Ridge Racer 2

Dreiste Fortsetzung des Adrenalin-Racers

Man ist ja von Namcos Ridge Racer Serie so einiges gewohnt. An allen Ecken und Enden wird recycelt, was das Zeug hält. Und spielerische Neuerungen muss man bei jeder weiteren Inkarnation mit der Lupe suchen. Ob es die Konsolenversionen sind, die vom Automaten abkupfern oder umgekehrt: im Prinzip darf sich ein Spiel nur Ridge Racer schimpfen, wenn mindestens zwölf Strecken und die Hälfte der Autos wieder verwendet wurden. Doch bei Ridge Racer 2 auf der PSP ist Namco zu weit gegangen.

Der einzige Kommentar im Redaktionssystem: Spielt sich genauso wie der Vorgänger. Das Schlimme daran? Dieser beiläufige Satz fasst Ridge Racer 2 perfekt zusammen. Beim ersten Einlegen der UMD traute ich meinen Augen nicht. Mal abgesehen vom FMV-Intro, wurde das Design des ersten Teils ohne jede Veränderungen direkt übernommen. Die zwei hinter dem Spielnamen klingt da wie Hohn. Namco hat sich noch nicht mal die Mühe gemacht, die Hintergrundanimationen auszutauschen. Gibt es vielleicht unter der polierten Motorhaube etwas mehr zu finden, als aufgewärmte Strecken und ein paar frische Sportwagen?

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Bei der Minimap werden Automaten-Gefühle wach.

Gleich bei den ersten Kurven die Ernüchterung. Abgesehen von ein paar netten Lichteffekten, wurde optisch nichts, aber auch gar nichts verändert. Auch beim Gameplay Altbewährtes. Man dreht in typischer Ridge Racer Manier mit den japanischen Fantasie-Autos sein Runden, sammelt durch das Kurven-driften Turbo-Treibstoff und erarbeitet sich ein Zusatzauto nach dem Anderen. Das Fahrmodell verzeiht immer noch jeden Fehler und führt einen fast wie auf Schienen durch die Kehren. Die Grafik ist immer noch schick und das Geschwindigkeitsgefühl hervorragend. Das Drift-System jagt immer noch Adrenalin durch die Venen und führt nach einer Weile zu einem regelrechten Trance-Zustand. Die Strecken sind abwechslungsreich und…. – Theoretisch könnte man diese Aufzählung stundenlang fortführen oder noch besser, einfach den Großteil des alten Test hier hinein kopieren. Da Wiederholungen aber langweilig sind und Copy & Paste zu sehr auffällt, muss ich mich wohl oder übel auf die wenigen Neuerungen konzentrieren.

“Neuerungen“ wäre bei den Rennstrecken dann allerdings auch übertrieben. Um die Lücken im Gesamtprogramm der Ridge-Racer-Serie zu schließen, reihen sich die sieben Rundkurse aus Ridge Racer Type 4 in die Parcours ein. PSP-Besitzer genießen somit die gesamte Strecken-Kollektion der ersten fünf Teile. Optisch setzen diese sieben Fahrbahnen zwar deutliche Akzente, spielerisch darf man jedoch keine allzu großen Überraschungen erwarten. Brücken, Berge, Staudämme und Wasserfälle, dazwischen noch ein paar Fluggeräte, fertig ist ein typisches Rennoval. Natürlich stellt Namco auch ein paar frische Sportgeräte bereit, doch die Prollschüsseln gehen in der homogenen Masse der Plastikdosen komplett unter. Sieht man von den Spezialfahrzeugen (Batmobil, Dig Dug Hijack, etc.) ab, ist es mit den Highlights rar bestellt.

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Kräftig abgedriftet.

Selbiges gilt für die Soundkulisse. Wie nicht anders zu erwarten, bekommt der Spieler routinierte Motorengeräusche und Techno aus den Neunzigern serviert. Irgendwie gehört das zwar zu Ridge Racer, wenn aber der Rest so lustlos ausfällt, geht einem der Happy-Hardcore mächtig auf die Nerven. Selbst das erste Wipeout bewies, dass Techno nicht monoton und langweilig sein muss. Trommelwirbel, Stakkato-Bässe und Weichspüler-Flächen machen die einzelnen Songs genauso überflüssig, wie den Rest des Spiels. Vielleicht muss Namco mit der Serie endlich mal wieder einen Flop landen, damit die Entwickler aufwachen und der Marke wieder Leben einhauchen.

Bis hier hin klingt mein Urteil vernichtend und viele Fans werden mir den Teufel an den Hals wünschen. Doch unter all der Wut und Verzweiflung steht nur die Liebe zur Serie, die sich mit Ridge Racer 2 nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Gäbe es nicht den ersten Teil, wäre auch Namcos neuster Abstecher auf die PSP ein erstklassiger Adrenalin-Hammer, der auf der kleinen Konsole keine Konkurrenz zu fürchten braucht. Auf Basis dieser Aussage gibt es trotz der saftigen Enttäuschung eine saubere 7. Wer aber schon den ersten Teil besitzt, wird Ridge Racer 2 als Schlag ins Gesicht empfinden. Während es bei Wipeout-Fusion die Extra-Strecken noch kostenlos zum Download gibt, muss man dafür bei Ridge Racer 2 satte 50 Euro hinlegen. Vor allem die echten Fans werden wahrscheinlich trotzdem in den sauren Apfel beißen und das Geld auf den Tisch legen, weil sie ohne ihre Dosis Ridge Racer einfach nicht leben können.

7 /10

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Über den Autor:

Kristian Metzger

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