Retro auf Raten - Wii Virtual Console

Von Helden, der Sünde und viel Ballerei

Hanabi Festival! Hanabi, wörtlich übersetzt „Feuerwerk“, ist ein kleines Experiment von Nintendo, um den europäischen Gaijin, sinnhaft übersetzt „ahnungsloser Barbar“, auf der Virtual Console ein paar der Titel vorzustellen, die es nie offiziell bis nach Europa geschafft haben. Was man nicht kennt, wird schnell zum Mythos, besonders, wenn es aus den Kreativhallen so illustrer Entwickler wie Treasure, Irem und Konami stammt. Seid also gespannt, was Euch und ganz Europa die letzten 10-20 Jahre entging.

Weniger mythisch und wirtschaftlich sehr bodenständig zeigt sich trotz Festivalcharme Nintendo selber, die Euch für mindestens zwei der Titel ein paar Euro, beziehungsweise Punkte mehr vom Konto locken wollen. Nun, Exotisches war schon immer teurer und für den einen oder anderen Titel – zum Beispiel Sin & Punishment - wurde obendrein ein wenig Übersetzungsarbeit geleistet. Wenn also die Qualität stimmt, kann man das diesmal wohl durchgehen lassen.

Sin & Punishment

sin
  • Plattform: N64
  • Entwickler: Treasure
  • Erschienen: 2000
  • Kostenfaktor: 1200 Punkte
  • PAL-Optimierung: Nein
  • Wii-Mote Unterstützung: Nein

Falls Euch Sin & Punishment so gar nichts sagt, braucht Ihr Euch auch als eingefleischter N64-Veteran nicht schämen. In Japan nennt sich der Geheimtipp vom Entwicklers Treasure (Radiant Silvergun) Tsumi to Batsu: Chikyu no Keishousha, was auch viel besser zur generischen, für das Wii übersetzten Japanohandlung passt: Anime-Mädels treten in seltsamer Zukunft gegen böse Mutanten zum Kampf um die Erde an.

Vergleichbar mit Segas Panzer Dragoon steuert Ihr die Heroine, hier per Pedes unterwegs, in teilweise halsbrecherischem Tempo auf festen Pfaden durch die abwechslungsreichen Level und werdet sicher in den ersten Minuten mehr mit der Steuerung als den Monstern ringen. Die Trennung von Bewegung und Zielerfassung wirkt zunächst gewöhnungsbedürftig, sobald Ihr aber den Bogen raus habt, steht einem wilden Ritt nichts mehr im Wege.

Dieser fordert Euch auch einiges ab und spätestens bei aberwitzigen Gefechten hoch über der Erde, an Bord von Flugzeugträgern und in finsteren Alien-Anlagen ist bei dem hohen Tempo und schnellen Drehungen ein fester Magen gefragt. Riesige Gegner, die den Bildschirm einnehmen, hektische Bewegungen, kleine Aliens, die das Blickfeld zu Dutzenden füllen, überall Schüsse, einen Feind hier anvisiert, dort einen Schuss mit dem Schwert abgewehrt, immer schneller und extremer - kurz: eine wahre Achterbahnfahrt!

Leider dauert das Abenteuer auch nur unwesentlich länger als besagter Ritt mit dem Fahrgeschäft. Nicht mal eine Stunde, dann ist eine der eindrucksvollsten Demonstrationen der N64-Hardware auch schon wieder vorbei. Nach drei großen Leveln zieht der Abspann durchs Bild. Profis sollten sich also keine Sekunde mit dem voreingestellten „einfach“ aufhalten, wenn sie wenigsten einen Abend lang den Hauch einer echten Aufgabe verspüren möchten.

Mit dem rasanten, spaßigen und gut spielbaren Trip zeigt Treasure, was sich aus dem N64 herausholen lässt und trotz der fehlenden Herausforderung und seiner Linearität wird Euch Sin & Punishment einige Male an das Pad zurück locken.

Wertung: 4/5 Goldmünzen

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

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Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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