Square Enix und Sega setzen kein gutes Zeichen für den Klimaschutz, indem sie NFT-Pläne verfolgen

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Bei manchen Trends oder Erfindungen denke ich mir mittlerweile echt, dass ich zu alt für den Scheiß bin. Kryptowährungen sind so eine Sache. Oder seit Neuestem die NFTs (Non-Fungible Token), ein Geschäft, in das in Zukunft auch die beiden Publisher Square Enix und Sega einsteigen möchten.

Es ist noch nicht lange her, als ich erstmals von NFTs hörte. Und mir dachte: what the fuck ist das jetzt wieder? Kann sein, dass es euch ähnlich geht, wenn ihr bisher nichts davon mitbekommen habt. Vereinfacht gesagt ist es das digitale Pendant zum Kunstmarkt. Mithilfe von Blockchain-Technologie verleiht man einem digitalen Objekt somit eine gesicherte Signatur, die ihm einen einzigartigen Aspekt verleiht, ob jetzt einem Meme, einem Musikstück, einem Video, einem GIF oder was auch immer. Es geht hier nicht um das eigentliche Kunstwerk - ein GIF lässt sich schlecht wie ein Gemälde an die Wand hängen -, ebenso wenig um die Urheber- und Verwertungsrechte. Was ist ein NFT also am Ende? Ein Kaufnachweis, ein Echtheitszertifikat. Eines, das nicht unlösbar mit dem erworbenen Objekt verbunden ist, es lässt sich weiterverkaufen.

Verkauft wurden zum Beispiel ein virtueller NFT-Rennwagen der Formel 1 (zirka 113.000 Dollar) oder vom FC Bayern lizenzierte NFC-Spielerkarten (zirka 31.100 Dollar). Ihr merkt, es wird eine Menge Geld damit umgesetzt. Es ist im Grunde wie bei echter Kunst, deren Preise nicht immer nachvollziehbar sind. Die Käufer beziehungsweise Käuferinnen können bei einem solchen Objekt dann sagen, dass es ihnen gehört - selbst wenn es bereits tausend- oder millionenfach kopiert wurde. Ob das jetzt Sinn ergibt oder sonderlich erstrebenswert ist, sei dahingestellt.

Wie Ethereum funktioniert

Bei den meisten NFT-Transaktionen wird wiederum die Blockchain-Kryptowährung Ethereum eingesetzt. Und darin liegt das eigentliche Problem, vergleichbar mit anderen Kryptowährungen: es ist nicht gerade förderlich für die Umwelt, solange der Großteil der Energie noch durch fossile Brennstoffe erzeugt wird. Im Falle von NFTs setzt Ethereum auf einen "Proof of Work". Das heißt, dass ein Computer komplexe Puzzles lösen muss, um der Blockchain neue Blöcke hinzufügen zu können. Damit nicht zu schnell viel Ethereum generiert wird, erhöht man die Schwierigkeit dieser Puzzles künstlich. Je schneller ein Rechner ist, desto schneller löst er die Puzzles. Sprich: Mit modernster Hardware geht es schneller, aber die beste Rechenleistung braucht natürlich viel Strom.

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Bei der Football-Manager-Verpackung präsentiert sich Sega noch als Vorbild, aber hier...

Der deutsche Konzeptkünstler Max Haarich verkaufte einzelne Pixel für zirka 1.000 bis 1.200 Euro und sorgte allein durch den Verkauf dieser Kollektion für einen CO2-Ausstoß von 125kg. Eine Ethereum-Transaktion sorgt für einen Energieverbrauch von 48,14kWh. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Stromverbrauch eines deutschen Haushalts pro Tag liegt bei um die 10 Kilowattstunden. Berücksichtigt dann noch, dass tausende Ethereum-Transaktionen pro Tag stattfinden und ihr könnt euch ausmalen, dass das auf Dauer ein Problem ist. Zumal NFTs zu einem immer größeren Thema werden, mehr Leute daran teilnehmen und die Zahl der Transaktionen so weiter in die Höhe treiben.

Kein gutes Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel

Und nun mischen also Square Enix und Sega bei NFTs mit beziehungsweise haben es vor. Durch die aktuell nicht wegzudiskutierende Energieverschwendung ist das im Angesicht des Klimawandels kein vernünftiger Schritt. Zumal gerade Sega vor zwei Jahren noch betont hatte, dass der Football Manager jetzt auf eine umweltfreundliche Verpackung setzt. Tja, so viel zum Umwelt- und Klimaschutz...

Im Februar berichtete zum Beispiel der Guardian, dass das Mining von Bitcoins mehr Elektrizität verschlinge als mancher Staat. Der Energieverbrauch geht buchstäblich durch die Decke, während woanders zugunsten des Klimas um jede noch so kleine Einsparung gekämpft wird, und wenn der Hype rund um die NFTs noch weiter wächst... nun, es wird nicht weniger. Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin hat zwar angekündigt, dass er die Blockchain langfristig gesehen auf "Proof of Stake" (PoS) umstellen möchte - was die Energiekosten um 99 Prozent senken würde -, aber wann das passiert, ist unklar. Bis dahin ist es aber ein fatales Signal an alle, die sich für Klima- und Umweltschutz einsetzen. Einfach ausgedrückt: Kapitalismus ist wichtiger als ein gesunder Planet. Schade, dass Sega und Square Enix hier nicht bedachter vorgehen.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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