Sin and Punishment: Successor of the Skies

Laser-Symphonie

Eine atemlose Jagd durch eine verfallene Großstadt liegt hinter mir, der Lauf meiner Pistole glüht immer noch. Ich habe mir den Weg durch zahllose Scharfschützen und Soldaten mit Schnellfeuergewehren geschossen, habe wilde Pirouetten durch das Häusermeer gedreht und bin gleißenden Lasern ausgewichen. Ich habe gepanzerte Wagen in die Luft gejagt und einen Kommandanten mit einem tückischen Laser-Bumerang erledigt. Vor mir liegt ein Tor, Held Isa meint, hier könne man kurz verschnaufen. Das kommt mir gerade recht.

Doch was ist das? Ein weiterer Boss taucht auf, ein Kerl in Schwarz mit Laserpeitsche, der sich fast stets mit einem Energieschild schützt und dafür den Bildschirm mit Geschossen füllt. Gerade so besiege ich auch ihn, mit schweißnassen Händen will ich mich zurücklehnen und meinen wohlverdienten Sieg genießen. Aber zu früh gefreut, der richtige Bosskampf kommt erst jetzt: Eine gigantisches Steinmonster, das entfernt an eine Schildkröte erinnert, wirbelt durch einen Tunnel und heizt mir mit seinem Feueratem ein. Also... tief durchatmen, und los geht der Kampf. Das hier beschriebene Szenario ist nicht etwa der finale Höhepunkt von Sin and Punishment: Successor of the Skies... Das ist der erste Level!

Eigentlich ist das aber keine Überraschung. Immerhin ist Sin and Punishment im Hause Treasure entstanden, und Treasure gilt seit seiner Gründung im Jahre 1992 als Experte für brachiale Action-Infernos, gnadenlose Hardware-Schinderei und vor allem die furiosesten Bosskämpfe der Videospielgeschichte. Gunster Heroes, Alien Soldier, Radiant Silvergun, Bangai-O oder Gradius V - wer seine Actionspiele mit einer gepflegten extra-Dosis Kawumm und vielen originellen Einfällen mag, der kommt um Treasure nicht herum. Und wer hätte es gedacht, auch auf der Wii, eigentlich ja kaum das System, bei dem man an dynamische, grafisch opulente Actionspiele denkt, liefert das Team um Firmengründer Masato Maegawa einen der besten Titel seiner langen Geschichte ab.

Im Grunde ist Sin and Punishment ein Rail-Shooter... HALT! Nicht gleich das Fenster schließen! Ja, ich weiß, wir sind die gefühlten tausend Rail-Shooter für die Wii trotz ihrer unbestrittenen Qualitäten alle irgendwie leid. Aber Sin and Punishment ist spielerisch eine völlig andere Baustelle als Dead Space Extraction oder Resident Evil: Darkside Chronicles. Anstatt das Spiel aus der Ego-Sicht zu zeigen und euch auf Schienen durch eine Baller-Geisterbahn zu lenken, legt Sin and Punishment nicht nur einen höheren Gang ein, ihr habt auch stets die volle Kontrolle über eure Figur.

Ihr seht Held Isa oder Heldin Kachi meist von hinten durch die acht Level rennen oder fliegen. Der Kurs ist dabei zwar vorgegeben, aber ihr könnt euch innerhalb des Sichtfelds frei bewegen. Das Spieltempo ist dabei durchgehend hoch, auf Puzzles verzichtet Treasure komplett. Euren Hirnschmalz setzt ihr eher dafür ein, die Taktiken der zahlreichen Bossgegner zu verstehen. Ihr weicht Geschossen und Barrieren aus, sammelt Pick-Ups für Extrapunkte oder Lebensenergie auf und schießt auf alles, was sich bewegt. Vermeidet ihr gegnerische Treffer, steigt der Punkte-Multiplikator höher und höher.

Per Nunchuk-Analogstick manövriert ihr eure Figur, per WiiMote richtet ihr das Zielkreuz aus. Alternativ dürft ihr auch mit Classic- oder Gamecube-Controller antreten, das Spielgefühl ist aber mit WiiMote und Nunchuk am besten. Das A und O bei Sin and Punishment ist es, stets in Bewegung zu bleiben, damit die aggressiven Gegner euch nicht sofort ins Visier nehmen und abschießen. Hilfreich ist dabei vor allem eine flinke Ausweichrolle, die nicht nur dem schnellen Ortswechsel dient, sondern euch auf für den Bruchteil einer Sekunde unverwundbar macht. So könnt ihr selbst massive Laserbarrieren unbeschadet überwinden.

Aber vor lauter Ausweicherei solltet ihr die Offensive nicht vernachlässigen. Eure Schnellfeuer-Laserwaffe ist zwar nicht aufrüstbar, wird aber recht souverän mit kleinem Gegner-Geschmeiß fertig. Für größere Kaliber oder massive Ansammlungen ladet ihr per A-Knopf kurz einen krachenden Superschuss auf. Isa visiert einen Gegner an und freut sich über einen ordentlichen Wirkungsradius, Kachi kann auch mehrere Widersacher gleichzeitig aufs Korn nehmen. Doch ihr könnt nicht permanent die großen Geschütze auspacken. Nach einem Einsatz muss das durchschlagende Supermanöver kurz neu aufladen, der Einsatz will also wohl überlegt sein.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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