Sam & Max: Culture Shock

Hund und Hase glücklich vereint

13 lange Jahre waren sie von der Bildfläche verschwunden. Und LucasArts selbst vergeigte zwischenzeitlich eine Wiederauferstehung. Wer die Story nicht kennt: Am 3. März 2004 stampfte die Spieleschmiede unerwartet den Titel kurz vor Release wieder ein. In unserer Adventure-Kolumne von letzter Woche gibt’s noch mehr Infos zu dem Vorfall. Dank des kleinen Entwicklerteams Telltale Games kehren sie letztendlich doch noch auf den PC zurück: Sam und Max.

Das zum Brüllen komische Duo aus Hund und Hase von Comicautor Steve Purcell, geht ab Anfang November als Freelance Police wieder auf Verbrecherjagd. Sam & Max: Culture Shock heißt die erste Folge einer sechsteiligen Staffel, von der Telltale jeden Monat eine neue Episode nachschieben will. Der klare Vorsatz: Ein Adventure zu bieten, das es mit dem originalen Sam & Max: Hit the Road! aufnehmen kann.

Ist das überhaupt möglich? Telltale Games scheint hier das richtige Händchen zu haben. Schon mit der ersten Szene in Sam & Max: Culture Shock stellt sich das lang ersehnte Flair ein und Hund und Hase versprühen erneut ihren schrägen Charme. Max balanciert einen Apfel auf seiner Rübe. Sam zielt mit dem geliebten Revolver drauf, ermahnt seinen Freund nicht wieder zu schreien und dann klingelt das Telefon im Büro der Freelance Police. Der gewaltverliebte Hase stürmt los, die Pfote grabscht ins Leere. Sein wunderbar animiertes 3D-Gesicht verzieht sich zu einer irritierten Grimasse und ich sitze prustend vor dem Bildschirm. Gut trainierte Lachmuskeln sind gewissermaßen Systemvoraussetzung für das Adventure. Als ich wieder Luft bekomme, steht das erste Rätsel an: Wo zum Geier ist das verdammte Telefon?

Abgefahren, aber sinnig

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Max hat immer einen Spruch auf Lager, der für einen Lacher gut ist.

Wie bei fast jedem Puzzle des Spiels liegt die Lösung aber sehr nahe; bereits nach wenigen Mausklicks taucht das gute Stück wieder auf. Wo es war? Verrate ich nicht. Dann beginnt die eigentliche Hintergrundgeschichte: Aus irgendeinem Grund verteilt eine Horde früherer Kinderstars hypnotisierende Videos und pflastert die Wände der Stadt mit Graffiti ihres Gurus zu. Der Auftrag für die Freelance Police ist klar: Den Spuk stoppen und den Drahtzieher dingfest machen.

Dabei kommen sie leider nicht allzu weit herum. Im Wesentlichen beschränkt sich das etwa drei Stunden lange Spielgeschehen auf gerade einmal vier Locations: Das Büro unserer beiden Brachial-Cops, einer Gemischtwarenhandlung, sowie die Praxis einer Psychiaterin in der gleichen Straße und ein verlassenes Theater. Dort geht schlussendlich das große Finale über die Bühne. Mit dem Auto suchen Sam und Max außerdem auf der Straße nach Gesetzlosen.

Obwohl die Handlung sich also auf einen recht kleinen Raum beschränkt, greifen die Entwickler nicht zu aufgesetzt wirkenden Rätseln. Stets steht die Gehirnarbeit in Verbindung zur Geschichte. Wir brauchen Geld? Na, dann schröpfen wir doch ein paar Verkehrssünder! Aber was, wenn sich die braven Bürger nicht gesetzwidrig verhalten? Logisch: Dann helfen wir nach. Der Nachteil des eingeschränkten Spielwelt zeigt sich lediglich darin, dass die Lösung für alle Probleme eben beinahe immer auf der Hand liegt. Für besonders Rätselfreudige ist das Spiel dadurch zu einfach.

Stimmige Präsentation

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Unser dynamisches Duo erreicht den Ort des Verbrechens.

Technisch bewegt sich Sam & Max: Culture Shock auf dem Niveau von Telltales Bone-Episoden. Das ist grundsätzlich weder besonders aufregend noch wirklich up-to-date, wird aber durch liebevoller Detailarbeit wett gemacht. Welcher Adventurefan denkt schon über die mangelnde Schärfe von Texturen der 3D-Umgebungen nach, wenn er sich in dieser Zeit genauso darüber amüsieren kann, dass vor einem WC eine Terroranzeige aufleuchtet, während jemand sein Geschäft verrichtet?

Ein gebührendes Lob gibt’s auf jeden Fall für die tolle Arbeit der Charakterdesigner: Die Figuren sind so fantastisch animiert, ihre Mimik ist so perfekt eingefangen, dass unsere Comichelden nahezu lebensecht wirken. Gepaart mit der gelungenen Synchronisation im Grunde also ein hervorragend inszeniertes Gagfeuerwerk. Gute Englischkenntnisse sind dabei allerdings absolut empfehlenswert, damit auch wirklich kein Scherz untergeht. Denn eine deutsche Version ist so schnell nicht in Aussicht.

Noch etwas Erwähnenswertes? Ach ja: Die Steuerung. Da hat sich Telltale für den minimalistischen und unproblematischen Weg entschieden. Ein Schnellinventar am unteren Bildschirmrand, die linke Maustaste zum Herumwandern und Benutzen von Gegenständen, die rechte, um Objekte zu untersuchen. Weil verwendbare Items nie zu klein oder unscheinbar geraten sind, braucht Ihr Euch um leidiges Pixelhunting keine Gedanken zu machen.

Episodische Perfektion

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Autofahrer aufgepasst! Die Freelance Police kennt keine Gnade.

Wenn alles wie geplant funktioniert, ist Telltale darüber hinaus das erste Entwicklerteam, das den Onlinevertrieb im Episodenformat wirklich sinnvoll umsetzt. Etwa alle vier Wochen will man ab dem 1. November einen neuen Teil der Serie veröffentlichen und so lange Wartezeiten vermeiden. Nach sechs Folgen ist die erste Staffel abgeschlossen. Das klingt schon alles sehr gut durchdacht, doch dazu gesellt sich noch ein mehr als fairer Preis: Für gut 28 Euro bekommt Ihr alle sechs Episoden. Die einzelnen Folgen kauft der geneigte Spieler für knapp 7 Euro auf der offiziellen Website. Klasse!

Ohne noch lange Reden zu schwingen: Wenn Euch auch nur irgendetwas an humorvollen Adventures liegt, kauft Sam & Max: Culture Shock! Telltales erste Episode lässt Euch schmunzeln, grinsen und manchmal gar brüllen - vor Freude. Wer es gerne schwierig hat, wird zwar beanstanden können, dass die Rätsellösungen zu offensichtlich sind. Für alle anderen aber schnürt Telltale ein rundum gelungenes Wohlfühlpaket zum Bestpreis.

9 /10

Ab 1. November geht die Freelance Police hier monatlich mit neuen Episoden auf Streife.

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Über den Autor:

Tom Schaffer

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