Seltsame Entscheidungen der Spieleindustrie - Teil 1

Die frühen 80er: Gingst Du nicht Pleite, warst Du nicht dabei.

Wir sind alle Menschen, wir machen alle Fehler. Natürlich bestehen auch Firmen trotz aller juristischen Konstruktionen aus Menschen. Sie kommen nicht von fernen Sternen – außer Microsoft natürlich, danke für die schönen Xboxen und geliebte Alien Overlords – und so machen auch sie Fehler. Trotzdem mögen wir Euch, weil Ihr Firmen da draußen uns meist schöne Spiele und tolle Hardware gebt. Nehmt es uns also nicht böse, dass wir ein wenig Eure Fehltritte ans Licht holen. Wer den Schaden hat, ist nie um ein wenig Spott verlegen. Wir haben Euch trotzdem lieb. Sofern Ihr diese Desaster denn überstanden habt...

Hier geht es nicht um ein kleines Spiel, dass mal nicht so toll wurde – keine Sorge, liebe Club Drive-Programmierer, heute ist nicht Euer Tag – sondern die Tage, an denen jemand so richtig daneben gegriffen hat. Und solche Fehler sind so alt wie die Spielegeschichte selbst. Und diese beginnt auf kommerzieller Ebene mit Atari.

E.T. ist in der Wüste begraben

Na gut, zu Beginn erst mal ein richtig schlechtes Spiel: E.T. Auf dem Atari 2600. Ich will erst gar nicht davon anfangen, warum dieses Machwerk nicht zu Unrecht zum Übelsten zählt, was Euch irgendwo in diesem Universum passieren kann. Das könnt Ihr woanders wunderbar und wahrscheinlich besser nachlesen. Hier sei nur darauf hingewiesen, dass irgendjemand im Atariland der wilden 80er nicht so gut rechnen konnte.

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Alamogordo, New Mexico. Irgendwo hier liegt E.T. vergraben.

Sicher, E.T. war damals so groß wie irgendwas nur werden kann, aber auch in dieser Internet-losen Zeit spricht sich ein solches Machwerk schnell herum. So schnell, dass von den immerhin fünf Millionen produzierten Modulen nur ein winziger Bruchteil an den Mann gebracht werden konnte. Es lag vielleicht auch ein wenig daran, dass weltweit gerade mal 10 Millionen 2600 zu der Zeit verkauft waren und nicht jeder zweite Besitzer der Konsole E.T. haben wollte. Die überschüssigen 4,999 Millionen Module liegen übrigens in der Wüste vergraben. Kein Witz. Suchen müsst Ihr aber nicht auf der Mülldeponie von Alamogordo, New Mexico: Die Module wurden vorher zerstört.

Das gleiche mathematische Genius legte übrigens kurz zuvor die zu produzierende Anzahl der Pac Man-Module fest: 12 Millionen. Vielleicht möchten ja zwei Millionen 2600-Eigner ein Pac Man auf Reserve in den Schrank legen. Nur zur Sicherheit halt...

Atari wollte das NES nicht haben

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David Crane: Allein für das Lächeln hätte er doch schon mehr Gehalt verdient, oder?

Besser gerechnet hätte man 1980 auch bei den Gehältern von vier speziellen Programmierern, unter Ihnen David „Pitfall“ Crane, die sich ein klein wenig daran stießen, praktisch allein Multimillionendollarhits zu schreiben, aber in keiner Weise an den Gewinnen beteiligt zu sein. Stattdessen gab es winzige, feste Gehaltsschecks. Nach einem heftigen Streit verließen sie Atari und gründeten Activision. Diese vier Leute lieferten bis zu diesem Zeitpunkt 60% von Ataris Umsätzen. Da wäre wohl eine kleine Weihnachtszulage drin gewesen.

Auch wenn dies sicher ein Wendepunkt für den Erfolg von Atari war, hätte man vielleicht, aber nur wirklich ganz vielleicht, die komplette finanzielle Implosion der Firma und damit auch des praktisch gesamten westlichen Videospielmarktes abwenden können, wenn man nur einen einzigen Deal im Jahr 1983 abgeschlossen hätte. Der damals komplett unbekannte japanische Videospielhersteller Nintendo wollte seine erste frei programmierbare Konsole, das Nintendo Entertainment System, durch den Giganten Atari in den USA und Europa vermarkten lassen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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