht sie plötzlich scheinbar neben mir. Das war schon meisterhaft gemacht, auch wenn sonst nicht viel mehr passiert, als dass man die Umgebung auf sich wirken lässt, sich wundert, warum man bei den vielen Kommoden immer nur die Schublade links oben nach Gegenständen durchsuchen darf. Für mich hat das als Teaser bestens funktioniert und mich gut für die Stimmung von Village vormariniert, was man schon daran erkennen kann, dass ich für diese Netto kaum mehr als zehn Minuten Content im ersten Anlauf locker eine halbe bis Dreiviertelstunde gebraucht habe.

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Schon jetzt ein heißer Anwärter auf den besten Charakter 2021!

Über Village an sich sagt die Demo unterdessen wenig aus. Sie ist auch kein neues P.T., nicht einmal ein neues The Kitchen, das war deutlich mysteriöser - wenngleich ich auch Maiden noch weiter nach Easter-Eggs und Hinweisen abklopfen möchte. Aber sie ist ein willkommener, verstohlener Blick durchs Schlüsselloch auf Resident Evil 8, der Rückschlüsse auf Look und Technik zulässt und ein schönes Gefühl davon vermittelt, in welche Richtung es für Ethan Winters diesmal gehen wird. Als solches schürt Maiden einfach nur Vorfreude darauf, diesen Weg mit ihm zu Ende zu gehen. Komme, was wolle! Mehr kann man nicht erwarten.

  • Entwickler / Publisher: Capcom
  • Plattformen: PS5, PS4, Xbox Series S/X, Xbox One, PC
  • Release-Datum: 7. Mai 2021
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 70 Euro, keine Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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