Sniper Ghost Warrior Contracts 2 - Test: Nichts für Ungeduldige

Schleichen und leise sein.

Das Kern-Gameplay stimmt und macht Spaß, die Story ist zum Vergessen und hier und da hakt's technisch. Solide Scharfschützenkost!

Sind euch Spiele wie Doom Eternal oder Call of Duty zu schnell, zu hektisch? Habt ihr es lieber ein wenig ruhiger, gemächlicher? Von Zeit zu Zeit steht mir der Sinn danach und einige der früheren Sniper-Spiele von CI Games spielte ich ganz gerne. Leise vorgehen, schleichen, die perfekte Position finden und Feinde ausknipsen, ohne dabei einen Kratzer abzubekommen oder entdeckt zu werden, hat seinen ganz eigenen Reiz. Ein Gefühl, das das neue Sniper Ghost Warrior Contracts 2 ebenfalls gut vermittelt.

Wenn ihr euch danach sehnt, erfüllt Sniper Ghost Warrior Contracts 2 eure Wünsche und ist eines der besten Scharfschützenspiele der letzten Jahre. Was nicht heißt, dass es insgesamt großartig wäre, so viele gibt es davon ja nicht. Es ist eine solide Fortsetzung des Vorgängertitels, der aufgrund vieler Probleme in der Kritik stand. Das Gute ist, dass Ghost Warrior Contracts 2 im Kern funktioniert, beim Drumherum schwächelt es hier und da.

Mal wieder Trubel im Mittleren Osten

Zum Beispiel bei der klischeebeladenen Geschichte, in der ihr natürlich mal wieder einen westlichen Sniper spielt, der im Mittleren Osten mithilfe seines Scharfschützengewehrs für Recht und Ordnung sorgt (was in der Realität immer so gut funktioniert). Und zwar in einem fiktiven Staat namens Kuamar zwischen dem Libanon und Syrien. Dessen Diktator wurde ermordet und seine Witwe möchte dafür Rache nehmen, daher droht ein Krieg in der Region und ihr sollt das verhindern.

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Da unten in der Ferne wartet euer Ziel auf euch. (Sniper Ghost Warrior Contracts 2 Test)

Sagen wir es so: es ist keine Story, der ihr großartig Beachtung schenken müsstet. Konzentriert euch vielmehr aufs Gameplay, damit seid ihr besser beraten. Primär geht es im Spiel darum, dass ihr nach Möglichkeit leise vorgeht, ohne jedes Mal Großalarm auszulösen. Passiert das trotzdem, habt ihr noch ein Sturmgewehr und eine Pistole bei euch, um euch zu verteidigen. Viel mehr Spaß macht es aber, wenn ihr euch wirklich bemüht, eure Feinde einzeln aus dem Weg zu räumen, ohne die anderen zu alarmieren.

Sniper Ghost Warrior Contracts 2 und die Freude am Schleichen

Da ist Geduld und Beobachtungsgabe gefragt, während ihr euch Positionen und Bewegungsmuster der Widersacher einprägt, euch langsam voran pirscht und auf den richtigen Moment zum Zuschlagen wartet. Und wenn das gelingt, verschafft euch das Spiel dabei ein gutes Gefühl. Gleichzeitig bestraft es euch nicht direkt mit einem "Mission failed"-Bildschirm, wenn es einmal doch nicht so ganz funktioniert wie gedacht.

Mithilfe der CryEngine hat CI Games hier fünf große und weitläufige Karten designt, auf denen ihr euch mehr oder weniger frei bewegt - es ist kein echtes Open-World-Spiel, in dem ihr überall hin könnt, bietet aber einige Freiräume - und die jeweiligen Hauptziele in der Reihenfolge erledigt, wie ihr es möchtet. Auf eurem Weg gibt's ab und an kleinere Nebenaufträge zu erledigen und Sammelobjekte zu finden, sodass ihr da ein wenig Abwechslung hat.

