Tiger Woods PGA Tour 08 • Seite 2

Wenig Neues auf der Tiger-Tour

Dieses Bild zeigt, wie der Ball rollen würde und theoretisch lässt sich damit jeder Schlag auf dem kürzesten Grün zielsicher versenken. Theoretisch. Praktisch scheint die Anzeige nicht ganz zu stimmen und wer sich nur danach richtet, wird seine Bälle immer zu kurz oder lang spielen. Die Faustregel von 1 Inch in der Vertikale = 1 Foot in der Länge gilt übrigens nach wie vor und sollte Euch in Verbindung mit der Kamera trotz des Mankos zu Meistern des Grüns erheben.

Als ziemliches Desaster empfinde ich persönlich den neuen Faktor „Selbstvertrauen“. Sollte Euer Alter Ego mal ein paar richtig miese Runden spielen, sinkt sein Selbstbewusstsein und Ihr werdet leichter einen Schlag verreißen. Als würde das so nicht schon häufig genug passieren! Wenn ich ein paar Runden vermasselt habe, sinkt mein reales Selbstbewusstsein und die ziemlich penible Analogsteuerung besorgt den Rest, da bedarf es keines weiteren künstlichen Faktors. Die Auswirkungen sind nicht episch, aber für eine „Nervig!“-Einstufung reicht es allemal.

Nach dieser mehr oder minder missratenen Neuerung stimmt einen jedoch ein Blick auf den Umfang des Spiels wieder gnädig. TW 06 stellte in dieser Richtung Negativrekorde auf, TW 07 machte schon fast alles richtig und TW 08 ist jetzt der König des Funktionsumfangs. PGA-Tour, FedExCup, Tiger Challenge, ein Dutzend klassischer Spielmodi und eine ganze Reihe neue und alte Minispiele inklusive aller denkbaren Statistiken, bieten genug Auslauf für alle Golfgeschmäcker und monatelange Golforgien.

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Gleichberechtigung muss sein: Hier Annika Sorenstam auf dem Fairway.

Eine kleine, aber feine Änderung ist die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie viele Runden ein PGA-Wochenende haben soll. Ich empfand immer physische Schmerzen bei dem Gedanken, Pebble Beach viermal in Folge zu spielen, jetzt reichen auch ein oder zwei Durchgänge. Wer also als letztes im Jahr 2006 spielte, wird angesichts dieser Optionsflut entzückt sein, zu 2007 fehlen im Solospiel hingegen einfach entscheidende Erweiterungen. Von allem ein wenig mehr rechtfertigt nicht den Neukauf.

Auch im Onlinebereich hat sich in den letzten 12 Monaten nicht so viel getan, wie EA Euch suggerieren möchte. Neben der schon vorher verfügbaren Möglichkeit, so ziemlich jede Art von Spielvariante übers Netz auszutragen und sich von wildfremden Menschen im Tournament Mode demütigen zu lassen, ist die wichtigste Neuigkeit das GamerNet. Am einfachsten lässt es sich als eine Art Youtube für die TW-Golfer beschreiben.

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Schön anzuschauen und praktisch nutzlos: Die 'Wespen'-Kamera.

Habt Ihr einen tollen Schlag oder Zuschauertreffer gelandet, könnt Ihr ihn jetzt unkompliziert der ganzen Welt präsentieren. Die ebenfalls neue Variante des Gamerface ist für diese Art der Selbstdarstellung bestens geeignet. Solltet Ihr ein brauchbares Profil-Foto von Euch als Datei besitzen, bastelt Euch das Programm ein erstaunlich ähnliches Konterfei für Euren Golfer zusammen. Ob Ihr das natürlich wirklich wollt, müsst Ihr schon mit Euch, Eurem Selbstbewusstsein und Eurem Spiegelbild ausmachen.

Tiger Woods PGA Tour ist auch in der 2008er-Runde wieder eine Offenbarung für alle Golf-Fans, zumindest für solche, die nicht schon 2007 auf dem Platz standen. Es entbehrt aber trotzdem nicht einer gewissen Faszination, wie Tiger Woods PGA Tour es jedes Jahr aufs Neue schafft, irgendetwas zu verschlimmbessern und sich selbst um die Spitzenwertung zu bringen. In Sachen Spielumfang, Onlinemodi oder Optik TW 08 Vorwürfe zu machen, wäre ungefähr so sinnvoll, wie Tiger Woods Tipps zum Thema Kurzspiel geben zu wollen. Dass sich EA auch diesmal nicht die 9+ Punktewertung in den Trophäenschrank stellen darf, liegt an dem überflüssigen künstlichem Selbstvertrauen, dem zu empfindlich eingestellten Analog-Swing und der noch nicht optimalen Puttvorschau. Nicht traurig sein, Tiger, vielleicht klappt es ja dann im nächsten Jahr. Und das kommt mit Sicherheit....

8 /10

Tiger Woods PGA Tour 08 erschien nicht für Xbox 1, Gamecube und C64. Ansonsten ist es aber für jedes aktuelle System erhältlich. Ja, in Kürze auch für Mac und DS.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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