Roller Champions macht Lust auf mehr - aber ein Problem hat Ubisoft seit 2019 nicht gelöst

Noch einmal mit Gefühl.

Ist das wirklich schon mehr als eineinhalb Jahre her, dass Ubisoft zur E3 2019 Roller Champions das erste Mal zeigte? Was hat da so lange gedauert und warum spiele ich immer noch eine geschlossene Beta? Bitte? Was eine "E3" ist!? Das war eine Messe, mit schon damals ungesichertem Fortbestand. Hm? Eine "Messe"? So nennt man in großes Zusammentreffen vieler Tausender Virenschleudern in einer Veranstaltungshalle, die anstehen, um an durch gegrabbelten Controllern die Viren ihres Vordermannes einzusammeln, bis man alle hat. Bitte? Paranoid? Sicher doch, wie kommt ihr gerade durch den Tag?

Aber hey, zurück zum Spiel: Roller Champions hat mir damals schon recht gut gefallen, auch wenn gewisse Sportspiel-typische Eigenheiten in meinen Augen dagegen sprachen, dass dieses Spiel einen vergleichbaren Sog wie zum Beispiel das unverwüstliche Rocket League entwickeln würde. Jetzt, 20 Monate später, geht mir das immer noch nicht anders. Aber wir fangen am besten von vorne an...

Inhalt

Ein Funsport-Spiel - kann doch eigentlich nicht so schwer sein, oder?

In Roller Champions treten zwei Dreier-Teams auf Rollschuhen in einer ovalen Arena - einer Rennstrecke eigentlich - gegeneinander an, um einen Ball in ein Tor zu bugsieren. Um überhaupt erst Scoren zu können, muss die Mannschaft mit dem Ball eine komplette Runde im Uhrzeigersinn absolvieren. Sitzt der anschließende Wurf - oder Dunk -, bekommt die Mannschaft einen Punkt und bei fünf Punkten ist Schluss. Eigentlich ziemlich simpel, und dank einfacher Steuerung auf der Strecke begreift es auch schnell jeder. Schnell bewegt man sich durchaus sicher durch diese längste Fullpipe der Welt, und setzt Schwer- und Fliehkräfte durch überlegtes Schwungholen im Gefälle clever ein.

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Spannung kommt durch eine interessante Risk-Reward-Rechnung ins Spiel, die jeder für sich selbst aufmachen muss: Dreht man mit dem Leder - wenn es denn Leder ist - zwei vollständige Runden, gibt es bereits drei Punkte und schafft man drei Runden, ohne dass der Ballbesitz nach einem erfolgreichen Tackling oder Steal wechseln würde, sogar fünf, die direkt den Deckel auf die Partie machen. Insofern: Wäre das hier ein echter Sport, ich könnte mir vorstellen, dass er nicht ohne Fans und Zuschauer bliebe.

Was hat sich getan, im langen, kurzen Seuchenjahr 2020?

Angesichts des großen Abstandes zu meiner letzten Session könnte ich nicht einmal sagen, was sich seither getan hätte - nur, dass mir die drei Stunden "VIP"-Session, die Ubisoft der gestern gestarteten Beta für die Presse voranstellte, durchaus Spaß gemacht haben, denn das grundlegende Regelwerk dieses Fantasiesports geht einfach gut auf. Der zentrale Kritikpunkt, den ich habe, stößt mir aber auch eineinhalb Jahre nach meinem Erstkontakt noch etwas sauer auf - und ich hoffe, daran wird noch gearbeitet: Ein Tor zu erzielen ist rein mechanisch ein wenig unbefriedigend. Jedenfalls, wenn man den Ball wirft. Das Zielen einfach per vorgezeichneter Flugkurve vermittelt einfach kein Ballgefühl, kein Feeling für das Spielgerät an sich.

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Man platziert keinen Schuss (gilt auch für die Pässe) und bekommt nicht dieses Kitzeln in den Fingerspitzen, wenn man schon vor der erlösenden Torsirene in Rocket League oder dem Jubel der Fans in Pro Evo weiß: "der kommt gut!" Diese Games vermitteln schon, wenn die Schnauze des Autos beziehungsweise der Spann des Spielers die Kugel trifft, ob der Torversuch aussichtsreich ist. Bei Roller Champions ist das einfach nicht drin. Was sich allerdings wirklich exzellent anfühlt: Nach Art eines Dunks mitsamt des Balles durch das kreisrunde Tor hindurchzufliegen, was anscheinend auch andere Spieler so sehen, denn viele versuchten sich daran. Insofern bin ich mit der eher lahm durchautomatisierten Wurfmechanik zumindest zur Hälfte versöhnt.

Die geschlossene Beta, die noch bis Anfang März läuft, wird sicher weiter Aufschluss über das Potenzial von Roller Champions geben. Ich kann nicht sagen, dass ich keinen Spaß gehabt hätte, thematisch und in Sachen Ablauf ist es eigen genug, um sich zumindest anfangs ein wenig hervorzutun und bei einem Free-to-play-Spiel wie diesem, reicht das manchmal vollkommen, um eine kleine, aber feine Fangemeinde direkt zum Start um sich zu scharen. Darauf kann man aufbauen - wenn sich denn Ubisoft so langsam mal traut und das Spiel endlich mal herausbringt, schließlich ist es schon längst Zukunft!

  • Entwickler / Publisher: Ubisoft
  • Plattformen: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S/X, Switch (angespielt auf PC)
  • Release-Datum: 2021 - schätze ich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: Free-to-play, kosmetische Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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