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Noch weiß er nicht, was ihn gleich erwartet. (Sniper Ghost Warrior Contracts 2 Test)

Als Scharfschütze ist euch natürlich daran gelegen, euer Hauptziel aus großer Entfernung auszuschalten - und da kommt ihr jeweils an einen Punkt, an dem ihr einen guten Überblick über eine feindliche Einrichtung in der Distanz erhaltet. Ihr packt euer Fernglas aus, schaut euch alles im Detail an, entdeckt neben Gegnern auch explosive Fässer oder Möglichkeiten zur Ablenkung. Gleichzeitig könnt ihr solche Fässer nutzen, um euer Ziel auszuschalten - oder ihr lasst einen Container, der an einem Haken hängt, mit einem gezielten Schuss euren gesuchten Gegner zerquetschen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Auf die richtige Technik kommt es an

Dabei sind unter anderem der Wind und die Entfernung zu beachten, eure Hauptziele schaltet ihr meistens aus über einem Kilometer Entfernung aus. Gleichzeitig habt ihr Zugriff auf verschiedene Gadgets, zum Beispiel eine Drohne, mit der ihr Sicherheitssysteme hackt und Ziele markiert. Oder ihr stellt ein praktisches, mobiles Geschütz auf, das markierte Gegner mit einem Schuss aus den Soldatenstiefeln haut. Verschiedene Herausforderungen, zum Beispiel das Ausschalten von Zielen auf unterschiedliche Art, belohnen euch mit Geld und sind ein Ansporn, eine Mission noch einmal mit anderer Vorgehensweise beziehungsweise Lösung ausprobieren. Mit Geld könnt ihr zusätzliche Aufsätze für die Waffen kaufen und über Skillpunkte eure Fähigkeiten weiter verbessern. Stück für Stück verbessert ihr so eure Skills und werdet zur echten Tötungsmaschine. Was nicht heißt, dass ihr dann nicht weiter ruhig und bedacht vorgehen müsst. Das ist hier immer gefragt.

Technisch betrachtet sieht Sniper Ghost Warrior Contracts 2 in seinen weitläufigen Arealen ansehnlich aus, wenngleich es nicht hervorsticht oder andere Spiele mit seiner Grafikqualität in den Schatten stellt. Als ich anfing, es zu spielen, lief es auf der Xbox Series X zudem noch recht unrund und ich hatte nie das Gefühl, ein in puncto Bildrate konstantes Spiel zu spielen. Glücklicherweise hat ein in dieser Woche veröffentlichte Patch diese Probleme allem Anschein nach ausgemerzt und jetzt fühlt es sich - zumindest in den Passagen, die ich seitdem spielte - so flüssig an, wie es normalerweise sein sollte.

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Manche Kills werden inszeniert, indem ihr der Flugbahn der Kugel folgt. (Sniper Ghost Warrior Contracts 2 Test)

Bewegungstechnisch hakt's hier und da ein wenig an manchen Kanten und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich könnte auf spezielle Animationen beim Plündern von Gegnern, die mir für kurze die Kontrolle entreißen, gerne verzichten. Die KI ist in Ordnung und agiert weitestgehend erwartungsgemäß, ist aber vereinzelt nicht vor Aussetzern gefeit, wenn Soldaten eher unbedacht vorgehen und mitten durchs offene Terrain rennen, obwohl sie wissen, dass dort ein Scharfschütze darauf wartet, dass sie exakt diesen Fehler begehen.

Sniper Ghost Warrior Contracts 2 Test - Fazit

Wenn Scharfschützenspiele euer Ding sind, kommt Sniper Ghost Warrior Contracts 2 zur rechten Zeit. Im Kern funktioniert der Titel und spielt sich gut, über die Story hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens und hier und da gibt's ein paar technische Aussetzer. Es ist definitiv besser als sein Vorgänger, der ganz große Wow-Effekt bleibt indes aus. Am Ende ist es solide Scharfschützenkost, mit der ihr einige unterhaltsame Stunden verbringen könnt, ohne dafür den üblichen Vollpreis zahlen zu müssen.

Ihr könnt Sniper Ghost Warrior Contracts auf Amazon.de, im PlayStation Store sowie im Microsoft Store kaufen.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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