Gangs of London

Bitte erschießt mich und zwar ganz schnell!

Es gibt wirklich hartnäckige Entwickler, die selbst nach dem größten Flop samt vernichtenden Kritiken stur an ihrem Konzept festhalten. Schon The Getaway bewies, dass eine nette Grafikengine und eine annehmbare Story noch kein vernünftiges Spiel machen. Dasselbe Bild bei den Nachfolgern: Statt konsequent die Probleme mit der hakeligen Steuerung und dem verkorksten Spielkonzept anzugehen, wurde die Serie von Folge zu Folge immer belangloser. Während Sony den ersten Teil noch als System-Seller verkaufte, reichte man die Fortsetzungen nach unten durch. Als gutmütiger Tester gibt man trotzdem jedem Entwickler noch eine Chance und so ging ich relativ unbelastet an Team Soho's neuestes Machwerk Gangs of London heran - schließlich kommt das ohne ein Getaway-Anhängsel daher. Tja, dumm gelaufen!

Viele Gangs, wenig Abwechslung

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Nein, das ist nicht Matrix Reloaded. Die Gegner sind alle eineiige Zwillinge.

Der Einstieg ist noch recht gut gelungen, denn die stimmungsvollen Grafiken und die abwechslungsreichen Gangs sorgen gleich zu Beginn für viel Atmosphäre. Der Spieler bekommt stimmig die Hintergrundgeschichte rund um die Unterweltschlacht vermittelt und fühlt sich bei den herrlich skrupellosen Bösewichtern hervorragend aufgehoben. Auch wenn kräftig bei GTA geklaut wurde, scheint der London-Hintergrund zunächst mit seinem ganz eigenen Charme viel Abwechslung zu bieten. Doch schon nach den ersten Missionen wird klar: Unter der Gang-Oberfläche lauert das durchgekaute Getaway-Konzept, das mit seinen seelenlosen 3D-Figuren und den öden Missionen eigentlich schon oft genug langweilte. Die wenigen Änderungen, wie der taktische Kampf mit Hilfe von Squad-Membern und die Möglichkeit zwischen den Figuren hin und her zu wechseln, machen bei so viel Mittelmaß kaum noch einen Unterschied.

Grafik auf Playstation-1 Niveau

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Die gegnerischen Fahrzeuge sind nicht nur gleich hässlich, sondern besitzen auch noch die gleiche Farbe

Wie schon bei den Quasi-Vorgängern, darf man sich in der Londoner-Innenstadt nicht frei bewegen, sondern sucht seine Missionen auf einer Karte aus. Meistens muss der Spieler irgendjemand töten, einfangen oder verfolgen. Alles schon mal gesehen, gehört und gespielt. Die mäßige Grafik, die mageren Animationen und das schwache Design sind eine Beleidigung fürs Auge. Hauptdarsteller, Gegner und Fahrzeuge sind schlecht texturiert. Die Bewegungen passen oft nicht zu der ausgeführten Aktion und peinliche Lücken im Polygon-Kleid zerstören jede Illusion von Realität. Die Stadt selbst ist in den Fahrsequenzen recht ordentlich geraten, wenn auch die verwinkelten Straßen von London kaum für rasante Autorennen geeignet sind. Das alles wäre nicht so dramatisch, wenn nicht irgendein Schlauberger auf die Idee gekommen wäre, den Spieler mit hässlichen Reisschüsseln und langweiligen Ami-Schlitten durch die Gegend zu schicken.

Höhepunkt Mini-Games

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Arme Gangster: In solchen Plastikhobeln rollen die durch die Gegend.

Aber keine Sorge, die London Studios haben noch ein paar ganz andere Schmankerl auf Lager, die das Spiel endgültig ins Abseits befördern. Angefangen mit der erneut schwachen Steuerung, die selten das tut, was man möchte, über die wirklich lächerlichen Kampfanimationen, bis hin zu den viele Grafikfehlern - ein richtiges Desaster. Auch der seltsame Gang-Wars-Modus, der sich als schlaffe Rundenstrategie-Posse entpuppt, kann da nicht mehr viel raus holen. Genauso überflüssig: Ein Free-Roaming-Modus, bei dem der Spieler mit den langweiligen und hässlichen Autos eben durch diese verwinkelte, meistens überfüllte Stadt fahren darf. Während bei The Getaway wenigstens die Grafik solch eine Funktion rechtfertigte, ist sie bei Gangs of London angesichts der Konkurrenz eines GTA: Vice Vity Storys eher ein schlechter Witz.

Einziges Kaufargument für enthusiastische Pub-Fans: Ein gut gemachter Dart-Simulator, das typisch britische Skittles und eine schicker Pool-Billiard. Im Gegensatz zum Rest des Games sehen die drei Mini-Spiele hervorragend aus und machen sogar eine Menge Spaß - wäre da nur nicht der Zwang sich ein paar Stunden mit der Story zu beschäftigen, um alles frei zu schalten.

Team Soho befindet sich komplett auf dem Holzweg und scheinbar sagt es ihnen niemand. Deswegen noch mal ganz klar und von mir ganz persönlich: Das Konzept funktioniert nicht! Da helfen auch kein neuer Anstrich, ein paar Alibi-Änderungen und ein neuer Name. Das Spiel ist und bleibt ein weiterer, mäßiger Getaway-Nachfolger, den wirklich kein Mensch braucht. Warum verhält sich das Entwickler-Team nur so stur und setzt sich bei jedem neuen Versuch über eine ganze Menge Gamedesign-Regeln hinweg? Bitte, schmeißt das Konzept endlich über Bord. Die 4 gibt es übrigens nicht für das Spiel als solches, sondern einzig und allein für die Mini-Games – die machen nämlich richtig Spaß!

4 /10

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Über den Autor:

Kristian Metzger

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